[Worldbuilding] Die Etymologie deiner Sprache und Wortneuschöpfungen

Wenn ich über die Sprachen spreche, die du in deinem Buch verwenden kannst, dann kann ich nicht umhin, mich auch der allgemeinen Verwendung der „normalen“ Sprech-Sprache zuzuwenden. Dabei möchte ich besonders auf die Etymologie der Wörter eingehen. Doch was ist Etymologie? Und wie wirkt sie sich auf deine Sprache aus?

Etymologie, eine Definition

Etymologie
https://www.duden.de/rechtschreibung/Etymologie

Wenn es für dich an die Überarbeitung deines Manuskriptes geht, solltest du dir um die Wortwahl Gedanken machen. Und damit meine ich nicht nur die strategische Wortwahl, sondern auch die Wortwahl basierend auf ihrer Etymologie. Dabei ist es zu allererst wichtig zu wissen, in was für einer Zeit du dich befindest. Fantastisches Mittelalter, realistische Zukunftsvision oder Steampunk-Parallelwelt? Egal, worum es sich handelt, Ort und Zeit deiner Geschichte werden sich bezeichnend darauf auswirken, welche Wörter du benutzen solltest und welche nicht.

Bevor du aber lernst, die „verbotenen“ Wörter zu erkennen, solltest du wissen, wie neue Wörter eigentlich entstehen.

Wortneuschöpfungen

Wenn du neue Wörter kreieren möchtest oder dich zeitlich in der Zukunft befindest, dann ist deine Aufgabe ziemlich anspruchsvoll. Eine Variante ist, bestimmte Wörter und Redewendungen leicht zu ändern oder anzupassen, aber du kannst auch komplett neue erschaffen. Dabei kannst du so komplex oder einfach denken, wie es dir beliebt. Wortneuschöpfungen können auf vielfache Arten und Weisen entstehen. Da wären z.B.

1. Sinnverschiebungen

Mit der Zeit kann es sein, dass Wörter ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren. Das kann viele Gründe haben. Das Objekt, um das es geht, wird nicht mehr oder nur noch selten benutzt, oder vielleicht wurde es auch einfach nur neu aufgegriffen. Denke hier an „Modeworte“ wie cool, geil oder im Englischen das Wort gay, das früher fröhlich bedeutete.
Diese Sinnverschiebung ist nichts Schlimmes, sondern ein normales Phänomen einer gesprochenen Sprache.

2. Einfluss verschiedener Sprachen

Wie es auch moderne Worte gibt, so gibt es auch moderne Sprachen. Damit meine ich nicht, dass die Sprachen gesprochen und in diesem Sinne „modern“ sind, sondern, dass es modern ist, Wörter aus dieser Sprache einfließen zu lassen. In unserem Zeitalter ist es ohne Frage Englisch. Es gibt mittlerweile hunderte Anglizismen, die sich in unseren normalen Sprachgebrauch eingefügt haben. Auch das, muss ich betonen, ist nichts inherent Schlechtes.
Früher war die „moderne“ Sprache französisch und die Auswirkungen sehen wir noch heute in Worten wie Portier, brünett, Teint, posieren und Eskorte. Sie fügen sich dank ihrer (z.T.) abgeänderten Schreibweise recht nahtlos in die Deutsche Sprache ein.

Bedenke bei der Wahl einer „modernen“ Sprache die räumliche Nähe und ihre allgemeine Verbreitung. Durchaus interessant, wenn auch sehr schwierig, kann es sein, wenn du dir eine eigene Sprache ausgedacht hast und daraus eigene Worte bildest. Doch hier sind wir bei dem Verständnis-Problem, auf das ich später näher eingehen werde.

3. Abkürzungen

Auch Abkürzungen können zu Wortneuschöpfungen führen. Denke an das Wort O.K. bzw. Okay (wobei „okay“ offensichtlich nur eine Asschreibung der Englischen Buchstaben O und K ist). Sein Ursprung liegt wahrscheinlich in der scherzhaften und inkorrekten Schreibweise „all correct“ amerikanischer Journalisten im 20. Jahrhundert.
Aber so abwegig muss die Etymologie deiner neuen Wörter gar nicht sein. Das Wort „Omnibus“ wird seit jeher mit Bus abgekürzt, das „Fahrrad“ mit Rad auch wenn das Wort „Fahrrad“ noch nicht ausgestorben ist. Denke bei Wortschöpfungen durch Abkürzungen vor allem an die Häufigkeit, mit der das Wort verwendet wird. Jedes Wort, das im normalen Sprachgebrauch häufig* vorkommt und drei oder mehr Silben hat, kann erwarten auf lang oder kurz eine Abkürzung zu bekommen.

