[Worldbuilding] Religion – Gottesdiener und der Glaube als Beruf

Gottesdiener

Hat deine Religion eine bestimmte Bekanntheit oder Verbreitung erreicht, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass es Menschen geben wird, die sich als Gottesdiener verdingen. Trotzdem sind die Gottesdiener nicht notwendig für eine Religion. Falls deine Religion keine haben sollte, musst du dir trotzdem Gedanken darüber machen, von wem und auf welche Weise ihre irdischen Aufgaben übernommen werden.

Was sind die Aufgaben der Gottesdiener?

Wenn deine Religion Gottesdiener hat, müssen sie auch einen Zweck erfüllen. Das klingt vielleicht seltsam, aber wenn man die Gottesdiener nicht brauchen würde, würden sie wahrscheinlich auch nicht existieren. Ich habe hier eine beispielhafte und unvollständige Liste für mögliche Aufgaben gemacht. Nimm diese Liste als Ansatzpunkt, um dir selbst Gedanken zu machen, was zu deiner Religion passen könnte.

  1. (moralischer) Beistand und Beratung
  2. Führungsposition bei Ritualen/Gottesdiensten
  3. irdische Repräsentation des Gottes bzw. Verbindung zum Gott
  4. Sprachrohr des Gottes
  5. Unterricht, besonders in der Religionslehre
  6. Vertretung des Volkes in der Politik
  7. etc.

Der Erkennungsmerkmale der Gottesdiener

Eine Sache, die bei den meisten – wenn nicht sogar allen – Religionen zu beobachten ist, ist, dass die Gottesdiener oft schon von Weitem erkennbar sind. Wie sie sich auszeichnen ist allerdings sehr unterschiedlich. Auch hier habe ich dir eine unvollständige Liste von besonders verbreiteten Methoden der Erkennung zusammengestellt:

Kleidung und Schmuck

Das Wichtige an der Kleidung und am Schmuck ist, dass man sie von Weitem erkennen kann. Überspitzt gesagt wäre also göttliche Unterwäsche nicht besonders hilfreich in der Erkennung. Denke eher an Kopfbedeckungen, Masken, Schärpen, Überwürfe, Gürtel, Schmuck mit der Symbolik des Gottes oder ähnliche Dinge, die gut sichtbar über der „normalen“ Kleidung getragen werden. Eine andere, wenn auch ähnliche, Option wäre, dass die Gottesdiener gar keine normale Kleidung, sondern vorgeschriebene Gewänder tragen. Wie diese Kleidung und auch der Schmuck genau aussieht, solltest du kultur- und klimaabhängig machen. Überdenke Muster, Farben und Art der Kleidung und wie sie die Werte der Religion oder die Aufgaben des Gottesdieners darstellen könnten.

Haare

Nach der Kleidung sind wohl die Haare, die einfachste Möglichkeit, sich als Gottesdiener von dem Normal-Menschen zu unterscheiden. Ob die Haare bedeckt werden, bestimmte Rasuren bekommen oder einfach nur auf spezielle Weise frisiert werden, ist ganz deine Wahl. Idealerweise hat die Art wie die Haare getragen werden eine Bedeutung, die einen Wert der Religion widerspiegelt.
Auch wenn die Frisur der Gottesdiener so komplex sein kann wie du nur willst, solltest du dich dennoch daran erinnern, dass Bücher kein visuelles Medium sind. Es wird für den Leser keinen Unterschied machen, ob ein Flechtzopf drei oder viermal geflochten ist. Also bleibe bei deinen Beschreibungen deutlich und präzise, aber verliere dich nicht in den Einzelheiten.

Namen

Auch wenn der Name kein offensichtliches Unterscheidungsmerkmal ist, kanner doch in einem Dialog für mehr Klarheit sorgen. Oft haben Gottesdiener einen Beinamen oder Titel, mit dem man sie (zusätzlich) anspricht. Verbreitet sind dabei Bezeichnungen von Familienmitgliedern wie Vater, Mutter, Bruder, Schwester, aber auch Onkel oder Tante. Es spricht aber nichts dagegen dir einen komplett neuen Titel auszudenken, der dem Leser noch einmal zusätzlich zeigt, dass es sich bei deiner Religion um eine selbst ausgedachte handelt.

Hierarchie unter den Götterdienern und in der Gesellschaft

Als nächstes solltest du dir überlegen, wie es mit der Hierarchie unter den Götterdienern aussieht. Gibt es nur eine „Art“ von Götterdienern? Bestimmt das Alter bzw. die Erfahrung, wer mehr zu sagen hat? Oder gibt es ähnlich wie in der katholischen Kirche eine feste Rangfolge der Gottesdiener? Denke hier dabei: Je verbreiteter und formalisierter die Religion ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es eine Hierarchie gibt.

Wie wird man zu einem Gottesdiener?

