How to Heist – Tipps, Tricks und Ideen

Ich habe vor Kurzem die Six of Crows Duologie von Leigh Bardugo gelesen. Sie spielt in derselben Welt wie auch die Shadow and Bone Trilogie, und von der ich ziemlich begeistert war. Wo Shadow and Bone einen sehr klassischen Fantasy-Plot hatte – wenn auch sehr gut ausgeführt – ist Six of Crows sehr viel weniger konventionell und ist in seinem Kern eine Heist-Geschichte. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Was macht eine gute Heist-Geschichte aus? Was sind die Regeln und worauf solltest du achten?

Was ist ein Heist überhaupt?

Heist (engl.) wird gerne mit dem deutschen Wort „Raubüberfall“ übersetzt, was faktisch das richtige Wort ist, aber trotzdem die Bedeutung nicht ganz trifft. Ein Heist zeichnet sich durch seine Planung aus, durch sein hohes Risiko und die Durchführung durch „professionelle“, hochqualifizierte und -spezialisierte Verbrecher. Das Ziel des Heists ist es, dass alle Beiteiligten ihren Teil des Kuchens bekommen und sich danach in Luft auflösen und nicht gefunden werden. Das bedeutet auch, dass die Verbrecher unnötige Gewalt vermeiden, um dem Gesetz nicht weitere Gründe zu geben, sie zu verfolgen. Im besten Fall merkt niemand, dass etwas gestohlen wurde, bis der Heist lange vorbei ist.

In Geschichten ist das Opfer des Heists außerdem meist ein Mensch, der eine moralisch verwerfliche Vergangenheit hat. Gleichzeitig sind die Durchführenden des Heists zwar Verbrecher, aber Verbrecher mit einem starken moralischen Kompass. Man kann sie oft sogar „Gentlemen“-Verbrecher nennen. Denke an Figuren wie Danny Ocean aus dem Film Oceans 11 oder Neil Caffrey aus der Serie White Collar.
Also ja, ein Heist ist ein Raubüberfall, aber ein hochkomplex-geplanter Raubüberfall aus der Sicht der Gentlemen-Verbrecher.

Was sind die Zutaten für einen guten Heist?

Den Wunsch einen Heist zu schreiben, lässt sich leicht nachvollziehen. Die Hauptfiguren sind Gauner und Ganoven, die eine gewisse moralische (und damit kreative) Freiheit erlauben, die ein 08/15 Held oft nicht zulässt. Gleichzeitig sind die Ganoven nicht so moralisch verwerflich, dass man sich nicht mit ihnen identifizieren kann. In ihrem Kern steht oft ein nicht gewaltätiger Pragmatismus und das Bedürfnis nach einer Beute, die es erlaubt, bis an sein Lebensende in Luxus zu leben.
Was braucht es also für einen guten Heist in einer Geschichte?

1. Das Ziel und der Antagonist

Die erste Entscheidung, die du treffen sollest, ist das Ziel des Heists. Ob Banken, Museen, Juweliere, Casinos, (Post)-Züge/-Kutschen odere Privatpersonen. Deine Auswahl ist riesig. Wichtig ist nur, dass das Ziel einen oder mehrere Gegenstände von hohem materiellem oder ideellem Wert besitzt. An dieser Stelle lohnt es sich meist, die Motivation für den Raub mitzuentwickeln. Gier? Rache? Ein Sinn von Gerechtigkeit? Alles ist möglich.
Seltener kann das Ziel auch ein Gefängnis sein, um einen Freund auszubrechen. Das ist aber meistens das Thema des zweiten Buches (falls es eine Reihe ist und der Heist nicht ganz nach Plan verläuft).

2. Das Team

Das Team ist das Herzstück einer guten Heist-Geschichte. Die genaue Zahl des Teams kann sehr unterschiedlich sein, aber es gibt vier Rollentypen von denen jeweils mindestens eine dabei ist. Dabei sei gesagt, dass eine Figur mehrere Rollen ausfüllen kann.

Der Boss

Jemand muss in dem Team das Sagen haben und die initiale Idee für den Heist haben. Diese Aufgabe wird meistens von dem Boss eingenommen, einem kriminiellen Mastermind, dessen/deren Intelligenz (und oft auch Charme) seines/ihresgleichen sucht. An seiner Seite steht oft eine rechte Hand und einzige Person des Teams, der das Mastermind vollkommen vertraut. Außerdem kann es auch noch einen geheimen Sponsor oder Auftraggeber geben, der den Heist beauftragt. Der geheime Sponsor wird oft im Laufe des Heists aufgedeckt, was zu weiteren Konflikten führen kann – je nachdem wie die persönliche Verbindung von Sponsor und Ganoven ist.

