[Worldbuilding] Götter selber bauen (Teil 4) – Symbolik, Sinnbilder und heilige Tiere

Mittlerweile solltest deine Götter in ihren Zuständigkeitsbereichen erstellt haben. Um dir eine kleine Pause von den vielen Entscheidungen zu geben, kommen wir heute zu einer kleinen und optionalen Kreativaufgabe für deine Religion. Wie ist die Symbolik deiner Götter? Haben sie Sinnbilder? Wie sieht es mit heiligen Tieren aus? Pflanzen? Edelsteinen? Du wirst sehen, dass es viele Dinge gibt, die du bedenken kannst.

Die Grundsätze guter Symbolik

Bevor du anfängst, Symbole zu entwerfen, möchte ich dir die Grundsätze guter Symbolik erklären.

  1. aussagekräftig.
    Vor allem anderen sollten die Symbole, die du wählst, aussagekräftig, bedeutsam und relevant für deine Religion sein. Nehmen wir ein Symbol, das jeder kennt: Das Kreuz des Christentums ist ein Grundstein der Religion. Jesus ist am Kreuz gestorben und somit ruft dieses Zeichen, sein Bild in die Köpfe der Gläubigen. Es bietet sich also für dich an, einen ähnlich wichtigen Mythos zu erfinden, der das Sinnbild begründet. Oder du wählst ein Bild, das thematisch zu dem Gott passt. Das Zeichen eines Fruchtbarkeitsgottes könnte beispielsweise eine Ähre sein. Bedeutsam. Verständlich.
  2. einfach.
    Das zweite, was du bei deiner Symbolik beachten musst, ist dass sie einfach zu reproduzieren sind. Denke dabei an die Herstellung aus verschiedenen Materialien wie Holz, Metall oder Knochen. Sind die Symbole aus einem Stück schnitzbar? Wie einfach sind die Formen? Könnte ein Kind das Zeichen nachmalen? Könnte man das Zeichen aus der Entfernung erkennen? All das ist wichtig für eine gute Symbolik.
  3. im Pantheon: einheitlich
    Da wir hier über die Erstellung von einer polytheistischen Religion sprechen, sollten die Zeichen der verschiedenen Götter untereinander einheitlich sein. Genauso, wie bei einem Alphabet die Buchstaben zusammenpassen sollten, sollten es auch die Symbole einer Religion. Denke dabei an Sachen wie: Ähnliche Strichzahl/Komplexität, Form und Größe. Außerdem ist es überlegenswert neben den Symbole für die einzelnen Götter auch ein Symbol für die Religion als Ganzes zu entwerfen.
  4. im Einzelnen: variabel
    Im Einzelnen sollten deine Symbole aber einen gewissen Spielraum zulassen. Um bei dem Beispiel von dem Kreuz des Christentums zu bleiben: Das Kreuz kann einfach nur aus zwei Strichen bestehen, es kann Verzierungen haben, dahinter kann ein Kreis sein oder Jesus selbst kann noch darauf abgebildet sein. Das Grundkozept bleibt dabei dasselbe, aber es gibt Spielraum für die „Kreativität“ der Gläubigen. Einfache Änderungen im „Design“ können auch unterschiedliche Strömungen in der Religion wiedergeben.

Symbolik an einem Beispiel: Enda und Hefst

Mit meinen Zwillingsgöttinnen solltest du in den vergangenen Beiträgen schon ein wenig vertraut geworden sein. Besoders viel Spaß hatte ich bei dem Entwurf ihrer Symbolik. Da sie das Ende und den Anfang verkörpern, aber stets zusammen auftreten, wollte ich sie wie zwei Seiten derselben Münze darstellen. Also habe ich eine zweigeteilte Sonne gewählt, die gleichzeitig den Anfang und das Ende eine Tages darstellen kann. Außerdem ruft der Kreis die Assoziation des Kreislaufs des Lebens hervor.
Als zusätzlicher Bonus kann das Symbol recht einfach hergestellt werden, aber auch je nach Fähigkeit des Handwerkers beliebig komplex werden. Unten habe ich ein paar Optionen des heiligen Symbols zusammengestellt.

