[Rezension] Howl’s Moving Castle von Diana Wynne Jones

Der Ghibli-Film Howl’s Moving Castle ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Seit ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, hat mich die Geschichte, die Welt und die Animation vollkommen in seinen Bann gezogen. Deswegen war ich umso begeisterter, als ich herausgefunden habe, dass der Film auf dem gleichnamigen Buch von Diana Wynne Jones beruht. Nicht nur das: Es ist sogar eine Trilogie (Howl’s Moving Castle, Castle in the Air und House of Many Ways). Also habe ich das erste Buch gelesen und eine ganz andere – aber genauso zauberhafte – Geschichte entdeckt, als der Film sie erzählt.

Wie fast immer: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und werde wahrscheinlich einige Wörter anders übersetzen als in der offiziellen deutschen Version (oder englische Bezeichnungen beibehalten).

Worum geht es in Howl’s Moving Castle?

Sophie ist die älteste von drei Schwestern. Das wäre nichts besonders, wenn sie nicht in Ingary leben würde – einer Welt, in der die Regeln von Märchen Wirklichkeit sind. Damit steht fest: Sie als Älteste ist dazu verdammt, immer zu versagen, damit ihre jüngeren Schwestern von ihr lernen können. Im besten Fall schafft sie es vielleicht ein leises glückliches Leben zu führen. Sophie hat sich mit diesem Schicksal abgefunden – sich dagegen zu wehren würde nur noch größeres Unglück bedeuten – und arbeitet ohne sich zu beschweren in dem Hutladen ihrer Mutter.
Doch dann kommt die Witch of the Waste in ihren Laden und – weil sie Sophie mit einer ihrer Schwestern verwechselt – verwandelt Sophie in eine alte Frau. Jetzt hat Sophie genug. Sie sucht den bösen Zauberer Howl auf und geht einen Handel mit dem Feuerdämon Calicfer in seinem Kamin ein: Wenn sie es schafft den Vertrag zwischen Calcifer mit Howl zu brechen, dann wird der Feuerdämon sie den Zauber der Witch of the Waste aufheben.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Illustration von Marie-Alice Harel

Howl’s Moving Castle ist an eine jüngere Zielgruppe gerichtet als ich es bin, aber das hat mir erstaunlich wenig ausgemacht. Die Welt ist so erfrischend märchenhaft und die Figuren so lebendig, dass ich mich sofort wohl gefühlt habe in der Welt. Besonders Sophie hat mir gefallen, denn sie war beizeiten einfach richtig garstig und das ist eine Eigenschaft, die man bei weiblichen Figuren nur selten zu lesen bekommt. Außerdem hat mir Sophie als „alte“ Protagonistin wahnsinnig viel Spaß gemacht. Mir ist aufgefallen, dass ich gar keine Büche mit alten/älteren Frauen als Protagonistin kenne und das hat mir gleich Ideen für ein paar eigene Geschichten beschert.

Der Schreibstil von Dianna Wynne Jones ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch. Man muss echt aufmerksam lesen, denn es sind immer wieder Sätze eingestreut, die eigentlich keinen Sinn ergeben sollten, aber die so natürlich fantastisch sind, dass man dennoch ganz genau weiß, was sie bedeuten.

The castle was too tall for it’s height.

Die Ähnlichkeiten von Buch und Film

Um ehrlich zu sein: Der Ghibli-Film und das Buch ähneln sich kaum. Lass mich es so beschreiben: Stell dir vor jemand hätte den Machern des Films den Plot des Buches erzählt, aber dann hätten sie 10 Jahre gewartet und den größten Teil des Plots vergessen. Nur einige Schlüsselszenen und Namen sind ihnen im Gedächtnis geblieben und der Rest der Geschichte musste neu geschrieben werden.
Das Buch und der Film sind vollkommen verschiedene Geschichten, die zufällig einige Szenen – ohne den relevanten Kontext – teilen. (Das ist eine nicht-wertende Beobachtung.) Beide Geschichten haben ihren individuellen Reiz.

