Rezension – The Gilded Ones von Namina Forna

The Gilded Ones ist Ende 2020 das erste Mal auf meinem Radar aufgetaucht. Seitdem habe ich an drei verschiedenen Zeitpunkten versucht es zu bestellen und jedes Mal wurde meine Bestellung – aus diversesten Gründen – zurückgehalten oder nicht ausgeliefert. Erst im März 2021 kam das Buch bei mir an und ich konnte kaum erwarten es zu beginnen. Allerdings war das Buch anders, als ich erwartet hatte.
Zunächst aber die Daten: Der westafrikanisch-inspirierte YA-Roman The Gilded Ones erschien im Februar 2021 im Random House Verlag. Es ist das Debüt der Autorin Namina Forna und wurde sofort zu einem New York Times Bestseller.

Worum geht es bei The Gilded Ones?

Ein kleiner Hinweis, bevor ich mit meinen Erklärungen anfange: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, deshalb kann es sein, dass ich einige Wörter oder Bezeichnungen anders übersetze, als sie in der Deutschen Version sind.

Die 16-jährige Deka lebt in einer Welt, in der Frauen kaum etwas wert sind. Sie müssen ihr Gesicht bedeckt halten, sie dürfen nicht rennen oder die Stimme heben, nicht arbeiten und schon gar nicht einem Mann wiedersprechen. Aber am Wichtigsten ist, dass sie rein sind. Dekas Reinheitsritual steht kurz bevor – besonders wichtig für sie, da sie als Tochter einer Frau aus den südlichen Provinzen und einem Mann aus dem Norden schon immer anders war. Doch am Tag des Rituals blutet sie Gold. Das zeichnet sie als „alaki“, als unreines und dämonisches Wesen, das unbedingt vernichtet werden muss.
Eine Frau namens White Hands rettet sie vor diesem Schicksal. Wenn sich Deka bereiterklärt in der Armee des Kaisers zu kämpfen, wird sie ihre Reinheit zurückerlangen.

Die Auserwählte und außerordentlich zufällige Zufälle

Ich möchte direkt zu meinen großen Kritikpunkten kommen: Zwei Dinge haben mich an dem Buch gestört und das so nachhaltig, dass ich teilweise die Geschichte nicht mehr genießen konnte. In diesem Absatz folgen nun leichte Spoiler für das erste Drittel des Buches.

Natürlich ist Deka eine alaki – soweit reicht mein suspension of disbelief noch, denn irgendwo muss die Geschichte ja herkommen – aber selbst unter den alaki ist sie besonders „unnatürlich“ in ihren Fähigkeiten. Und natürlich war ihre Mutter eine Spionin genau an dem Ort, wo Deka auch schließlich ihr Training beginnt. Und der hübsche junge Mann, der ihr als Einziges unter hunderten ins Auge fällt, als sie und die anderen alaki in die Hauptstadt kommen? Natürlich wird es ihr Partner. Die Frau namens White Hands, die Deka vor dem Todesurteil in ihrem Dorf bewahrt? Natürlich ist sie die höchste Leiterin des Trainingsortes und kannte ihre Mutter. Und im Laufe des Buches wird es noch mehr. Alles was Deka begegnet ist das Außergewöhnlichste, Beste oder Herausragendste, was passieren könnte und das wird nach dem dritten oder vierten Mal, dass es passiert, ermüdend.
Egal, womit Deka konfrontiert wird, es ist sofort klar, dass es auf jeden Fall besonders ist und das macht alles leider sehr vorhersehbar. Ich hätte mir gewünscht, dass Deka einfach mal „normale“ Sachen passieren und nicht alles immer so zufällig besonders ist.

Außerdem: Gegen Ende des Buches – keine Sorge, hier kommt kein Spoiler – hat Deka einen kleinen inneren Monolog, dem ich einfach absolut nichts abgewinnen konnte. Der Kern davon ist Folgender: „Gut, dass ich so gelitten habe und gefoltert wurde, denn nur so konnte ich stärker werden als alle anderen.“ Und diese Schlussfolgerung finde ich gefährlich vor allem für junge Leser:innen.

Die Figuren

Insgesamt konnte ich mich wenig in die Figuren einfühlen. Britta – eine weitere alaki – ist wahrscheinlich meine Lieblingsfigur, auch wenn sie sich über das Buch hinweg kaum verändert.  Die anderen Figuren haben meist ein oder zwei Charaktereigenschaften, die sich über das Buch hinweg nicht verändern. Einzig bei Keita habe ich eine Veränderung gespürt, aber auch bei ihm fiel es mir teils schwer, sie ihm abzukaufen, weil er kaum vorkam.
Dann ist da noch die Protagonistin Deka, aus deren Sicht die gesamte Geschichte geschrieben ist. Sie verändert sich, aber sie ist mir trotzdem immer wieder durch die Finger geflossen. Sie wandelt sich von einem traumatisierten jungen Mädchen innerhalb von drei Kapiteln schwupps zu einer begnadeten und abgehärteten Kämpferin. Auch alle anderen Veränderungen passieren zu schnell oder in Zeitsprüngen, sodass ich sie zwischenzeitlich kaum wiedererkannt habe.

Die Welt und das Worldbuilding

Auch hier hatte ich meine Schwierigkeiten. Das westafrikanisch-inspirierte Setting ist wundervoll, aber das Worldbuilding ist einfach nicht besonders interessant. Es ist eine frauenhassende Welt. Es gibt Götter und Dämonen und ein paar zusätzliche fantastische Wesen und das war es auch schon. Ich hatte das Gefühl, dass einfach viel mehr in dieser Welt steckte als ein 08/15-Chosen-One Plot.

Fazit

Vielleicht sollte ich nicht so streng mit der Geschichte sein. Es ist immerhin YA (Young Adult) Fantasy und laut Thalia ab 12 Jahren zum Lesen geeignet. Da ist es nur natürlich, dass es nicht immer meinen Ansprüchen als erfahrene Fantasy-Leserin genügen wird. Deswegen hoffe ich, dass auch du meine Kritik mit der entsprechenden Nachsicht der Geschichte gegenüber betrachtest. Es ist eine Fantasy-Geschichte, die man lesen und so akzeptieren muss, wie sie präsentiert wird. Weitere und tiefere Gedanken tun der Geschichte nicht gut, aber das ist bei vieler YA Fantasy nicht anders.
Wenn es dir aber nur darum geht, unterhalten zu werden oder du noch Fantasy-Anfänger:in bist und dich deshalb mit den Klischees des Genres nicht auskennst, kann ich mir gut vorstellen, dass The Gilded Ones eine tolle Geschichte für dich ist.


Hast du The Gilded Ones schon gelesen? Wie fandest du es?

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