Die diebischen Rollen

Je nachdem was für ein Heist bevorsteht, können die tatsächlichen diebischen Rollen des Heists unterschiedlich besetzt sein. Der Schwerpunkt der Diebe liegt dort, wo es der Heist braucht. Denke an Betrüger, Hochstapler, Trickbetrüger, Einbrecher, Fassadenkletterer, Schlossknacker, Taschendiebe, etc. Wichtig ist nur, dass sie ungeschlagen auf ihrem Gebiet sind.

Die „Security“

Natürlich muss auch dafür gesorgt sein, dass jemand dafür sorgen kann, mögliche Gefahren aus dem Weg geräumte werden können. Nahkampfspezialisten, Scharfschützen, ehemaliger Türsteher … solange sie wissen, was sie tun und mit hochstressigen Situationen klarkommen, können sie in das Team passen. Oft sind diese Figuren Ex-Militär, was natürlich leicht erklärt, warum sie sich so gut mit Waffen auskennen.

Die Spezialisten

Diese Figuren sind auf den speziellen Heist abgestimmt und besitzen ein Talent, das unabdingbar werden wird. Hier ist Kreativität gefragt: Der Fahrer, der Sprengstoffexperte, die Ablenkung, der Tiefseetaucher. Alles was nicht in die Rollenverteilung von oben passt, kann hierhin. Bei der Vorstellung des Teams werden diese Figuren oft übergangen und ihre Talente auch vor dem restlichen Team geheim gehalten.

Die Perspektive(n) wählen

Um das Team (und auch den Plan) besonders effektiv in Szene setzen zu können, solltest du dir besonders viele Gedanken über die Perspektive(n) machen, die du für die Geschichte wählst. Hier gibt es kein richtig und falsch, allerdings sind oft mehrere Perspektivträger nötig, damit die Lesenden den verschiedenen Gruppen folgen können.
Du musst abwägen, welche Perspektiven genug Informationen geben, dass die Lesenden der Geschichte folgen und mitfiebern können, aber nicht genug Informationen, dass alle Geheimnisse und Pläne direkt offengelegt werden. Es ist ein Balanceakt, der zu wahnsinnig spannenden Ergebnissen führen kann. Die einzige Regel, die du einhalten solltest, ist, dass du den Lesenden keine Informationen vorenthältst, die der Perspektivträger kennt. Denn das fühlt sich schnell nach Faulheit von der Seite des Schreibenden an und kann das Vertrauen, das du zum Lesenden aufgebaut hast, zerstören.

3. Der Plan

Die folgende Erkenntnis hat dazu geführt, dass ich Heist-Geschichten kaum noch spannend finde und ich wünschte – weil ich kein Interesse habe, einen Heist zu schreiben – dass ich dieses Muster nie bemerkt hätte:

Wie in jeder anderer Geschichte solltest du vermeiden, dass Dinge doppelt erzählt werden, damit sich deine Lesenden nicht langweilen. Das heißt, du musst den Plan im Vorraus nur erzählen, wenn er schiefgeht. Ansonsten brauchst du den Plan nicht erklären, denn es ist spannender ihn zu erleben wie er sich entfaltet. Du siehst wahrscheinlich, wie diese Erkenntnis die Spannung aus einer Geschichte nehmen kann. Sobald ein Plan erklärt wird, weißt du, dass er schiefgehen wird.
Natürlich kannst du dem Lesenden nur einen Teil des Planes vorsetzen oder den Plan in Etappen erklären/freilegen und damit diese Erkenntnis zumindest zum Teil umgehen, aber einfach ist es nicht.

Leider habe ich auch noch keine Möglichkeit gefunden, diese Erkenntnis verlässlich zu umgehen.

Zusammenfassung

Heist-Geschichten sind in ihrem Aufbau sehr einfach, aber in der Umsetzung oft schwieriger als gedacht. Indem du dir deine Geschichten in Antagonisten/Ziel, das Team und den Plan aufteilst, kannst du für dich die Komplexität herunterfahren und dich besser auf die einzelnen Aspekte der Geschichte konzentrieren. Der Reiz eines Heists liegt definitiv in seinen Figuren, als scheue dich nicht davor, deine Kreativität spielen zu lassen.


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