Wortwitze sind toll und niemand kann mich von dem Gegenteil überzeugen

Manchmal (meistens) möchte ich über Dinge schreiben, die niemand von mir verlangt hat und realistisch gesehen auch niemand lesen möchte. Eines dieser Dinge sind Wortwitze. Ich liebe Wortwitze. Wortwitze sind meine liebste Art von Humor, aber leider – meiner Erfahrung nach – sehr unbeliebt. Sie bekommen oft nicht mehr als ein enttäuschtes Seufzen oder ein Kopfschütteln als Antwort. Trotzdem möchte ich über sie schreiben und vielleicht findest du im Laufe dieses Artikels einen Grund, sie zumindest ein bisschen zu mögen.

Was ist ein (guter) Wortwitz?

Bevor wir klären können, was ein guter Wortwitz ist, muss ich definieren, was ein Wortwitz überhaupt ist: Ein Wortwitz ist ein „auf einem Wortspiel beruhender Witz“ (Quelle). Mir gefällt diese Definition, denn es zeigt deutlich, worum es bei Wortwitzen geht: Um einen spielerischen Umgang mit Sprache. Tatsächlich würde ich behaupten – und diese Behauptung basiert auf nichts anderem außer meiner subjektiven Wahrnehmung – dass man eine Sprache beherrscht, sobald man in ihr Wortspielereien und Wortwitze machen und ohne Erklärung verstehen kann.

Aber was macht einen Wortwitz „gut“? Das ist wie bei jeder Art von Humor sehr subjektiv. Für mich habe ich festgestellt, dass Wortwitze auf einer Skala existieren. Auf der einen Seite sind die Wortwitze, die ein widerwilliges Lachen oder Kopfschütteln erhalten, weil sie einfach/offensichtlich sind. Auf der anderen Seite stehen die Wortwitze, über die ernsthaft gelacht wird, weil sie neuartig oder „schlau“ sind. In der Mitte dieser Skala sind die Wortwitze, die keine Reaktion hervorrufen.
Allein die Witze, die keine Reaktion hervorrufen, haben ihren Zweck verfehlt. Denn, ob die Zuhörenden ernsthaft oder mit einem Kopfschütteln lachen, ist zweitrangig. Hauptsache, die Menschen haben Spaß.

Wortwitze in früher(er) Literatur

Wortwitze – engl. „puns“ – haben eine große Tradition in der Literatur. Ein sehr bekanntes Beispiel für Werke, die vor Wortwitzen fast aus allen Nähten platzen, sind die Stücke von Shakespeare. Um nur ein Beispiel zu nennen: Hamlet – aus dem Stück Hamlet – wandert über einen Friedhof und trifft auf einen Totengräber, der ein Grab aushebt. Als Hamlet den Totengräber fragt, wem das Grab gehört, sagt der Totengräber das es ihm selbst (also dem Totengräber) gehört. Daraufhin antwortet Hamlet spaßhaft: „I think it be thine indeed, for thou liest in it“. Die Spielerei liegt in dem Wort liest, dass sowohl liegen als auch lügen bedeuten kann. Übersetzt wäre es also „Natürlich ist es dein [Grab], denn du liegst/lügst darin.“
Sogar in den Titeln seiner Stücke benutzte Shakespeare Wortwitze. Beispielsweise war das Wort „Nothing“ damals eine Anspielung auf die weiblichen Geschlechtsorgane und so bekommt der Titel Much Ado about Nothing direkt eine zweite Bedeutung.

Welche Arten von Wortwitzen gibt es?

Für den Anfang unterteile ich meine Wortwitze gerne in zwei Arten (die sich auch oft überschneiden): „Klingt wie“-Witze und „Sieht aus wie“-Witze. Hier ein paar Beispiele.

„Klingt wie“-Witze

  • Das Brot ist traurig. Wie kannst du es aufheitern?
    — Ein bisschen Toast spenden.
  • Wie heißt ein Musiker, der für seinen Hüftschwung bekannt war?
    — Pelvis Presley.
  • Warum findet der langbeinige Vogel die Baustelle doof?
    — Er mag den Kran nich.

„Sieht aus wie“-Witze

  • Welchen Teil eines Schiffes finden Programmierer am schlimmsten?
    — Den Bug.
  • Welchem Motto folgen der schwitzende und hoch-religiöse Anwalt gleichermaßen?
    — In dubio cum Deo.

Um ein bisschen ausführlicher und wissenschaftlicher zu werden, möchte ich das ganze aber noch einmal auf sprachwissenschaftlicher Basis auseinandernehmen.

Eine ausführlichere Erklärung: Homonyme

Ein (reines) Homonym – umgangssprachlich auch Teekesselchen – ist ein „Wort, das den gleichen Wortkörper hat, aber in seiner Bedeutung/Herkunft verschieden ist“ (Quelle). Denke an Wörter wie „Band“, das ein Buch, eine Gruppe von Musikern oder einen Stoffstreifen beschrieben kann. Homonyme können oft durch ihren Genuswechseln unterschieden werden (der (Buch)Band, die (Musik)Band und das (Stoff)Band), aber auch das muss nicht sein (die Mutter und die Mutter). Es gibt auch noch Unterarten von Homonymen:

  1. Homographie = gleiche Schreibweise, andere Bedeutung und oft andere Aussprache
    „Spielende“ könnte das Spiel-Ende beschreiben oder die Menschen, die das Spiel spielen; „modern“ könnte fortschrittlich (adj.) oder verwesen (v.) bedeuten
  2. Homophonie = verschiedene Schreibweise und Bedeutung, aber gleiche Aussprache
    Wal – Wahl, Gin – Dschin oder schlechter – Schlächter

Ebenfalls verwandt mit den Homonymen, sind die Polysemanten also Wörter mit mehreren Bedeutungen wie z.B. Schloss (Verriegerlungsgerät/Gebäude). Oft haben die beiden Einzelbedeutungen denselben Ursprung: Der Hut (Kopfbedeckung) bot Hut (Schutz) vor der Sonne. Der Kopfbedeckung-Hut ist also wortwörtlich nichts anderes als ein Kopf-Hut/Schutz. Aber das nur am Rande.

