Wie die 3-Akt-Struktur Szenen verändern kann

Die 3-Akt-Struktur

Ich habe schon einige Artikel zu Szenen geschrieben und den Strategien, wie man sie am Besten angeht (vor allem inhaltlich). Doch bisher habe ich mich noch nicht mit ihrer äußeren Struktur befasst und das ist ein großes Versäumnis. Denn auch wenn eine Szene inhaltlich alles Wichtige enthalten würde, so kann die Struktur deine Szene außergewöhnlich oder langweilig machen. Und warum solltest du es da nicht mit der 3-Akt-Struktur versuchen, die es auch für den Ablauf von Geschichten im Allgemeinen gibt?

Szenen in einer 3-Akt-Struktur schreiben

Genauso wie deine ganze Geschichte, sollte jede deiner Szenen einem Spannungsbogen folgen, der sich am einfachsten in einer 3-Akt-Struktur darstellen lässt. Sie beginnt mit einer Einführung, dann kommt der Hauptteil, dann ein Schluss. Im ersten Moment hört sich das vielleicht ein wenig statisch und einheitlich an, ist allerdings sehr wandelbar, wie ich hoffentlich im Folgenden zeigen kann.

Die Einleitung: Exposition

Zu Anfang jeder Szene solltest du die Grundinformationen übermitteln, die notwendig sind, um die restliche Szene zu verstehen. Stelle also sicher, dass die Frage nach Ort, Figuren, Perspektive und – falls nötig – Zeit spätestens nach den ersten paar Absätzen geklärt ist. Außerdem solltest du den Konflikt ankündigen und sicherstellen, dass der Leser die Motivation der Figuren kennt.

Wenn man sich all diese Sachen durchliest, scheint das auf den ersten Blick eine ganze Menge zu sein, die du für jede Szene erledigen musst. Das Gute ist aber, dass viele Szenen die Einleitung von z.B. Perspektive gar nicht brauchen, weil sich die Persektive in der Geschichte nicht ändert. Wichtig ist stattdessen, dass der Leser jede dieser Informationen hat, auch wenn sie vielleicht in einer Szene davor geklärt wurden. Wenn deinen Lesern also der Einstieg in eine Szene schwerfällt, dann solltest du überprüfen, ob sie überhaupt alle nötigen Informationen haben, um sie zu verstehen.

Der Hauptteil: Konfrontation/Konflikt

Den längsten Teil deiner Szene sollte der Konflikt oder die Konfrontation ausmachen. Deinen Figuren werden Hindernisse z.B. in Form von anderen Figuren oder physischen Hindernissen in den Weg gestellt, die sie umgehen müssen. Dabei sollte die Spannung ständig steigen, der Konflikt eskaliert.

Anders als bei der gesamten Geschichte muss der Konflikt in der einzelnen Szene nicht allzu dramatisch oder eskalierend sein. Neugier, Ungewissheit und Angst bringen unterschiedliche Arten von Spannung und wenn du das noch damit kombinierst, dass dein Konflikt innerlich oder äußerlich ausgetragen werden kann, hast du viele Möglichkeiten deine Szene zu inszenieren. Wichtig ist, dass deine Szene eine emotionale Richtung bekommt, die auf ein eindeutiges Ziel hinarbeitet.
Dieser Hauptteil sollte in etwa 50% der Szene ausmachen und ist somit der längste Teil in der 3-Akt-Struktur.

Der Schluss: Die Auflösung

Der Auflösung einer Szene ist im Weitesten Sinne optional und wenn sie fehlt, dann hat die Szene einen Cliffhanger. Ich persönlich bin kein großer Fan von Cliffhangern und habe sie ausführlich in diesem Artikel „Die Kunst der Cliffhanger – Wann sollte ein neues Kapitel beginnen?“ besprochen, deswegen will ich hier nicht mehr zu ihnen sagen.
Wenn deine Szene allerdings einen Abschluss haben soll, dann solltest du sie beenden, indem du die wichtigen Fragen zu dem in der Szene relevanten Konflikt beantwortest. Manchmal ist es aber nötig, dass du nicht alle Fragen beantwortest, um die Geschichte an sich spannend zu halten. Dann solltest du zumindest andeuten, dass sich die Figuren später um die Beantwortung der Fragen kümmern werden. Die Spannung sollte wieder sinken, aber ein wenig höher sein als zu Beginn der Szene, damit die Spannung nicht nur innerhalb der Szene, sondern auch im ganzen Buch einen befriedigenden Bogen schlägt.

