5 Schritte für bessere Beschreibungen

bessere Beschreibungen

In der letzten Zeit setze ich mich viel mit Beschreibungen auseinander, denn sie sind ein Punkt in meinem Schreiben, bei dem ich mich noch sehr unsicher fühle. Deswegen habe ich beschlossen, diese Schwäche zu analysieren und so vielleicht einen Weg aus meiner Unsicherheit zu finden.

Wie passen Beschreibungen in deine Geschichte?

Wenn ich eine neue Geschichte schreibe, dann sind die Beschreibungen immer das eine Detail, das ich beim Plotten vernachlässige. Auch bei meinem ersten Schreibedurchgang beschreibe ich gar nicht (oder kaum). Erst bei der Überarbeitung füge ich nach und nach meine Beschreibungen hinzu. Das mache ich, weil ich genau weiß, wie meine Settings aussehen sollen und mir beim Beschreiben schnell langweilig wird.

Theoretisch ist das Beschreiben aber ganz einfach. Arbeite von außen nach innen. Erst die offensichtlichsten Fakten und diese kannst du dann mit ungewöhnlicheren Details befüllen. So vermeidest du, dass sich dein Leser das große Ganze anders vorstellst, als du es wolltest. Bei kleinen Details ist das weniger wichtig, denn die kann man im Kopf schnell ändern.
Was sind also die wichtigsten Elemente beim Beschreiben?

1. Präzision

Bei deinen Beschreibungen gilt es, ins metaphorische Schwarze zu treffen. Messerscharf und präzise.

Es bringt deinen Leser nicht weiter, wenn du seitenlang um den heißen Brei herumredest. Vor allem, wenn du dasselbe auch locker in zwei Sätzen hättest sagen können. Mit Präzision meine ich aber nicht nur die Beschreibungen selbst, sondern auch was du beschreibst.

Frage dich für jedes Setting, was die bezeichnenden Dinge sind, die Stimmung und Aussehen beeinflussen. Dort solltest du beginnen. Verzettle dich nicht mit alltäglichen Beschreibungen – außer es dient dazu, etwas in deiner Geschichte zu unterstreichen – sondern konzentriere dich auf das Ungewöhnliche, das gleichzeitig repräsentativ für diese Szene ist.

Schwierig. Das gebe ich zu.

2. Nicht alles auf einmal

Das ist ein Tipp, den ich in letzter Zeit viel gelesen habe, was ihn nicht weniger hilfreich macht. Verteile deine Beschreibungen über deine Szene. Für den Einstieg solltest du dabei mit den offensichtlichsten Dingen beginnen (Tageszeit, drinnen oder draußen, etc.) und dann, wenn die Szene fortschreitet, desto mehr Details kannst du dich zuwenden. Das kann durch Interaktion mit deinen Figuren passieren oder als nebensächliche Beobachtung deines Perspektivträgers geschehen.

Wichtig dabei ist es, dass du deinen Leser nicht mit Beschreibungen erschlägst und dass du ihm gleichzeitig nicht zu wenig gibst. Versuche ein gesundes Mittelmaß finden.

3. Show, don’t Tell

Noch ein bekannter Tipp ist Show, don’t Tell. Wie das genau funktioniert hat Kia Kahawa wunderbar in ihrem Artikel namens „Show, don’t Tell“ beschrieben. Hier ist die kurze Zusammenfassung in Form der 10 Gebote, die unter dem Artikel zu finden sind:

  1. Enthülle Figuren durch ihre Handlungen
  2. Gehe ins Detail
  3. Wecke Emotionen des Lesers
  4. Arbeite mit Interaktionen und Reaktionen
  5. Streiche alles, was irrelevant ist
  6. Streiche alles, was nicht in der Handlung wahrnehmbar ist
  7. Sprich die Sinne (riechen, fühlen, schmecken…) an!
  8. Verflechte Handlung und Beschreibung
  9. Lasse niemals die Handlung pausieren
  10. Nutze Dialoge
Wer erzählt deine Geschichte? Wie sieht er/sie die Welt? Deine Beschreibungen können indirekt zur Charakterisierung deiner Figuren beitragen.

Ich selber bin zugegebenermaßen nur ein zögerlicher Freund von Show, don’t Tell, weil mir dieser Tipp oft zu rigoros befolgt wird. Dazu habe ich vor einiger Zeit mal einen Artikel geschrieben. Dort kannst du nachlesen, warum auch das Tell des Show, don’t Tell ein wichitges Werkzeug für dich werden kann.