Die Kunst der Wortwitze

Die Kunst eines Wortwitzes ist es, die oben erklärten Definitionen nicht nur auf einzelne (vollständige) Wörter sondern auch auf einzelne Silben oder Wortteile anzuwenden. Das habe ich in folgenden Wortspiel ad absurdum geführt:

Wie heißt der Ehemann eine Wildtieres, der seine Begeisterung für Wassersportwettbewerbe gefunden hat?
— Segel-Reh-Gatte.

Es geht also im Grunde wirklich nur um das Spiel mit der Sprache und Wörtern. Das Spiel mit Wörtern und Wortteilen, mit ähnlichen Klängen und/oder ähnlichen Schreibweisen.
Ich mag Wortwitze, weil ich gerne mit der Sprache spiele und das ist auch schon alles. Aber sie haben – warum bin ich mir nicht sicher – bei der durchschnittlichen Bevölkerung einen schlechten Ruf und das tut ihnen Unrecht. Finde ich zumindest.

 


Wie stehst du zu Wortwitzen? Rufen sie eher ein Augenrollen hervor oder hast du Spaß an ihnen? (Ich würde auch gerne deine eigenen Lieblings-Wortwitze lesen, wenn du welche hast!)

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2 Replies to “Wortwitze sind toll und niemand kann mich von dem Gegenteil überzeugen”

  1. Ben Vart says:

    Hallo,

    der Wortwitz, das Spiel mit Worten, ist doch längst eine etablierte Unterhaltungsform, die zum Beispiel von Heinz Erhardt nicht nur gepflegt, sondern ausgebaut und weiter entwickelt worden war. Man muss nicht in die Englische Literatur ausweichen, um Wortwitz zu erklären.
    Der Kalauer ist eine ganz früh entstandene Urform des Wortwitzes. Viele der heutigen Kabarettisten stützen sich mehr oder weniger intelligent darauf. Wobei mir immer wieder der frühe Otto einfällt, der als Fernsehprediger klar machte: „Theo – wir fahrn nach Lodc“. Wenn Sie diesen Sketch kennen, kennen sie auch die Pointe, die in der Frage gipfelt: „Welcher Theo ist da wohl gemeint? Ist es der Theo in uns allen oder vielleicht der in Tee oder Kaffee?“
    Natürlich spielen auch Dialekte dabei eine Rolle, da Doppeldeutungen von Begriffen oder spezielle Bedeutungen, die nur in einem bestimmten Dialekt vorkommen, auf Außenstehende merkwürdig – und daher häufig belustigend – klingen. Ich verweise auf den schwäbischen Dialekt, bei dem die Füße auch das Bein beinhalten oder „heben“ auch (fest)halten bedeutet.
    Ein besondere Art des Wortwitzes in Form des bis zur Dümmlichkeit ausgebeuteten Kalauers gab es in einer Fernsehserie in den frühen 70er Jahren. „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis wurde dadurch in meiner Jugendzeit fast zur Kultserie.
    Intelligenter Wortwitz ist fast immer mit Augenrollen verbunden. Insbesondere bei denjenigen, die ihn nicht verstehen. Daher sage ich: „Lieber inkontinent als gar nichts von der Welt sehen.“

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten
    1. Sina Bennhardt says:

      Hallo Ben,
      danke für deinen Kommentar. Ich weiß nicht, was ich wirklich antworten soll, weil ich mir nicht sicher bin, welcher Teil meines Artikels mir diese Geschichtsstunde von dir eingebracht hat. Es geht in meinem Artikel nicht um die Herkunft des Wortwitzes, sondern um seinen Aufbau.

      Man muss nicht in die englische Literatur ausweichen, um Wortwitz zu erklären.

      Natürlich muss ich nicht in die Englische Litertaur ausweichen, aber weil ich davon ausgehe, dass die meisten Leser*innen meines Blogs Deutsch sind, wollte ich nicht immer dieselben deutschen Kabarettisten/Comedians nennen, von denen ich ausgehe, dass sie allseits bekannt sind. Ich habe Shakespeare genommen, weil er 1. sehr bekannt und 2. notorisch unbeliebt ist bei Menschen, die ihn nur aus der Schule kennen. Da wollte ich einen frischen Blickwinkel auf seine Werke bieten. Mehr Beispiel und Fun Fact als eine Erklärung wie Wortwitze funktionieren.

      Natürlich spielen auch Dialekte dabei eine Rolle, da Doppeldeutungen von Begriffen oder spezielle Bedeutungen, die nur in einem bestimmten Dialekt vorkommen, auf Außenstehende merkwürdig – und daher häufig belustigend – klingen.

      Ich freue mich, dass du meine Erklärung von Homonymen verstanden hast.

      Intelligenter Wortwitz ist fast immer mit Augenrollen verbunden. Insbesondere bei denjenigen, die ihn nicht verstehen.

      Das ist sehr elitäres Denken und grenzt an Arroganz. Insgesamt sprichst du sehr großväterlich von oben herab und ich hoffe, dass das nur daran liegt, weil ich deinen Tonfall in Textform falsch deute.

      Mit freundlichen Grüßen 🙂

      Antworten

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