[Worldbuilding] Städte und Stadtplanung

Städte und Stadtplanung

Die Beiträge zur Entwicklung einer eigenen Sprache dauern etwas länger als gedacht. Deswegen mache ich von dem Thema eine kleine Pause und wollte die Möglichkeit nutzen und noch einmal zu der Geographie deiner Welt zurückkehren. Wenn deine Geschichte nicht auf großer Skala sondern z.B. nur in einer Stadt spielt, dann ist es wichtig, diese Stadt deutlich vor Augen zu haben. Deswegen geht es in diesem Artikel um die Planung solcher Städte.

Wo entstehen Städte?

Viel zu häfig wird vergessen, wie viel Platz Städte benötigen. Nicht wegen der Häuser, sondern wegen der Landwirtschaft darum herum, die die Bevölkerung versorgt.

Eine Stadt muss alles bieten, was ein Mensch zum Überleben braucht. Somit ist klar, dass der Ort, an dem eine Stadt stehen soll, Zugang zu frischem Wasser haben sollte. Das kann durch einen Fluss, See oder Brunnen erreicht werden. Weiterhin muss für ausreichend Nahrung gesorgt sein. Das bedeuet fruchtbarer Boden und viel Ackerland um den Gründungsort herum. Einen zusätzlichen Bonus würden befischbare Gewässer und bejagbare Wälder darstellen, mit deren gejagten Tieren man den Ertrag der Felder ergänzen kann. Außerdem muss die Gegend genug Rohstoffe für die Konstruktion von Häusern und später auch Stadtmauern und weiterem liefern können. Als Rohstoffe eignen sich Holz, Stein, Lehm oder sogar auch Eis und Schnee, und bestimmt noch hundert andere Ressourcen. Wichtig ist, dass sie beständig und möglichst lange haltbar, aber auch leicht auszubessern sind.

Doch Wasser, Nahrung und Unterschlupf reichen nicht aus, damit eine Stadt entsteht. Warum haben sich die Menschen genau diesen Ort ausgesucht und nicht einen zehn Kilometer weit entfernt? Grund dafür sind meistens: Handel und/oder Strategie.

Handel

Handel bringt Geld und damit Wirtschaft und Wohlstand, er bringt Rohstoffe, die nicht in der Nähe der Stadt zu finden sind. Und mit Geld und verfügbaren Rohstoffen, werden mehr Menschen angezogen, die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen können. Dann lohnt es sich noch mehr zu handeln und schon ist ein Kreislauf entstanden, der die Entstehung bzw. das Wachstum einer Stadt begünstigt.

Bleibt nur die Frage, wo Handel betrieben wird. Auch das ist Recht einleuchtend. Entlang von Straßen und Flüssen, eben dort, wo man die Ware leicht, kostengünstig und sicher transportieren kann. Hier siehst du auch schon: Flüsse dienen nicht nur der Wasserversorgung und als einfache Nahrungsbeschaffer, sondern begünstigen auch Handel. Das ist der Grund, warum so viele große Städte an Flüssen liegen!
Aber auch fern von Flüssen können große Städte entstehen. Man denke nur an Stellen, wo sich zwei (oder mehr) Handelsstraßen kreuzen. Und, hier ist deine Kreativität gefragt, wenn es in deiner Welt andere Möglichkeiten gibt, Waren zu befördern, dann kannst du die Standorte deiner Städte auch darauf abstimmen. Dabei solltest du dir folgende Fragen stellen:

  1. Wie teuer ist der Transport? Wer kann sich ihn leisten?
  2. Wie sicher ist der Transport?
  3. Wie schnell (und in welchen Mengen) kann die Ware transportiert werden?
  4. Lohnen sich andere Methoden des Transports überhaupt noch?
  5. Wie lange gibt es diese Art des Transports schon?

Strategie

Entsteht eine Burg auf der Spitze eines Berges, entsteht nach einiger Zeit häufig eine Stadt an seinem Fuß (oder in unmittelbarer Nähe).

Eine Stadt kann auch aus strategischen Gründen enstehen. Nehmen wir als Beispiel einen hart umkämpften Grenzposten. Die Soldaten dort wollen versorgt werden und so wird Nahrung angeliefert, aber weil der Ort so gefährlich ist, können die Händler ihre Waren zu unmöglichen Preisen verkaufen. Wo Geld fließt, kommen andere Menschen nach und so wird die Stadt wachsen. Sehr viel langsamer, als sie es durch Handel tun würde, aber sie wird wachsen.