Die Symbolik von Enda und Hefst
Deine Symbolik sollte einfach genug sein, dass sie aus der Ferne erkennbar ist und auch von Kindern mit ihren wichtigsten Elementen reproduzierbar ist.

Heilige Tiere (und Pflanzen)

Wie kann dein Gott noch dargestellt werden? Häufig gibt es auch noch heilige Tiere und Pflanzen, die den Gott personifizieren können – auch wenn es nicht notwendig ist. Athene hat die Eule und viele Götter des alten Ägyptens haben buchstäblich Tierköpfe, was die Zuordnung eines heiligen Tieres natürlich sehr einfach macht. Trotzdem ist es nicht so einfach, dass man einfach jedem Gott wahllos ein zufälliges Tier zuordnet.

Die Regeln der heiligen Tiere

  1. lokales Auftreten.
    Natürlich muss das Tier, das dem Gott heilig ist, in der Kultur auftreten. Ein Wüstenvolk wird ihrem Gott keinen Eisbären zuschreiben. Das würde einfach keinen Sinn ergeben. Setze dich also mit den Tieren der Umgebung auseinander. Welche Tiere treten am häufigsten auf? Welche werden als edel angesehen, welche als Ungeziefer? Das heilige Tier muss es tatsächlich noch nicht einmal wirklich geben. Es kann auch aus lokale Sagen oder Legenden stammen.
  2. Repräsentation des Kerns der Gottheit.
    Das Tier sollte die Gottheit in ihrem Kern repärsentieren. Denke also darüber nach, was die Tiere für Konnotationen mit sich bringen. Gelten sie als scheu oder forsch? Lassen sie sich lenken oder sind sie eigensinnig? Was für einen Unterschied macht es, wenn du ein Beutetier oder ein Raubtier wählst? Mit der Wahl des heiligen Tieres kannst du die Wahrnehmung des Gottes in den Augen deiner Leser formen.
  3. kein Nutztier.
    Außerdem ist es eher ungewöhnlich, dass man einem Gott ein Nutztier zuordnet. Denn das würde einige seltsame Implikationen mit sich bringen. Wenn man das Nutztier schlachtet und isst, verzehrt man dann einen Teil seines Gottes? Was wenn man es zähmt und ihm Tricks beibringt? Das alles fühlt sich schnell nach Blasphemie an. Dennoch ist es möglich, Nutztiere grundsätzlich einem Gott zuzuschreiben. Dann geht diese Heiligkeit aber meist mit einem Essensverbot einher. (Man denke beispielsweise an Kühe im Hinduismus.)
  4. keine Angst vor „uncoolen“ Tieren.
    Dieser letzte Punkt liegt mir besoders am Herzen. Wie oft habe ich schon Götter gesehen, deren heilige Tiere Löwen, Tiger, Adler, Wölfe, Raben oder Eulen sind? Die Antwort ist oft. Viel zu oft. Diese Tiere sind schon dermaßen zu einem Klischee geworden, dass sie im Grunde fast keine Bedeutung mehr haben. Viel interessanter wird es für deine Leser, wenn du anstatt des offensichtlichen Tieres, ein ungewöhnlicheres wählst. Wie wäre es mit Geier, Spinne oder Frosch? Wenn du deine inneren Vorurteile vor bestimmten Tieren beiseite legst, dann wirst du merken, dass es abseits der ausgetretenen Pfade wahnsinnig viel Spannendes zu finden gibt.

Heilige Pflanzen, Edelsteine und sonstige Materialien

Bei den Dingen, die du als heilig deklarierst, kannst du deine gesamte Kreativität walten lassen. Ob es Pflanzen, Edelsteine oder einfache Handwerksprodukte sind. Auch die Ausübung einzelner Berufe kann als etwas Heiliges angesehen werden, so sehr, dass diese Handwerker auch gleichzeitig die Priester der Religion sein können. Mein einziger Tipp: Wähle nicht zu viel Heiliges, denn ansonsten wird es den Alltag deiner Gläubigen zu sehr einschränken.

 


Beim nächsten Mal zeige ich dir verschiedene Formen des Gebets und der Gebetsstätten.

 

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