*“Häufig“ ist hierbei aber ein sehr relativer Begriff und nicht genauer definierbar.

4. Marken-Namen

Nur als Gedankenanstoß möchte ich auch Marken-Namen erwähnen, die so bekannt geworden sind, dass ihr Name gleichbedeutend mit dem Produkt geworden ist. Man denke an Tesafilm, Tempo-Taschentücher oder auch die Verbbenutzung des Wortes Google. Für Geschichten, die in der Zukunft spielen kann so ein „Marken-Name“ eine erstaunliche Immersion hervorrufen. Aber auch hier ist es auch wieder schwierig zu erreichen, dass der Leser nicht mindestens stocken muss, wenn er das Wort das erste Mal sieht.

„Verbotene“ Wörter

Wenn du dich zeitlich in der Vergangenheit oder in einer Parallelwelt zu unserer bewegst, dann wird es einige „verbotene“ Wörter geben. Doch bevor ich damit anfange, möchte ich noch auf eine Sache hinweisen: Letztendlich ist es deine Entscheidung, welche Worte du benutzen möchtest. Da gibt es kein falsch und richtig. Und wenn du an einen Punkt gelangst, an dem du beschließt, ein „verbotenes“ Wort zu benutzen, um es dem Leser einfacher zu machen, dann ist es vollkommen in Ordnung. Ich möchte dir mit diesem Beitrag eher eine Grundaufmerksamkeit an die Hand geben. Das wird dir helfen, deine eigenen Entscheidungen zu treffen.

einzelne Wörter oder Redewendungen

„Verbotene“ Wörter sind also jene Wörter, die in ihrer Etymologie keinen Ursprung in der Welt haben, die du gerade beschreibst. Für ein fantastisches Werk, das im Mittelalter spielt, könnte das „narzisstisch“ sein („Narziss“ ist ein Jüngling aus der griechischen Sage, der so selbstverliebt war, dass er aus Versehen ertrank, als er sein eigenes Spiegelbild im Wasser betrachtete.) Denn offensichtlich würde dieses Wort ohne die entsprechende griechische Sage nicht existieren.
Auch bei Redewendungen musst du aufpassen. Denn gerade die Herkunft von Redewendungen ist auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen und so kann man schnell ins metaphorische Fettnämpfen treten. Zum Beispiel die Redewendung „Spießruten laufen“ ist wohl irgendwann im 17. – 19. Jahrhundert entstanden. Damals war der Spießrutenlauf eine militärische Strafe, bei der der Verurteilte durch eine Gasse seiner Kameraden laufen musste, die ihn mit Spießruten schlugen. Gäbe es diese Strafe nicht, wäre auch die Redewendung in deiner Geschichte fehl am Platze.

Gerade um Fehler bei Redewendungen zu umgehen, ist es am einfachsten, sich eigene auszudenken. Ich habe eine Anleitung geschrieben, wie das funktioniert.

Wenn du jetzt gedanklich zu der Liste von den Wortneuschöpfungen zurückkehrst, kannst du sie auch zu einer Liste umfunktionieren, an der du „verbotene“ Worte erkennen kannst. Eigentlich gar nicht so schwer, richtig?

Verständlichkeit der Spache

Wörter wie Eskorte oder Portier nicht zu benutzen, weil es in deiner Geschichte kein französisch gibt, ist zwar schön und konsequent, aber you have to pick your fights wie man so schön auf Englisch sagt. Es bringt dich alles nicht weiter, wenn deine Sprache durch ihre „Korrektheit“ unverständlich wird. Du musst also bei deinen Entscheidungen abwägen, ob es eine Wortänderung wert ist.
Einige neue oder ungewöhnliche Wörter können deiner Geschichte ein besonderes Etwas verpassen, aber zu viele und es wirkt gestelzt und zu weit hergeholt. Wo die Grenze liegt ist wieder sehr subjektiv, also vertraue auf dein Gefühl und die Anmerkungen deiner Testleser.

Im Vordergrund steht, dass der Leser dich versteht.

 


Wie handhabst du Wortneuschöpfungen und „Fremdwörter“ in deinen Geschichten?

Teilen mit:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.