Wie solltest du die Kapitel deines Buches benennen?

Kapitel richtig benennen

In meinem eigenen Schreibprozess bleibe ich am häufigsten an den Kapitelnamen hängen. Denn es gibt so viele Möglichkeiten die Kapitel zu benennen. Ob einfache Zahlen, ausgeschriebene Zahlen, der Perspektivträger des Kapitels, die Zeit, ein abstrakter Titel, der den Inhalt umschreibt oder auch einfach gar keine Kapitelüberschrift. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie unterschiedlich. Aber wie wählst du die richtige Kapitelüberschrift?

Genrekonventionen

Bevor du dich für eine Form der Kapitelüberschrift entscheidest, solltest du dich in dem Genre umschauen, in dem du dich bewegst. Was sind die Anforderungen? Was ist normal? Gibt es überhaupt einen Trend, was Kapitelüberschriften angeht? Mit all dem solltest du dich vorher auseinandersetzen.

Und nur um es von vorneherein zu sagen: Nur weil die Genrekonventionen das Eine sagen, musst du dich noch lange nicht daran halten. Aber du solltest verstehen, warum es bestimmte Regeln gibt und warum sich die meisten Autoren in die eine Richtung entscheiden. Denn nur wenn du die Regeln kennst, kannst du sie effektiv und angemessen brechen.

Ein „einfacher“ Titel für dein Kapitel

Wie der Name schon verrät, überzeugen einfache Titel durch ihre, na ja, Einfachheit. Von einem einfachen Seitenumbruch, der ein neues Kapitel ankündigt, zu Zahlen (ausgeschrieben, arabisch oder römisch), der Ankündigung des Perspektivträgers des Kapitels oder der Zeit. All das ist bei einer einfachen Kapitelüberschrift möglich.

Warum solltest du dich für einen einfachen Titel entscheiden?

Ganz einfach: Er verrät nichts über den Inhalt des Kapitels, also kannst du ganz allein mit seinem Inhalt überzeugen. Auch wenn deine Leser in das Inhaltsverzeichnis schauen, werden sie nichts Weiteres über die Geschichte erahnen können. Zusätzlich können die Ankündigung des Perspektivträgers über jedem Kapitel oder auch die Zeitangabe dem Leser helfen, sich in der Geschichte zu orientieren, ohne dass du diese Fakten zu Beginn des Kapitels jedes mal neu etablieren musst.

Um deine Kapitelüberschriften von der Masse abzuheben und deine Kreativität zu zeigen, kannst du an dieser Stelle mit Kapitelzierden arbeiten. Yvonne von Seitenglück hat einen schönen einführenden Artikel für einen ersten Überblick: Was ich an Kapitelzierden mag und was nicht.

Ein abstrakter Titel für dein Kapitel

Weil abstrakte Titel eine viel größere Spannbreite haben als einfache Titel, lässt sich auch einiges mehr über sie sagen. Zunächst aber kurz zu der Definition: Ich zähle alles zu den abstrakten Titeln, was nicht offensichtlich zu den einfachen gehört. Das heißt alles bis auf Zahlen – wenn sie fortlaufend die Kapitel nummerieren –,  Perspektivträger und Zeitangaben, ist in meiner Definition ein abstrakter Titel.
Das möchte ich weiter spezifizieren:

Zusammenfassung oder Thema des Kapitels

Die wohl intuitivste Art und Weise sein Kapitel zu benennen, ist es in irgendeiner Form inhaltlich zusammenzufassen. Geht es in dem Kapitel um eine Wildschweinjagd, könntest du das Kapitel Die Jagd nennen. Sehr einfach, sehr verständlich und das ohne dem Kapitel viel vorwegzunehmen.

Sehr nah an der einfachen Zusammenfassung liegt oft das Thema des Kapitels. Hier geht es darum, dich einen Schritt vom Inhalt zu entfernen und dem Leser zu zeigen, was die Figuren beschäftigt. Um bei dem Beispiel der Wildschweinjagd zu bleiben: Vielleicht soll die Jagd wiederspiegeln, wie sich der Protagonist im Inneren fühlt. Gehetzt, In die Ecke gedrängt oder, um es von der anderen Seite zu betrachten, Blutlustig. All das sind Optionen, die sich ein wenig von der offensichtlich inhaltlichen Zusammenfassung entfernen, aber immer noch deutlich das Gefühl des Kapitels vermitteln.

