Einen Klappentext schreiben – Wie geht das?

Einen ansprechenden Klappentext zu schreiben, ist für viele Schreiberlinge eine der schwierigsten Aufgaben des Bücherschreibens überhaupt. Denn wie soll man seine hunderte-Seiten-Geschichte ansprechend in nur einer handvoll Sätze verpacken? Es scheint eine unmögliche Aufgabe zu sein gleichzeitig seiner Vision gerecht zu werden und nicht in klischeehafte Sätze abzurutschen. Wie gehst du also am besten vor?

Was ist ein Klappentext?

Der Klappentext findet sich auf den jeweils eingeklappten Enden des Schutzumschlages eines Buches und beinhaltet oft eine anreißende Inhaltsangabe des Werkes sowie weitere Informationen zum Autor.

– von wortwuchs.net

Auch wenn es sich bei dem Klappentext technisch gesehen, um mehrere Texte wie eben die Inhaltsangabe des Buches, den Autorentext und mögliche weitere Werbetexte oder Zitate handelt, bezeichnet das Wort „Klappentext“ umgangssprachlich nur die Inhaltsangabe. Wenn ich also in diesem Artikel von einem Klappentext rede, dann meine ich nur die Inhaltsangabe der Geschichte.

Die Funktion des Klappentextes

Im Großen und Ganzen muss der Klappentext zwei Funktionen erfüllen: Er muss informieren und er muss bewerben. Diese beiden Punkte lassen sich zwar nicht sauber voneinander trennen, aber trotzdem möchte ich es für diesen Artikel tun. Der Grund dafür ist einfach: Die meisten Schreiberlinge sind bewandert im Schreiben – wer hätte es gedacht? – und somit fällt der „Inhaltsteil“ eines Klappentextes oft leichter als der „Marketingteil“. Denn nur weil man eine Geschichte inhaltlich korrekt zusammengefasst hat, macht sie nicht unbedingt neugierig oder regt zum Kaufen an.

Funktion 1: Information

Weil es wahrscheinlich ist, dass dir der Informationsteil des Klappentextes einfacher fällt, möchte ich damit anfangen. Dein Klappentext sollte Aufschluss geben über:

  • das Genre deiner Geschichte
  • deine Hauptfigur(en)
  • die Ausgangssituation
  • den (Haupt)Konflikt oder das auslösende Moment
  • und deinen Antagonisten

Du musst nicht zwingend alle dieser Punkte ansprechen. Beispielsweise könnte das Genre schon über das Cover deutlich werden. Deswegen nimm diese Liste eher als Leitfaden, von dem die meisten Punkte abgehakt sein sollten. Außerdem sollte dein Klappentext spoilerfrei sein – also keine Plotpunkte nach dem ersten Drittel deiner Geschichte ansprechen – und eine Länge von etwa 100-150 Wörtern haben.

Einen Klappentext schreiben (inhaltsfokussiert)

Eine Klappentextform, die sich gut für einen ersten Entwurf eignet, könnte folgendermaßen Aussehen. Die Beispiele sind von dem Klappentext von Der Marsianer von Andy Weir.

  1. Darstellung der Ausgangssituation, Nennung der Hauptfigur(en) und (optional) Andeutung des Genres.
    „Bei einer Expedition auf dem Mars gerät der Astronaut Mark Watney in einen Sandsturm und wird bewusstlos.“
  2. Nennung des Konfliktes, optionalerweise auch des Antagonisten.
    „Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Nahrung. Ohne Ausrüstung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde.
  3. offen gestellte Frage, die auf eine Richtung hinweist, die das Buch einschlagen wird.
    „Für Mark Watney beginnt ein spektakulärer Überlebenskampf …“

In dieser Struktur lässt sich jede Geschichte einfach und deutlich darstellen. Die Kunst – für die ich leider wenig Hilfestellung geben kann – ist, in dieser kurzen Zusammenfassung, deine Schreibstimme und die Stimmung der Geschichte durchscheinen zu lassen. Hier können dir Testleser weiterhelfen, wenn du dir unsicher bist!

Funktion 2: Marketing

Der Klappentext soll allerdings nicht nur informieren, sondern auch bestenfalls zum Kauf anregen. Deshalb solltest du dir Gedanken darüber machen, wer dein Buch kauft, wie du Interesse wecken möchtest und schließlich zum Kauf anregst.

Wer kauft dein Buch?

Hier lassen sich die möglichen Interessenten in drei Gruppen aufteilen:

  1. Die Überzeugten: Zu dieser Gruppe zählen alle Menschen, die dein Buch auch unabhängig von dem Klappentext kaufen werden. Dazu zählen z.B. Freunde, Familie oder eine bereits etablierte Leserschaft.
  2. Die Uninteressierten: Zu dieser Gruppe zählen zielgruppenferne Menschen, die dein Buch auch mit einem überzeugenden Klappentext nicht kaufen würden, weil sie beispielsweise andere Genrepräferenzen haben oder zu der falschen Altersgruppe gehören.
  3. Die Unentschlossenen: Zu dieser Gruppe zählen alle Menschen, die in die Zielgruppe deiner Geschichte passen, aber noch von deinem spezifischen Buch überzeugt werden müssen.

Und hier gleich etwas ganz Wichtiges: Du schreibst deinen Klappentext für die Unentschlossenen! Das mag vielleicht im ersten Moment sehr offensichtlich klingen, aber ich habe schon zu oft gelesen/gesehen, dass versucht wird, mit dem Klappentext auch außerhalb der eigenen Zielgruppe zu fischen. Damit wirst du höchstwahrscheinlich keinen Erfolg haben. Im Gegenteil, wenn du versuchst deinen Klappentext auf die Uninteressierten anzupassen, ist es gut möglich, dass du damit die eigentlichen Unentschlossenen vertreibst.

