[Worldbuilding] Schmuck als sozialer Marker in deinem Worldbuilding (2/2)

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung des Artikels Wie beeinflusst Schmuck dein Worldbuilding?. Wenn du ihn noch nicht kennst, solltest du dort anfangen, ansonsten wird diesem Artikel der Kontext fehlen. Hier geht es jetzt weiter mit dem zweiten Grund, warum Schmuck getragen wird: Als sozialer Marker.

Grund 2: sozialer Marker

Körperdekorationen können nicht nur (subjektiv oder kulturell) schön aussehen, sondern können auch soziale Zeichen setzen. Diese Zeichen lassen sich meistens einem der vier folgenden Punkte zuordnen. Aber wie immer gilt auch hier: Die Punkt schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern können einander ergänzen.

1. Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe

Der Begriff „Volksgruppe“ kann an dieser Stelle so eng oder weit gefasst werden, wie es nötig ist. Dazu zählen Familien- oder Freundeskreis, aber auch Landes- oder Religionszugehörigkeit. Wie sich das im Schmuck äußert, kann sehr unterschiedlich sein. Oft wird mit der Darstellung von gewissen Symbolen gearbeitet, aber schon bestimmte Farben oder Materialien können Aufschluss über die Zugehörigkeit einer Volksgruppe geben.
Wie offen diese Zugehörigkeitssymbole getragen werden, ist dabei meist gleichzusetzen mit dem Vertrauen und der Sicherheit, die diese Volksgruppe gibt.

Denke hier an Schmuck wie Eheringe, Freundschaftsarmbänder und religiöse Symbole wie Kreuz oder Davidstern, aber die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

2. Zeichen des sozialen Standes

Zeichen des sozialen Standes werden meistens nur zur Schau getragen, wenn sie einen hohen (oder höheren) Rang suggerieren. Denke beispielsweise an die Krone eines/r Adeligen oder auch einfach nur an die zur Schau Stellung teurer Ketten, Ringe und Armreifen. Eine Person mit niedrigem sozialen Rang hingegen würde hingegen keinen Schmuck tragen, der den niedrigen Rang betont.
Stattdessen kann man hin und wieder eine Imitation des Geschmeides der sozial Höheren beobachten. An Stelle von teuren Edelsteinen werden Imitate aus Glas verwendet, anstatt pures Gold zu verwenden, wird ein anderes Metall bemalt, um den Anschein von Gold zu erwecken. Weniger „haltbare“ Schmuckstücke wie Blumen oder andere Pflanzen- und Tiermaterialien finden seltener Imitation, weil sie zu schnell vergehen, um als dauerhafter sozialer Marker hilfreich zu sein.

3. Kommunikation

Schmuck kann auch nur der Informationsübermittlung dienen. Ein einfaches Beispiel sind medizinische Armbänder. Aber auch Dinge wie Ehestand oder Freiheitsstatus können – letzterer eher unfreiwilligerweise – kommuniziert werden.
Denke an dieser Stelle darüber nach, welche Informationen in der Kultur wortlos miteinander geteilt werden sollen/müssen. Gibt es irgendwelche Regeln, die Menschen verbieten würde miteinander zu interagieren, die aber nicht direkt sichtbar sind? Schmuck kann dabei ein wertvoller Marker sein.

4. Auszeichnung für Verdienste

Zuletzt kann Schmuck noch eine Auszeichnung für besondere Verdienste sein. Medaillen für außerordentliche sportliche Leistung oder auch Abzeichen, die den Mut im Kampf beweisen, sind nur zwei Beispiele dafür. Welche Werte werden in der Kultur als wichtig erachtet? Wie könnte sich das in der Art des Schmucks wiederspiegeln? Hätten die Werte, die „belohnt“ werden, Auswirkungen auf die Materialien, die verwendet werden?

Der Einfluss der Religion

Nicht zu vernachlässigen ist der Einfluss der Religion. Das religiöse Symbol wird oft gut sichtbar um den Hals oder am Handgelenk getragen. Auch für das Beten gibt es manchmal „Hilfsmittel“ wie Gebetsketten, die im weitesten Sinne als Schmuck zählen können. Aber nicht nur über das Zeichen der Religion und wie es getragen werden kann, solltest du nachdenken. Kann es in der Religion begründet sein, verschiedene Arten von Zierden oder Materialen zu meiden? Und wenn ja, was ist der Grund?