Am Beispiel: Die Ruinen von Gorlan, Kapitel 17

Die Chroniken von Araluen: Die Ruinen von Gorlan ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Auch wenn ich mittlerweile stark merke, dass der Schreibstil für ein jüngeres Publikum gedacht ist, ist die Geschichte zeitlos und wunderschön. Falls du die Geschichte nicht kennst, dann bekommst du hier ein bisschen Kontext: Der Waisenjunge Will ist in der Ausbildung ein Waldläufer – eine Art Spion – zu werden. Dabei wird er von dem missmutigen Walt unterrichtet. Mehr musst du für diese Szene nicht wissen.

Die Einleitung

Der erste Schnee des Winters bedeckte dick den Boden, als Will und Walt aus dem Wald nach Hause ritten.

Das ist der erste Satz des Kapitels und das wer, wann und wo sind direkt erklärt. Auch die Perspektive muss nicht näher erläutert werden, weil (fast) das ganze Buch aus der Sicht von Will geschrieben ist. Außerdem ist auch die Motivation der Figuren klar: Sie wollen nach Hause. Effektiv und einfach. Also muss für die Einleitung nur noch der Konflikt angekündigt werden.
Es folgen einige Sätze für einen kurzen Rückblick, was in den vergangenen Wochen passiert ist, dann wird der Leser mit Dialog in die Gegenwart zurückgeholt.

„Könnten wir vielleicht mit dem Spurenlesen fortfahren oder hast du etwas Wichtigeres zu tun?“, fragte [Walt].
[Will schaut sich die Spuren an]
„Hase“, sagte [Will] prompt.
Walt drehte sich um und warf ihm einen langen Blick zu. „Hase?“, fragte er nach. Will sah noch einmal hin und korrigierte sich sofort. „Nein, Hasen.“

Und somit ist auch der Konflikt angekündigt. Will ist nicht bei der Sache und Walt versucht ihn dazu zu bringen, bei seinem Unterricht besser aufzupassen.

Der Hauptteil

Will muss noch einige andere Spuren identifizieren und Walt scheltet ihn, dass er dabei so vorschnell und ungenau vorgeht. Dann finden sie auf einmal ungewöhnliche Spuren. Es sind die Spuren eines riesigen Wildschweines und sofort steigt die Spannung, als Will klar wird, dass sie sich in Gefahr befinden könnten. Aber Walt beruhigt ihn, dass die Pferde sie gewarnt hätten, wenn das Tier noch in der Nähe wäre. Aber dann …

Das dichte Unterholz bewegte sich an einer Stelle ganz leicht. Früher hätte [Will] so eine Bewegung dem Wind zugeschrieben, aber inzwischen war sein Wahrnehmungsvermögen geschärft. Im Augenblick gab es keinen Wind. Nicht den leisesten Hauch.
Dennoch bewegten sich die Büsche.

Die Spannung steigt weiter, als nun auch Walt das Bewegen der Zweige bemerkt. Will zieht einen Pfeil aus dem Köcher und wir gelangen zum Höhepunkt des Kapitels.

Der Schluss

„Nicht schießen, guter Herr! Bitte nicht schießen!“
Die Büsche zerteilten sich und ein zerzaust und ängstlich aussehender alter Mann stolperte heraus. […] Der Mann blieb nun ein paar Meter entfernt von ihnen stehen und lächelte die beiden Reiter unsicher an. „Bin nur ich.“

Walt hatte den alten Mann längst bemerkt und erteilt Will eine weitere Lektion in Sachen Aufmerksamkeit, indem er ihn nicht sofort beruhigt als der Schüler denkt, dass sie vielleicht von einem wilden Tier angegriffen werden. Trotzdem endet die Szene an einer etwas unbequemeren Stelle als sie begonnen hat, weil der Leser natürlich immer noch weiß, dass ein großes Wildschwein in der Nähe ist. Dieses Wildschwein wird eine Spannungsquelle für die nächsten paar Kapitel.

Warum überhaupt eine feste Struktur?

Die Frage, die allerdings bleibt, ist: Warum brauchst du überhaupt eine feste Struktur für deine Szenen? Und die ehrliche Antwort ist, dass du sie nicht brauchst.

Aber das Gute an einer Struktur ist, dass sie dir äußerlich eine Richtung und damit letztendlich ein Ziel für deine Szenen geben kann. Das ist besonders hilfreich, wenn du nicht so gerne plottest und dich in deinen Szenen verlierst. Die 3-Akt-Struktur ist also eine einfache und effektive Methode, deinen Szenen ein Grundgerüst zu geben. Und wenn du nicht mehr über das Grundgerüst nachdenken musst, kannst du dich ganz auf den Inhalt konzentrieren.

 


Wie gehst du bei der Struktur für deine Szenen vor? Schreibst du nach Gefühl oder plottest du sie gründlich vor? Was hältst du von der 3-Akt-Struktur als Grundgerüst für deine Szenen?

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