Wie weckst du Interesse?

Das ist die große Frage, die sich leider nicht universell beantworten lässt. Allgemein lässt sich sagen, dass es hilfreich ist, neben dem Inhalt des Klappentextes Emotionen zu vermitteln. Versuche die Alleinstellungsmerkmale deiner Geschichte ansprechend darzustellen ohne zu spoilern oder deine Schreibstimme (zu sehr) zu verändern.

Besonders wichtig ist, dass du die Versprechen hältst, die du mit dem Klappentext machst. Denn wenn du etwas anderes lieferst als dein Klappentext angekündigt hat, dann kann es schnell passieren, dass du in Folgenden Büchern/Geschichten deine Leserschaft verlierst.

Noch ein paar Tipps

Mir fällt das Klappentext-Schreiben oft schwerer als die ganze Geschichte selbst. Ich fange an, bin unzufrieden, lass es liegen, versuche es neu und finde letztendlich immer, dass sich meine Geschichte nicht auf 100-150 Wörter reduzieren lässt. Deswegen habe ich mir ein paar Regeln ausgedacht, an die ich mich halte, um am Ende dennoch zufrieden mit meinem Ergebnis zu sein. Diese Regeln sind nicht fest, sondern nur meine Herangehensweise. Vielleicht findest du darin auch eine Anregung, wie du selbst dein Vorgehen anpassen kannst.

1. Emotion ist wichtiger als Präzision

Du hast in einem Klappentext nur wenig Zeit und da ist es oft nicht hilfreich, zu präzise zu beschreiben. Reduziere die Informationen auf die wichtigsten. Nur als Beispiel: Die beiden Hauptfiguren deiner Geschichte sind nicht wirklich Freunde, eher Bekannte, die sich sehr gut kennen, aber sich nicht gegenseitig als Freunde bezeichnen würden? Dann reicht es trotzdem, wenn du sie im Klappentext Freunde (oder Bekannte) nennst. Auch wenn hier Nuancen verloren gehen, ist es für die knappe Vorstellung der Geschichte wahrscheinlich nicht relevant wie der genaue Beziehungsstatus ist.
Nutze die „gesparte Zeit“ lieber, um durch Schreibstimme oder andere Informationen Emotionen zu wecken.

2. Achte auf deine Adjektive/Adverben

Wenn es an Klappentexte geht, dann ist es verlockend nach vielen Adjektiven zu greifen. Ob es nun der „knallharte Geschäftsmann“, ein „rachsüchtiger Liebhaber“ oder ein „hoffnungslos romantischer Traum“ ist – solche Beschreibung wirken schnell wie Übertreibungen. Halte dich auch im Klappentext mit den Adjektiven/Adverben zurück und benutze sie nur, wenn sie die Beschreibung verbessern. Wann verbessern Adjektive/Adverben deinen Schreibstil? Dazu kannst du hier mehr nachlesen: Führen Adjektive zu einem Schwachen Schreibstil?

3. Kein Cliffhanger

Ich mag keine Cliffhanger und ich verstehe, dass das eine sehr persönliche Vorliebe ist. Leider ist es mir oft passiert, dass sich Cliffhanger nicht „verdient“ angefühl haben. Somit habe ich gelernt ihnen zu misstrauen und sie als reinen externen Einfluss des Schreibenden auf den Leser zu sehen. (Das soll nicht heißen, dass alle Cliffhanger schlecht sind oder sie nicht funktionieren. Sie haben für mich nur immer einen fahlen Beigeschmack.) Um dieses Gefühl für mich zu umgehen, versuche ich mich von zu effektheischerischen Formulierungen oder offensichtlichen Cliffhangern fernzuhalten.
Auch zu Cliffhangern habe ich shcon einen Artikel geschrieben. Darin geht es zwar um Cliffhanger am Ende von Kapiteln, allerdings lassen sich meine Aussagen auch auf den Klappentext übertragen: Die Kunst der Cliffhanger – Wann sollte ein neues Kapitel beginnen?

4. Nimm dir Zeit!

Auch für den Klappentext gilt: Nimm dir ausreichend Zeit. Auch wenn es sich um nicht mal 200 Wörter handeln wird, ist es gerade beim Klappentext besonders wichtig, dass sie so nah an der Perfektion sind, wie es nur geht. Deswegen scheue nicht davor zurück mehrere Versionen auszuprobieren, sie für ein, zwei Wochen liegen zu lassen und sie danach nochmal zu überarbeiten. Auch Testleser können dir hier eine große Hilfe sein!


Fällt es dir leicht, Klappentexte zu schreiben? Haben dir meine Tipps geholfen?

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2 Replies to “Einen Klappentext schreiben – Wie geht das?”

  1. Jo says:

    Ein wirklich guter Artikel. Tatsächlich sind diese Unentschlossenen die interessante Zielgruppe. Aus denen eine feste Leserschaft zu machen, ist wohl die Kunst.
    Ich habe mit meinen Klappentexten immer zu kämpfen und bin sehr selten zufrieden.

    Antworten
    1. Sina Bennhardt says:

      Bis dato habe ich es auch noch nicht geschafft, einen Klappentext zu schreiben, mit dem ich 100% zufrieden bin. Klappentexte sind halt einfach sehr schwierig^^“

      Antworten

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