Wie man zu einem Gottesdiener wird, kann sich auch maßgeblich auf die Hierarchie innerhalb der Religion auswirken. Zum Einen wäre da der Gedanke, dass Gottesdiener „in Ausbildung“ natürlich noch nicht alle Aufgaben eines etablierten Gottesdieners haben kann und somit in der Hierarchie unter ihm stehen würde. Zum Anderen kann es für verschiedene Gottesdiener ganz verschiedene Arten geben, wie man dazu berufen werden kann. Es könnte ein legitimer Beruf sein, den jeder ergreifen kann, samt Ausbildung und Lehrzeit. Es kann ein Zusatz“amt“ sein, dass man nach der Ausübung einer bestimmten Tat zugeschrieben bekommt. Vielleicht hängt es auch mit Dingen zusammen, über die man keinen Einfluss hat, wie Haar- oder Augenfarbe oder zusätzliche Zehen oder Finger. Oder aber man wird erst zum Gottesdiener, wenn der Gott einen persönlich dazu beruft.

Es spricht nichts dagegen, dass diese Möglichkeiten parallel existieren. Welche Auswirkungen das auf die Hierarchie der Götterdiener hätte, wird sich von Religion zu Religion unterscheiden und unterliegt deinem Ermessen.

Welchen Stellenwert haben die Götterdiener (und die Religion) in der Gesellschaft?

Zuletzt bleibt atürlich noch die Frage, welchen Stellenwert die Götterdiener in der Gesellschaft einnehmen. Die Antwort ist in ihrem Kern Recht einfach. Überlege dir, welchen Stellenwert der Gott in der Gesellschaft hat und welche Werte er vertritt. Davon kannst du dann ableiten, wie die Götterdiener wahrgenommen werden würden.

Für ein etwas überzogenes, aber dafür deutliches, Beispiel stellen wir zwei fiktive Götter mit ihren Götterdienern gegenüber: Cervisiam, die Göttin der Kneipenschlägereien und Agriculturus, der Gott des Ackerbaus. Es ist nur natürlich, dass die Gottesdiener von Cervisiam disruptiv, laut und der Funktion einer Gesellschaft nicht unbedingt zuträglich wären. Es gibt zwar Menschen, die zu der Göttin beten, und auch spezifische Gottesdiener, aber sie haben in der Gesellschaft keinen allzu hohen Stand und im normalen Alltag geht man ihnen eher aus dem Weg.
Agriculturus hingegen ist ein weit verbreiteter Gott, dessen Wirken von allen spürbar ist. Zwar sind die meisten seiner Anhänger einfache Bauern, aber seine Gottesdiener genießen – ähnlich wie er auch – ein hohes Ansehen, weil sie für das Überleben aller verantwortlich sind, indem sie dafür sorgen, dass die Ernten gut ausfallen.

Natürlich wird die Einordnung in die Gesellschaft bei deinen Göttern selten so eindeutig ausfallen. Versuche also an verschiedene Berufe, Altergruppen und soziale Stände zu denken, wenn du sie in die Gesellschaft einordnest. Um bei dem Beispiel oben zu bleiben: Cervisiam könte unter „Teenagern“ zum Beispiel durchaus beliebt sein, weil Cervisiam nebenbei auch Göttin des Trinkens und somit auch des Feierns und Spaßes sein könnte. Hier also direkt der nächste Tipp bei der Einordnung: Nicht jede Aufgabe des Gottes hat denselben Stellenwert. Außerdem kann sich die zugeschriebene Wichtigkeit der Aufgaben von Person zu Person unterscheiden.

Religion und Politik

Wäre deine Religion so verbreitet und angesehen, dass sie Teil der Politik würde? Diese Frage würde den Rahmen dieses Artikel sprengen und gehört für mich eher in das Thema der Gesellschaft, das ich in einer späteren Artikelreihe ansprechen werde.

Am Beispiel: Enda und Hefst

Wie ich in den letzten Beiträgen schon öfter betont habe, ist die Religion von Enda und Hefst nicht wirklich eine „organisierte“ Religion. Es gibt kaum offizielle Gotteshäuser, die Gebete sind nicht formalisiert und finden meistens spontan oder im Rahmen der Familie statt. Deswegen ist es auch nicht wirklich zuträglich, wenn sie feste Gottesdiener hätten. Allerdings gelten in der Religion Zwillinge, besonders wenn beide Mädchen sind, den Göttinnen besonders nah und werden oft um göttlichen Beistand gebeten. Allerdings wäre das nicht ihr einziger „Beruf“, sondern nur eine gesellschaftlicher Zusatz zu ihrem normalen Leben. Eine besonderes Erkennungsmerkmal tragen sie deswegen auch nicht.

 


Beim nächsten Mal geht es mit der Schöfungsgeschichte deiner Religion weiter.

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