An einem Beispiel: Die Jamuk

In einer meiner Geschichten habe ich ein Volk entwickelt, das sich „Jamuk“ nennt. Sie sind ein nomadisches Volk, das im Inneren des Kontinents an den Ausläufern einer riesigen Steinwüste lebt. Der Schöpfungsmythos ihrer Religion besagt, dass sie die Schuld für das Entstehen dieser Wüste tragen, die einst aus puren Edelsteinen bestand und das Herz der Götter war. Aber der erste Mensch stahl diese Edelsteine für seinen eigenen Vorteil und hinterließ einen sterbende Welt. Somit ist es die Pflicht der Jamuk, die Edelsteine der Welt zusammenzutragen und zurück zu der Wüste zu bringen, damit sie wieder erblühen kann und die Götter zurückkehren.

Das bringt eine interessante Dynamik in ihr Verhältnis mit Edelsteinen. Für Außenstehende mag es wiedersprüchlich erscheinen, dass die Jamuk Edelsteine „sammeln“ aber niemals zu nutzen scheinen. Die Edelsteine „verschwinden“ einfach – die Jamuk bringen sie zu verschiedenen Verstecken in der Wüste, um sie vor Räubern zu schützen. Stattdessen tragen sie „wertlosen“ Schmuck aus Metall und verschiedenen Tier- und Pflanzenmaterialien. Die Edelsteine sind zwar unbezahlbar für sie, aber könnten niemals als Schmuck getragen werden.

Wann trägt man Schmuck?

Die Frage sagt schon alles aus: Schmuck muss nicht täglich getragen werden. Besonders Schmuck, der als Auszeichnung für Verdienste getragen wird, wird meistens nur zu bestimmten Anlässen getragen. Mach dir also darüber Gedanken, bei welcher Art von Körperzierde es Sinn ergibt, ihn täglich zu tragen oder „nur“ hin und wieder. Hier eine kleine – unvollständige – Liste mit Fragen, die du dir stellen kannst:

  1. Ist der Schmuck ein sozialer Marker, wie oben erläutert? Was lässt sich daraus für die Trage-Frequenz ableiten?
    1. Ist es sozial erwartet, dass der Schmuck getragen wird? Wie tief verankert ist diese Tradition?
    2. Was wären die Konsequenzen eines sozialen Bruchs?
    3.  Warum würde man diese soziale Regeln brechen wollen (oder nicht)?
  2. Wie wirkt sich der Wert und das Aussehen, aber auch der persönliche Geschmack deiner Figur auf die Trage-Frequenz aus?
    1. Wird Wertvolles häufiger zur Schau gestellt oder nur zu besonderen Ereignissen?
    2. Wie „alltagstauglich“ ist der Schmuck? Also, an welchem Körperteil wird er getragen? Wie viele Ecken und Kanten hat er, an denen er hängen bleiben könnte? Wie gut lässt sich das mit dem Beruf oder täglichen Aktivitäten der Figur vereinen?
  3. Gibt es speziellen Schmuck für Fest- und Feiertage? Wenn ja für welche und warum?

Exkurs: Wie lange hält Schmuck?

Diese Frage ist eigentlich eine Frage nach dem Material, aus dem der Schmuck besteht. Ich denke, wenn ich das Wort „Schmuck“ höre, ganz instinktiv an Metalle und Edelsteine, aber das ist keine Regel. Schmuck kann aus jedem Material bestehen. Metall, Edelsteine, Holz, Papier, Blumen, Federn, Knochen, Leder, Stoff, Stein, usw. Solange sich das Material bearbeiten lässt, ist auch Schmuck daraus denkbar.
Aber was bedeutet eine potentielle Vergänglichkeit für den Schmuck?

Lange haltbare Materialien lassen sich über Generationen weitergeben. Sie haben also oft neben einem materiellen auch einen sentimentalen Wert. Schmuck, der nicht lange hält, kann hingegen Wert und Bedeutung durch seine Kurzlebigkeit erfahren. Wie du damit umgehst, ist letztendlich deine Entscheidung. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Es ist nur ein interessanter Blickwinkel.


Ich hoffe, du hattest Spaß mit dieser Mini-Serie zu dem Schmuck in deinem Worldbuilding. Hast du noch Fragen oder Ideen? Ich freue mich über Kommentare!

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2 Replies to “[Worldbuilding] Schmuck als sozialer Marker in deinem Worldbuilding (2/2)”

  1. Charles says:

    Du hast mich neugierig auf die „Jamuk“ gemacht. Wo kann ich sie lesen?
    ☺️

    Antworten
    1. Sina Bennhardt says:

      Leider ist die Geschichte nirgendwo öffentlich. Ich versuche noch einen Verlag zu finden, der meine Geschichten veröffentlicht :/
      Falls es irgendwann so weit sein sollte, dass ich veröffentlicht werde, dann wird es hier gaaaaaaanz viel dazu auf meinem Blog zu lesen geben^^

      Antworten

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