Andeutungen/Foreshadowing

Manchmal möchte man in seiner Kapitelüberschrift etwas andeuten, ohne dem Lesenden zu viel zu verraten. Das ist nicht immer ganz einfach und rutscht schnell in die Richtung, dass man einen großen Plotpunkt verrät. Nennt man ein Kapitel zum Beispiel Tod, dann wird es den Leser nicht wirklich überraschen, wenn jemand darin stirbt. Versuche stattdessen zu aussagekräftigen und gerne mehrdeutigen Bildern zu greifen, die eine solche Ahnung zwar unterstützen, aber nicht bestätigen werden.
Hast du zum Beispiel einen Brauch in der Kultur etabliert, dass nach dem Tod eines Menschen, als Zeichen der Trauer die Spiegel im Haus verhangen werden, kannst du das Kapitel Verhangene Spiegel nennen. So wird zumindest bei dem Überfliegen des Inhaltsverzeichnisses noch nichts verraten. Um noch einen weiteren Schritt von der Eindeutigkeit wegzugehen, könnte man das Kapitel auch Gesprungene Spiegel nennen. Damit bleibt der Spiegel als zentrales Bild erhalten, aber auch der aufmerksame Leser kann nur raten, ob es etwas mit dem Brauch der verhangenen Spiegel zu tun hat.

„Zitat“ aus dem Kapitel

Ähnlich wie du auch den Buchtitel aus einem Wort oder Zitat deiner Geschichte bauen kannst, geht das auch bei den Kapitelnamen. Dir bleibt die Wahl, ob du das Zitat aus der Erzählstimme oder aus einem Dialog nimmst, beides ist möglich, auch wenn ich das Zitat aus einem Dialog bisher seltener gesehen habe.

Für eine Mischung aus dem Zitat und einer thematischen Zusammenfassung des Kapitels, kannst du auch eine Frage nehmen, die sich die Hauptfigur oder der Perspektivträger stellt. Warum hilfst du mir nicht? Was mache ich nur?  oder Wo ist [Name einer Figur]? Das alles können spannende und Neugier weckende Titel sein, wenn du sie richtig einsetzt.

Warum solltest du dich für einen abstrakten Titel entscheiden?

An den abstrakten Titeln gefällt mir immer besonders gut, dass es ein weiterer Punkt in deiner Geschichte ist, an dem du kreativ werden kannst. Außerdem kannst du hier Andeutungen unterbringen oder die Aufmerksamkeit deiner Leser auf Dinge lenken, die ansonsten vielleicht im Hintergrund verschwunden wären. Es ist also ein weiterer Punkt, der das Leseerlebnis für einen gründlichen Leser vertiefen kann.

Anders als bei den einfachen Titeln musst du hier nur aufpassen, dass du deine Geschichte nicht spoilerst, wenn jemand durch das Inhaltsverzeichnis durchblättert.

Ein Wort zum Abschluss

Egal wofür du dich entscheidest: Du solltest bei deiner Wahl einheitlich bleiben. Wenn du dich für einfache Zahlen als Kapitelüberschrift entscheidest, kann es deine Leser verwirren, wenn du zwischen römischen, arabischen und ausgeschriebenen Zahlen wechselst. Gerade bei einfachen Titeln ist so eine Abweichung besonders auffällig und störend.
Wählst du abstrakte Titel, kannst du etwas freier in deinen Abweichungen sein. Dennoch sollte die Überschriftlänge und Art der Überschrift – ob Frage, ganzer Satz, einzelnes Adjektiv oder ähnliches – vergleichbar bleiben.

Letztendlich ist aber jede Abweichung von diesen Regeln vertretbar, solange du einen Grund dafür hast. Also bleibt mir nur noch zu sagen: Viel Spaß beim Benennen deiner Kapitel!


Was für Kapitelüberschriften hast du am Liebsten? Gibt es Kapitelüberschriften, die du gar nicht leiden kannst?

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3 Gedanken zu „Wie solltest du die Kapitel deines Buches benennen?

  1. Ich finde so grundsätzlich beide Arten gut, aber abstrakte Titel eben nur dann, wenn sie gut gemacht sind. Obwohl ich zugeben muss, dass ich da meistens gar nicht so drauf achte ^^“

    Ich habe bisher einfach durchnummeriert und maximal den Perspektiventräger hingeschrieben. Aber gerade das Konzept mit den Zitaten finde ich ziemlich spannend. Vielleicht versuche ich mich mal bei einem Fantasy Manuskript daran. 🙂

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