[Worldbuilding] Wie das Geld seinen Namen bekommt

Geld in deiner Fantasywelt

Dukaten, Schilling, Kronen, Galleonen, Sickel oder auch einfach nur Gold und Silber. Das Geld in Fantasywelten kann viele Namen haben, aber nur wenige bleiben dem Leser im Gedächtnis. Aber wie kommt das Geld in der „richtigen“ Welt zu seinem Namen und kannst du diese Prozesse auf deine Fantasywelt übertragen?

Woher bekommt das Geld seinen Namen?

Wie entstehen also in unserer Welt die Namen für das Geld und die verschiedenen Währungen? Tatsächlich ist es gar nicht so kompliziert, wie man zunächst annehmen mag. Ähnlich wie bei der Benennung von Orten habe ich einige wenige Grundregeln gefunden, die auf so gut wie jede Währung zutreffen.

1. Prägungsort

Auch die Inschrift auf einer Münze kann zu ihrem Namen beitragen. Wie wäre in diesem Fall der Name „ein Liberty“?

Das bekannteste und offensichtlichste Beispiel an dieser Stelle ist wohl der Taler, der u.a. im Joachimstal geprägt wurde. Ursprünglich hieß der Taler daher auch Joachimstaler, was sich über die Zeit hinweg zu dem einfachen Taler verkürzte. Von dem Wort Taler ist im Übrigen auch das Wort „Dollar“ abgeleitet, eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Währungen unserer Zeit. Aber du kannst den Namen auch weiter fassen: Der französische Franc kommt, wie der Name es vermuten lässt, ursprünglich aus Frankreich. Der Euro kommt aus Europa. Alles sehr einfach und eingänglich, wenn auch vielleicht ein bisschen unkreativ.
In der Hinsicht auf das Worldbuilding ist diese Unkreativität aber nicht als etwas Negatives zu bewerten! Wie ich schon in früheren Artikeln angemerkt habe, sind Menschen in der Namensgebung herrlich unkreativ und das kommt dir nur zu Gute. So wirken deine vermeintlich unkreativen Ideen meist glaubwürdiger als kreativere – und damit manchmal fälschlicherweise „besser“ genannten – Lösungen.

2. Prägemeister/Erfinder/Herrscher

Es spricht auch nichts dagegen, das Geld nach seinem Erfinder zu benennen. Ob es nun ein König, anderer Herrscher oder ein bekannter Händler ist, eine Münze könnte zum Beispiel ein Leopold heißen. Wichtig ist hierbei darauf zu achten, dass die Werte der Münzen dem sozialen Stand des Namens entsprechen. Wenn ein (vergleichsweise) wertloser Pfennig nach einem König benannt wird, kann das Konsequenzen haben.

3. Prägung oder Herstellungsweise

Auch die Prägung der Münze kann Auswirkungen auf ihren Namen haben. Die Währung „Krone“, die es unter anderem in Dänemark, Schweden und Österreich gab und z.T. noch gibt, zeigte eine Krone, wer hätte es gedacht. Ein weiteres Beispiel ist die russische Kopeke, die auf einer Seite den heiligen Georg zeigt, der eine Schlange mit einem Speer tötet. Das Wort Kopeke kommt von „копьё“, dem russischen Wort für Speer. Es ist also nicht schwer zu sehen, wie der Name entstanden ist.
Der Name des russischen Rubel kommt ursprünglich von dem Wort „abhauen“ oder „herunterschlagen“ (russisch рубить), was den Beginn des Herstellungsprozesses beschreibt. Auch hier hast du also Möglichkeiten, kreative Namen zu finden.

4. Material

Die wohl einfachste Art, das Geld zu benennen kommt von dem Material aus dem es hergestellt ist. Gold und Silber sind in den meisten Fantasywelten gebräuchliche Namen, aber auch in den USA kann man zum Beispiel noch den Nickel finden, der zumindest ursprünglich aus Nickel hergestellt wurde. Auch der Gulden war ursprünglich aus – na, wer kann es raten? – Gold.