→ Ein Argument gegen „Show, don’t Tell“

4. Weiterführung deines Erzählers

Wann immer du beschreibst, solltest du im Hinterkopf haben, dass deine Beschreibungen auch deinen Erzähler wiederspiegeln. Deswegen solltest du dich immer fragen: Wo liegt der Fokus meines Erzählers? Ein abgehärteter Soldat schaut vielleicht instinktiv, ob sein Gegenüber bewaffnet ist oder ob es in dem Setting einen Fluchtweg gibt. Ein Kind hingegen wird vielleicht zu der farbenfrohen Blumenwiese gezogen, die dem Soldaten nur am Rande aufgefallen ist.

Dein Erzähler bestimmt auch deine Wortwahl beim Beschreiben. Denke hier an Alter, Bildungsstand und sozialen Hintergrund. Und auch an die Interessen deines Erzählers solltest du denken.
Wenn ich die Beschreibungen als Charakterisierung meiner Figuren sehe, dann fällt mir geich viel mehr ein, was ich schreiben könnte.

5. Analyse

Wenn du nicht weißt, wo du anfangen kannst, dann nimm dir dein Lieblingsbuch zur Hand und blättere zu einer Stelle, die du dir besonders lebhaft vorstellen kannst. Dann ist es an der Zeit, diese Stelle zu analysieren:

  • Was genau wird beschrieben?
  • Wie wird es beschrieben?
  • An welchen Stellen wird es beschrieben?
  • Was wird weggelassen?
  • Wer beschreibt?
  • usw.

Mach dir ruhig Notizen und nimm dir mehrere Bücher von verschiedenen Autoren. Findest du Gemeinsamkeiten? Wo sind Unterschiede? Diese Art der Analyse kostet zwar Zeit, kann aber unglaublich hilfreich sein.

Beschreibungen an Beispielen

Um zu zeigen, wie Beschreibungen eine Szene verändern können, möchte ich dir den ersten Paragraphen von meinem aktuellen Manuskript zeigen. Einmal in einer alten Version und dann in der überarbeiteten Version.

Die alte Version:

„Heißer Wind fegte über die Dächer und verfing sich in den engen Gassen der Stadt.
Der wolkenfreie Himmel bot einen wunderbaren Kontrast zu den Häusern, die nur aus Sand und Lehm zu bestehen schienen, und ließ die Straßen noch trockener aussehen, als es die brennende Sonne je vermocht hätte.“

Die neue Version:

„Staubteufel tanzten über die Dächer von Hedassimar, rissen lose Tücher von den Schultern der Feiernden und ließen sie in einiger Entfernung wieder zu Boden sinken.

Obwohl die Sonne unerträglich vom Himmel brannte, blieben die Menschen auf den Straßen.“

Was hat sich verändert?

Der große Unterschied besteht (meiner Meinung nach) darin, dass die Beschreibungen in der zweiten Version mit spezifischen Aktionen untermalt sind. Der Wind verfängt sich nicht nur in den engen Gassen, er reißt Tücher davon und trägt sie fort. Die Sonne brennt nicht einfach nur vom Himmel, die Menschen verhalten sich auf eine bestimmte Art und Weise *trotz* der Sonne.
Jede Beschreibung hat eine „Daseinsberechtigung“ bekommen, weil sie greifbare Auswirkungen auf die Szene hat, und schwebt nicht ohne Kontext im Raum, nur damit der Leser ein Bild im Kopf hat.

Zwar gehen in der zweiten Version die Informationen der Lehmhäuser verloren, aber die lässt sich einfach in einen späteren Absatz einbinden.

 


Kannst du weitere Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Version finden? Findest du überhaupt, dass sich die zweite Version besser anfühlt? Ich freue mich über Anregungen! 🙂

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4 Gedanken zu „5 Schritte für bessere Beschreibungen

  1. Tatsächlich liest sich Version 1 ein bisschen blumiger vom Schreibstil her, was ich immer bevorzuge. Doch wie du schon sagtest wird bei Version 2 Handlungen verknüpft, ich würde also sagen ein Kompromiss aus beiden 🙂

    1. Ja, man darf nicht unterschätzen, was für einen Einfluss persönliche Vorlieben beim Beschreiben haben! Ich bin (wie man glaube ich merkt) eher ein Fan von direkten und effizienten Beschreibungen. Blumig habe ich eher nicht so gerne 😀

  2. Beschreibungen sind bei mir so eine Sache, ich bin definitiv kein Tolkien und bei mir steht bei Projekten häufiger als einmal „Beschreibung des Ortes/ Landschaft“ einfügen 😀
    Muss aber sagen, dass mir auch die Alte Version zu gesagt hat 😀

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