Rezension – Historical European Martial Arts von Richard Marsden

Als Fantasy Autorin, die ihre Bücher in einem Äquivalent unseres weltlichen Mittelalters spielen lässt, bin ich nicht umhin gekommen, mir ein bisschen Lektüren zu den verschiedensten Themen im Mittelalter zu holen. Eines davon ist Historical European Martial Arts von Richard Marsden (veröffentlicht 2016 von Tyrant Industries). Naja, eigentlich ist der Titel ein bisschen länger. Historical European Martial Arts in its Context – Single-Combat, Duels, Tournaments, Self-Defense, Masters and their Treatisies.

Zum Autor

Ein Video wie Richard Marsden mit dem polnischen Säbel kämpft. (gepostet von dem YouTuber Skallagrim)

Bevor ich mich dem Inhalt zuwende, möchte ich ein paar Worte über den Autor verlieren, denn dieser Autor ist der Hauptgrund, warum ich mir das Buch überhaupt geholt habe. Richard Marsden ist Geschichtsprofessor und hat seinen Master in Kriegsführung auf dem Land (Land Warfare). Somit also die perfekten Grundvoraussetzungen dieses Buch zu schreiben. Außerdem lernt er schon lange Historical European Martial Arts (wenn es sich nicht um das Buch, sondern um den Kampfsport handelt, werde ich es mit HEMA abkürzen), ist Mitbegründer der Phoenix Society of Historical Swordsmanship, ist ein zertifizierter Lehrer des historischen Schwertkampfes und hat auf diversen Turnieren Medallien nach Hause gebracht. Außerdem ist er der Präsident der HEMA Alliance.

Im großen und ganzen ist er also der perfekte Mensch, dieses Buch zu schreiben, da er eine Mischung aus tiefem Hintergrundwissen und praktischen Erfahrungen hat. Meine Erwartungen waren also hoch.

Inhalt

Wie der ellenlange Untertitel des Buches verspricht, werden auf den knapp 200 Seiten des Buches eine Menge Themen angesprochen – 200 Seiten mag im ersten Moment wenig klingen, aber es ist in DIN-A4 Format. Einzelkampf, Duelle, Turniere und ihre Regeln, Selbstverteidigung, Krieg und die großen Lehrmeister verschiedener Schulen. Zu all diesen Themen lassen sich unglaublich viele Informationen finden. Sie werden dargestellt als eine Reihe von historisch belegten Anekdoten, die mit sowohl modernen als auch historischen Bildern unterlegt sind, die zum Beispiel die beschriebene Technick demonstrieren.
Die Anekdoten sind reich mit Quellen belegt, wie man es von einem Geschichtsprofessor nicht anders erwarten sollte. (Als Größenordnung: Auf die 200 Seiten Inhalt kommen 11 Seiten Quellen.)

Zum Beispiel wird im Kontext des richterlichen Duells (judicial duel) der Ursprung des Coup de Jarnac erklärt. Jarnac, ein französischer Adeliger, geriet in einen Streit mit einem weiteren französischen Adeligen namens Châtaigneraye, der ihm unterstellte, dass Jarnac nur so reich sei, weil er mit der zweiten Frau seines Vaters schlief. Diese Beleidigung konnte Jarnac nicht auf sich sitzen lassen und forderte zum Duell.
Der Kampf wird in großem Detail beschrieben und endet letztendlich damit, dass Jarnac Châtaigneraye am Bein verletzt, der daraufhin nicht mehr aufstehen kann. Jarnac wird zum Sieger des Duells erklärt und Châtaigneraye ist so erbost darüber, dass er verweigert medizinisch versorgt zu werden und noch vor Ort verblutet. Seitdem ist der Coup de Jarnac ein abwertender Terminus dafür, jemanden am Bein zu treffen.

Auch ist das Buch nicht ohne Humor. In dem Kapitel zu Krieg, verspricht Richard Marsden eine kurze und knappe Übersicht über alle Kriege vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Er liefert eine gute Zusammenfassung, aber nicht ohne mehrmals zu versichern, dass eine solch kurze Zusammenfassung eigentlich nicht möglich ist.

Fazit

Historical European Martial Arts hat mir als Lern- und Nachschlagewerk wahnsinnig gut gefallen. Es ist sehr informativ, auch was die weniger bekannten Aspekte des mittelalterlichen Kampfes angeht, und bietet mit seinen zahlreichen Anekdoten auch erstaunlich viel Inspiration, was das Schreiben von Geschichten angeht. Die gewählten Bilder sind anschaulich und demonstrieren, die erklärten Techniken und Fakten wunderbar. Insgesamt hat mich das Buch absolut überzeugt.

Wem würde das Buch gefallen?
Hier kommen wir zum Knackpunkt. Historical European Martial Arts ist ein Buch mit einem sehr spezifischen Publikum. Wenn du nichts über die verschiedenen Kampfkünste des europäischen Mittelalters wissen möchtest, dann wird dir dieses Buch nichts bringen. Für alle interessierten kann ich dieses Buch allerdings nur wärmstens empfehlen.

 


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