Eine interessante Frage ist vielleicht noch: Wieso sind „Gold“ und „Silber“ als Namen für Währung vor allem in Fantasywelten so weit verbreitet? Meine Antwort ist einfach. Gold, Silber und andere Metalle haben für uns einen greifbaren Wert und so können wir direkt einschätzen, ob ein genannter Preis teuer oder günstig ist. Außerdem wissen wir intuitiv die „Rangfolge“ der Münzen feststellen, in dem Sinne, dass Gold offensichtlich mehr wert ist als Silber. Gold und Silber bieten also für uns einen simplen Anker- und Vergleichspunkt, den selbst ausgedachte Namen/Metalle im ersten Moment nicht haben.

5. Gegenwert oder Verhältnis zu anderen Münzen

Die letzte Methode Geld zu benennen, die mir über den Weg gelaufen ist, ist der Gegenwert des Geldes. Zum Beispiel heißt der britische Pound so, weil er im Gegenwert urspünglich ein Pfund Silber wert war. Worauf sich der Gegenwert bezieht, kann von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein. Wichtig ist es dabei nur, dass der Wert über lange Zeit statisch sein kann und nachvollziehbar ist.
Außerdem ist es möglich, Münzen im Abhängigkeit von anderen zu benennen. Der Cent, von dem lateinischen Wort centum für hundert, passt genau hundert mal in den Euro (oder Dollar). Der amerikanische Quarter (übersetzt: ein Viertel) ist genau ein Viertel des Dollars wert. Auch hier wieder: Alles sehr einfach, verständlich und nachvollziehbar, wenn vielleicht auch ein wenig unkreativ – aber damit eben genau richtig für glaubwürdiges Worldbuilding.

Die Mischung machts

Natürlich kannst du – und tatsächlich würde ich das sogar empfehlen – die Benennungsarten vermischen. Das kannst du in einem ganzen Geldsystem verteilt machen (z.B. Gulden – Silber – Hunderts) oder sogar für einzelne Münzen (z.B. Kupferharfe – Mischung aus Material und Prägung, diese Spezifikation lohnt sich allerdings nur, wenn es auch z.B. eine Silberharfe gibt).
Falls du dich dabei an realen Namen für Geld orientierst oder sie übernimmst, dann solltest du sicherstellen, dass du keine Münzarten aus unterschiedlichen Kulturen mischst, denn das kann bei deinem Leser zu Verwirrung führen. In einem übertriebenen Beispiel würde es z.B. seltsam aussehen, wenn du Gulden und Peso für eine Währung zusammenfasst, denn der Leser kennt (wahrscheinlich) beide Währungen und wird sich fragen, wie sie gemeinsam funktionieren können.

Für ein bisschen mehr Dynamik in deiner Geschichte kannst du auch immer ein paar Vorurteile gegen verschiedene Währungen einfließen lassen (á la „Die Goldenen aus Land x sind unrein.“ oder „Besonders hochwertiges Silber kommt aus Region Y.“), die vielleicht zu ein paar kleinen Konflikten innerhalb deiner Geschichte führen können.

Geld in deiner Welt

Bevor du dich allerdings hinsetzt und dir stundenlang Gedanken über die Namen und Wertigkeiten des Geldes in deiner Fantasywelt machst, solltest du ein darüber nachdenken, wie wichtig das Geld in deiner Geschichte überhaupt ist. Wird es oft erwähnt? Wir es oft verwendet? Hat es große Auswirkungen auf die Geschichte? Wie wichtig ist es für den Leser zu wissen, welche Münze wie viel Wert ist? Sind es überhaupt Münzen oder vielleicht etwas ganz anderes?

Wie bei so vielen Dingen im Weltenbau hängt auch an diesen Überlegungen ein gewaltiger Rattenschwanz und du solltest dir von Anfang an sicher sein, was du überhaupt mit den unterschiedlichen Namen des Geldes erreichen willst. Ist es nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, aber eigentlich irrelevant? Dann kannst du es auch einfach bei Namen wie Gold und Silber für entsprechend die Gold- und Silbermünzen belassen. Trägt das Geld mehr narratives Gewicht in deiner Geschichte solltest du dir auch bei den Namen mehr Gedanken machen. Letztendlich liegt die Entscheidung aber ganz bei dir. Und auch wenn ein neuer Name für das Geld eigentlich nichts zu der Geschichte beiträgt, dir aber Spaß macht, dann spricht nichts dagegen, deinem Geld einen kreativen Namen zu verpassen.

 


Wie heißt das Geld in deiner Geschichte? Hast du dir überhaupt schon einmal Gedanken darüber gemacht?

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