Eine Sache gibt es, die ich einfach nur lustig finde: Im Buch heißt der Lehrling von Howl „Michael“. Im Anime heißt er „Markl“. Es ist wahrscheinlich nur mein Humor, aber aus „Mike-l“ Mark-l zu machen, ist ein komödiantischer Geniestreich, der seinesgleichen sucht.

Ein Kritikpunkt

Achtung: leichte Spoiler für ein Setting, kaum plotrelevant

Illustration von Marie-Alice Harel

Ich gebe zu, dass diese Kritik eine sehr subjektive Vorliebe ist, deswegen möchte ich sie nur kurz anreißen: Der Zauberer Howl heißt eigentlich Howell Jenkins und ist aus Wales. Genauso wie Benjamin Sullivan (= Wizard Suliman) und das gefällt mir gar nicht.
Da beginnt man seine Geschichte in einer wahrlich fantastischen Märchenwelt mit lebenden Sternen, mit Sieben-Meilen-Stiefeln, in einem Land, in dem die Regeln der Märchen Realität sind und wo man Hüte zum Leben erwecken kann, wenn man ihnen gut zuredet … und dann öffnet man eine zufällige Tür und steht in Wales – in der echten Welt -, umgeben von Autos, Computern, Schaukeln aus Metall und Kindern, die niemals wissen werden, dass es Magie wirklich gibt. Nichts macht mir eine fantastische Welt schneller kaputt als die Eröffnung, dass es unsere Welt ebenfalls gibt.

Aber ich sehe auch ein, dass das eine sehr subjektive Kritik ist, die den meisten Lesenden nichts ausmachen wird.

Wem würde Howl’s Moving Castle gefallen?

Howl’s Moving Castle ist ein tolles Märchen in einer absolut fantastischen Welt, die sich fast wortwörtlich an die Regeln der Geschichten der Gebrüder Grimm hält. Sophie ist eine sympathische aber gleichzeitig sehr ausgesprochene Protagonistin, die mir besonders in ihrer verzauberten Version als alte Frau viel Freude (und Inspiration) bereitet hat.
Wenn dir die Märchenwelten der Gebrüder Grimm nicht zusagen, wirst du wahrscheinlich auch bei Howl’s Moving Castle an der falschen Adresse sein. Ansonsten kann ich dir das Buch nur herzlich empfehlen.

Buch 2: Castle in the Air

Buch 3: House of Many Ways


Hast du Howl’s Moving Castle (Film oder Buch) schon gesehen oder gelesen? Wie hat es dir gefallen?

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2 Replies to “[Rezension] Howl’s Moving Castle von Diana Wynne Jones”

  1. Francis says:

    Ich habe das Buch und den Film als Teenager konsumiert und während der Film für mich okay war, liebe ich das Buch abgöttisch. Es ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, die ich früher jedes Jahr, nun alle paar Jahre wieder lese. Wales als Setting fand ich übrigens super, weil es einen Eskapismus erlaubt hat, der mich schon immer fasziniert hat.
    An den Büchern fand ich besonders gut, welche Rolle die einzelnen Familienmitglieder von Sophie und Howl gespielt haben und wie sehr das Zusammenspiel der beiden zum Plot wurde. Ich hab gleich wieder Lust, das Buch zu lesen.

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    1. Sina Bennhardt says:

      Ja, dass mir das mit Wales -bzw. das mit der „normalen“ Welt neben der Fantasywelt- nicht gefällt, ist auch ein sehr persönlicher Pet Peeve, der sich irgendwann in meiner Jugend entwickelt hat und den ich jetzt wohl nicht mehr loswerde 😀 (und hat sich ehrlich gesagt auch nicht groß auf meine Meinung zu dem Buch ausgewirkt^^)
      Kann ich super verstehen, dass das eines deiner Lieblingsbücher ist. Es steht auch bei mir ganz weit oben 🙂

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