[Rezension] Loveless von Alice Oseman

In dem Versuch, mich für das Romantik-Genre zu begeistern, dachte ich mir, dass ich mit einem themenverwandten YA-Buch beginne. Themenverwandt deshalb, weil es um die Erkundung der eigenen Sexualität und dem Konzept der Romantik aus der Sicht einer asexuellen Person geht. Ich spreche von dem Buch Loveless von Alice Oseman, das im Juli 2020 erschienen ist.

Hinweis: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Vielleicht sind einige meiner Beschreibungen nicht wie in der (offiziellen) deutschen Übersetzung.

Worum geht es in Loveless?

Georgia hat noch nie jemanden geküsst. Sie war auch noch nie verknallt. So insgesamt ist ihr das Konzept von Beziehungen und Sex ein bisschen unheimlich. Aber das liegt nur daran, dass sie noch nicht die richtige Person gefunden hat. Bestimmt. Denn immerhin liebt sie das Konzept der Romantik! Aber jetzt hat Georgia eine neue Chance. Gemeinsam mit ihren besten Freunden Pip und Jason hat sie gerade die Schule beendet und geht auf dieselbe Uni. Da wird es doch bestimmt einfach den ersten Kuss zu erleben. Immerhin lebt Georgias sex-positive Mitbewohnerin Rooney ihr vor, wie es geht. Warum tut sich Georgia trotz Rooneys Hilfe und Anleitung so schwer?

Romantik Lite

Mein Plan Loveless zu lesen, weil es themenverwandt zum Romantik Genre ist, ist hervorragend aufgegangen, weil es sich eher um die Betrachtung von den Erwartungen an Romantik und Beziehungen geht und außerdem die Frage, wie eine asexuelle Person in einer Welt, in der alles auf Beziehungen und Sex fokussiert zu sein scheint, glücklich werden kann.

Wenige Figuren, kleine Welt

Loveless kommt mit relativ wenig Figuren aus. Da sind Georgia (als Hauptfigur und Ich-Erzählerin), ihre besten Freunde Pip und Jason, ihre Zimmermitbewohnerin Rooney und ihr college parent Sunil. Und das war es an Figuren auch quasi schon. Natürlich werden andere Figuren erwähnt, wie Georgias Familie und einige andere Student*innen der Universität, aber es ist deutlich, dass diese Figuren in den Hintergrund gehören.
Das führt dazu, dass sich Georgias Welt immer sehr klein anfühlt. Was etwas Gutes ist, denn sie ist eher zurückgezogen und schüchtern. Und wenn sich Georgia mal auf eine soziale Veranstaltung wagt, dann ist der Lesende mit ihr überwältigt von den plötzlichen anderen Figuren und Namen und und und. Die wenigen Figuren, sind eine strukturell perfekte Wahl, um Georgias innere Welt und Gedanken äußerlich darstellen zu können.

LGBTQ+ Repräsentation

Zeichnung der Hauptfiguren als die Scooby Gang (von links nach rechts) Jason, Rooney, Pip, Georgia und Sunil von der Autorin Alice Oseman

Ich möchte die abwechslungsreiche und super gefühlvolle LGBTQ+ Repräsentation, besonders Repräsentation asexueller Menschen, hervorheben. Georgia ist aromantisch asexuell, ihr college parent Sunil ist genderqueer homoromantisch asexuell, ihre Tante ist asexuell (ohne festes Label), ihre beste Freundin lesbisch, ihre Zimmermitbewohnerin pansexuell und und und. Es ist wahnsinnig erfrischend nicht nur eine Version von Asexualität zu sehen, sondern Menschen auf verschiedensten Stellen des asexuellen Spektrums, die sich unterschiedlich sicher in ihrer Asexualität sind. Das hilft, die verschiedenen Asexualitäten differenziert betrachten zu können und umgeht geschickt den Stereotyp des „Roboters“, in das viele asexuelle Figuren hineinfallen.
Jede (Haupt)Figur in Loveless hat einen tiefen und komplexen Charakter. Dabei ist alles so selbstverständlich und einfach dargestellt, dass man sich bei den Figuren sicher und gut aufgehoben fühlt.

Fazit

Loveless ist eine wunderschöne, einfache Geschichte um die Selbstentdeckung einer asexuellen und aromantischen Person. Georgia, Pip, Rooney, Jason und Sunil sind tolle Figuren, die alle ihre Fehler und Fehltritte haben, aber sich durch ihre Freundschpaft zueinander herausheben. Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen und habe an ein paar Stellen fast geweint, mehr möchte ich dazu gar nicht sagen.
Wenn du ein Buch mit romantischem Thema aber ohne wirklich Romantik lesen möchtest oder dir eine authentische und abwechslungsreiche Darstellung von asexuellen Figuren wünschst, kannst du mit Loveless nichts falsch machen.

 


Hast du Loveless gelesen? Hört es sich nach einem interessanten Buch für dich an?

Teilen mit:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.