Aller Anfang ist schwer – Wie beginnst du deine Geschichte?

Das Schreiben ist schwierig und es gibt 1001 Tipps, wie man sich das Leben leichter machen kann. Besonders wenn es um den Anfang einer Geschichte gibt, häufen sich die Empfehlungen. Auch ich habe mich vor ein paar Jahren schon einmal daran versucht, aber ich war nicht ganz zufrieden mit meinen Zusammenfassungen und Hinweisen, weil es an praktisch anwendbaren Tipps fehlte. Deswegen möchte ich es hier aufs Neue probieren:

Was solltest du mit dem Anfang deiner Geschichte erreichen?

Der Anfang deiner Geschichte ist im Grunde das Vorstellungsgespräch an deine Leser:innen. Denn nach Cover und Klappentext ist es oftmals das erste Kapitel, das entscheidet, ob dein Buch gelesen wird oder nicht. Deswegen ist es wichtig, dass deine Einführung in deine Geschichte repräsentativ für den Rest ist. Das bedeutet oftmals: Der Anfang deiner Geschichte kann z.B. beim Überarbeiten der letzte Teil deiner Geschichte sein, an dem du noch arbeitest. Da passiert es schnell, dass Frustration aufkommt.

Deswegen möchte ich dir hier ein paar Tipps geben, die dir zum Einen helfen sollen, die technischen Aspekte deiner ersten Szenen zu verstehen und zum Anderen ein paar Ansätze, wie du diese technischen Aspekte umsetzen kannst.

Die Technik eines guten Anfangs

Weil ich diese Aspekte schon in dem Beitrag 5 Dinge, die unbedingt in dein erstes Kapitel gehören ausführlich besprochen habe, möchte ich sie an dieser Stelle nur kurz anreißen.

  1. Achte auf deine Schreibstimme
    Besonders, wenn du dir für das Schreiben deiner Geschichte viel Zeit genommen hast, passiert es schnell, dass sich deine Schreibstimme weiterentwickelt hat. Da der Anfang traditionellerweise auch meist das Erste ist, das geschrieben wird, kann sich dein Schreibstil über dein Buch hinweg grundlegend verändern. Das solltest du vermeiden, damit du deine Leser:innen nicht verwirrst.
  2. Foreshadowing und Einführung erster Konflikte
    Worum wird es in deiner Geschichte gehen? Was sind die Themen? Diese Fragen sollten im ersten Kapitel (zumindest im Groben) beantwortet werden. Es hilft, wenn du deinen Leser:innen in den ersten Szenen einen Vorgeschmack auf alles gibt, was in deinem Buch vorkommen wird, selbst wenn du es nur in kleinen Krümeln zeigst.
  3. Präsentation des Settings
    Je nach Genre ist es auch wichtig, einen Einblick in das Setting zu geben. Wo befinden sich deine Figuren? Wie fantastisch ist das Setting? Und auch: Wie groß ist die Rolle, die das Setting in deiner Geschichte spielen wird?
  4. Vorstellung deiner Protagonisten
    Realtiv offensichtlich ist auch, dass du deine Protagonisten vorstellen solltest. Zwar passiert es häufiger, z.B. gerne in Krimis, aber auch in der Fantasy, dass am Anfang eine Art „Vorgeschichte“ präsentiert wird. Trotzdem kommen die Protagonisten dann meist direkt danach vor.

Wie setzt du diese Ansätze um?

In deinem ersten Kapitel – wie auch in jedem anderen –  gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Doch um einen möglichst effektiven Einstieg in deine Geschichte zu finden, sollte dir bewusst sein, warum du welche Entscheidungen getroffen hast.
Dabei nur am Rande: Wenn du deine Entscheidung zuerst ohne großen Hintergedanken getroffen hast, dann muss das nichts Schlechtes sein. Als geübte:r Schreiberling oder Lesende:r kann es schnell passieren, dass du einen guten Einstiegspunkt wählst, ohne dass du dir genau bewusst gemacht hast, warum du ihn ausgesucht hast. Wenn du dich gerne auf deinen Instinkt verlässt, kann das etwas sehr gutes und hilfreiches sein. Trotzdem rate ich dir, dir im Nachhinein über die folgenden Aspekte Gedanken zu machen. Vielleicht kannst du so verstehen, warum dein gewählter Einstiegspunkt gut ist oder im Nachhinein einen Besseren finden.