Natürlich musst du gerade an so gefährlichen Orten eine Kosten-Nutzen-Rechnung durchführen. Wenn sich der Standort mitten in einem Kriegsgebiet befindet, dann werden die Menschen eher fliehen. Aber wenn das Risiko einschätzbar ist, dann ist es schon eine ganz andere Sache.

Aber nicht nur militärische Stützpunkte, auch Herrscherwohnsitze können sich nach und nach zu Städten mausern. Beide haben gemein: Sie stehen auf strategischen Punkten, von denen sie die Umgebung einsehen können und das gleichzeitig leicht zu verteidigen ist. Dafür eignen sich besonders Erhöhungen oder Berge, die nur von einer Seite zugänglich sind.

Wer bevölkert deine Städte?

Das ist eine Frage, mit der sich erstaunlich wenige Autoren beschäftigen. Oft bleibt die Bevölkerung eine Recht ominöse und vor allem namenlose Masse, die selten über das typische Gasthaus, den Schmied und das Reichenviertel hinausgeht. Doch darin steckt viel verspieltes Potential. Ein Potential, das deine Welt sehr viel lebhafter wirken lässt.
Die folgende Liste ist keineswegs vollständig, aber sollte dir ein paar gute Ideen geben. Trotzdem gilt: Nicht jede Stadt muss jeden Teil dieser Liste erfüllen. Ich habe die Menschen lose der Ober-, Mittel und Unterschicht zugeordnet. Und die Betonung liegt auf lose. Ausnahmen gibt es immer.

Die Oberschicht

  • Die Herrscher.
    Ob König, Ältestenrat oder Bürgermeister, irgendjemand muss sich um die Bürokratie kümmern, die eine Stadt mit sich bringt. Gesetze wollen erlassen, Steuern eingeholt und Grundstücke verwaltet werden. Was genau die Aufgaben deiner Herrscher sind, unterscheidet sich je nach Stadt und Regierungssystem, aber irgendwer sollte für die Stadt verantwortlich sein.
  • Die Kirche.
    Solange wie es in deiner Welt Religion gibt, wird sie sich vor allem an Orten zeigen, wo viele Menschen aufeinander treffen. Gibt es Tempel für deine Gottheiten oder werden sie „nur“ bei dem Bürgern zu Hause verehrt? All das kann sich auf dein Stadtbild auswirken.
  • Die Gelehrten.
    Auch über die individuelle Architektur deiner Kulturen kannst du dir Gedanken machen, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

    Wo viele Menschen sind, findet auch viel Austausch statt und das wiederum führt zu dem Bau von Schulen und Universitäten. Ob diese Bildungsstätten öffentlich zugänglich sind, wird ebenfalls einen großen Einfluss auf die Bewohner deiner Stadt haben. Eine Grundregel: Je gebildeter die durchschnittliche Bevölkerung, desto höher die Lebensstandards.

Die Mittelschicht

  • Händler und Handwerker.
    Alles was nicht in der Stadt oder seiner nächsten Umgebung hergestellt werden kann, will importiert werden, und die eingeführte Ware muss dann auch noch weiterverarbeitet werden. Deswegen gehen Händler und Handwerker meist Hand in Hand.
  • Stadtwache.
    Die Stadtwache oder Polizei sorgt für die Sicherheit und Einhaltung der Gesetze in deiner Stadt. Für wen sie arbeiten, wird ihr Auftreten und ihren Respekt bestimmen. Sind sie in dem Gebrauch von Waffen ausgebildet oder ist es mehr eine zivil organisierte „Nachbarschaftswache“?

Die Unterschicht

  • Bauern.
    Wie sieht deine Stadt eigentlich von oben aus?

    Irgendwer muss die Stadt mit Nahrung versorgen und alles durch Händler zu improtieren wäre nicht bezahlbar. Oft wohnen die Bauern am Rand oder etwas außerhalb der Stadt und bestellen großen Radius um die Stadt herum. Ihre Erträge können in der Stadt verkauft werden.

  • Bettler.
    Was die Menschen zu Bettlern gemacht hat und ob sie gedulded (oder vielleicht sogar unterstützt) werden, wird sich von Stadt zu Stadt unterscheiden.

Die Stadt aus der Vogelperspektive

Wenn du nun weißt, wer in deinen Städten lebt, solltest du dir als nächstes Gedanken darüber machen, wie deine Stadt aufgebaut ist. Wie sehen die Straßen aus? Gibt es eine Ordnung oder verlaufen sie chaotisch? Wie wirkt sich das Klima auf den Aufbau deiner Stadt aus? Um diese Fragen und noch mehr wird es nächste Woche gehen.

 


Hast du schon einmal eine eigene Stadt für deine Welt gebaut? Wie sah sie aus?

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