Wann fängst du deine Geschichte an?

Erzählst du chronologisch? Dann solltest du wahrscheinlich am Anfang beginnen. Was ist die Schlüsselszene, die deine Geschichte ins Rollen bringt? Und wie viel Vorlauf brauchst du vor dieser Schlüsselszene, damit deine Leser:innen verstehen, worum es in deiner Geschichte geht? Überhaupt, was müssen deine Leser:innen direkt am Anfang lernen? Wie wirkt sich das auf die zeitliche Position der Schlüsselszene in deiner Geschichte aus?

Wo fängst du deine Geschichte an?

In welchem Setting befindest du dich? Wie außergewöhnlich ist dieses Setting? Wie viel müssen deine Leser:innen direkt am Anfang davon wissen, um die Geschichte zu verstehen? Bei einigen Genres hast du hier sehr wenig zu tun, bei anderen – wie beispielsweise Fantasy oder SciFi – kann es sein, dass es einer der wichtigsten Bestandteile deiner Geschichte ist.

Mit welchen Figuren fängst du an?

Auch bei deinen Figuren hast du Einiges zu entscheiden: Was ist die Perspektive? Wer ist in der restlichen Geschichte der/die (Haupt)Perspektivtragende? Warum sollte das im ersten Kapitel (nicht) so sein? Was würde passieren, wenn du einen anderen Perspektivtragenden wählst? Welcher bzw. wie viele deiner Protagonist:innen kommen vor? Ist es eine Option, die Perspektive innerhalb des ersten Kapitels zu wechseln? Soll deine Geschichte überhaupt mit einer Hauptfigur anfangen?

Viele Fragen auf die es keine eindeutige beste Antwort gibt. Mein allgemeiner Tipp wäre nur: Versuche den Anfang einfach zu halten und baue die Komplexität deiner Geschichte in späteren Kapiteln weiter auf.

Weitere Tipps

Wenn es dir schwer fällt, überhaupt einen Anfang zu finden, auch wenn du die Entscheidungen oben schon getroffen hast, dann habe ich hier noch ein paar weitere Tipps für dich:

Für den Anfang reicht es, die grobe Idee aufs Papier zu bekommen. Überarbeiten kannst du später immer noch und oft fließt die Geschichte von alleine, wenn man erst einmal angefangen hat.

Erfahrungsgemäß ist der Anfang der Geschichte der Teil, der am häugfigsten überarbeitet wird. Deswegen versuche ich, mir bei den ersten Kapiteln nicht allzu viel Druck zu machen. Trotzdem kann es frustrierend sein, wenn gerade der Anfang der eigenen Geschichte – der ja den ersten Eindruck macht und somit grundlegend die Meinung deiner Leser:innen prägt – so lange braucht.
Aber: Ruhe bewahren. Es ist nur natürlich, wenn dein Anfang eine Weile braucht, schließlich ist er einer der wichtigsten Teile deiner Geschichte.

Wie wichtig ist der erste Satz? Oft hört man, dass der erste Satz deiner Geschichte etwas ganz Besonderes, Erschütterndes, Mitreißendes etc. sein muss. Das finde ich nicht. Ein beeindruckender erster Satz ist zwar hilfreich, um deine Leser:innen zu fesseln, aber absolut nicht notwendig. Tatsächlich finde ich, dass die Erwartung, einen genialen ersten Satz schreiben zu müssen, eher paralysiert und dazu führt, dass einem gar nichts mehr einfällt. Deswegen auch hier: Ruhe bewahren. Erstmal losschreiben und vielleicht kommt später die zündende Idee. Und selbst wenn nicht, wirst du schnell merken, dass deine (Test)Leser:innen sich nicht daran aufhängen werden.


Fällt es dir leicht, das erste Kapitel zu schreiben? Planst du es spräzise oder schreibst du her instinktiv?

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