[Worldbuilding] Deine eigene Sprache – Romanisierung und erste Wörter

Romanisierung

Das Alphabet für Zaproski steht [Deine eigene Sprache – Das Alphabet]. Wie wir das letzte Mal festgestellt haben, führt das eigene Alphabet im Buch aber zu Problemen. Namentlich: Es ist nicht sinnvoll das eigene Alphabet als alternative Schrift zu drucken, sobald die neue Sprache vorkommt. Denn deine Leser werden es nicht lesen können und dann war deine Mühe umsonst. Die Lösung: Romanisierung.

Was ist Romanisierung?

Die Romanisierung ist im Grunde nichts anderes als die Übersetzung deiner Schrift zu lateinischen Buchstaben. Aber Vorsicht: Es geht nicht darum, die Buchstaben 1:1 zu übertragen, sondern den Klang möglichst eindeutig darzustellen. Um es an einem Beispiel aus der richtigen Welt zu demonstrieren:

„one, two, three“ wird zu „uan, tu, srie“

Die Romanisierung kann das Schriftbild ganz schön aufmischen.

Offensichtlich hat die Romanisierung ihre Grenzen. Das sieht man in unserem Beispiel am deutlichsten an der „Übersetzung“ des Wortes three. Das Schwierige ist, dass der Englische th-Laut im deutschen Klangvokabular nicht existiert und so musste der Klang gewählt werden, der dem th am Nächsten ist.
Gerade weil es sich bei Zaproski um eine Konsonantenschrift handelt, wird es wichtig sein, es so zu schreiben, wie man die Sprache hört. Denn eine Zeile Konsonantensalat wird dem Leser wahrscheinlich nicht viel weiterhelfen.

Hinweis: In der angewandten Linguistik nennt man dieses Prozess Transliteration (für eine buchstabengetreue Übersetzung) oder Transkription (für eine lautgetreue Übersetzung). Allerdings finde ich in der Fantasy den Begriff „Romanisierung“ passender, weil es um die Anpassung eines fremden/fantastischen Alphabetes zu einem Lateinischen geht. Es wird also romanisiert.

Bevor ich dir zeige, wie die Romanisierung an Wörtern in Zaproski funktionieren würde, brauchen wir erst einmal ein paar Wörter in Zaproski.

Erste Wörter

Um in den späteren Kapiteln die Grammatik von Zaproski richtig ausprobieren zu können, solltest du von jeder „Wortart“ zwei bis drei erfinden. Was meine ich mit Wortarten? Natürlich sind da Nomen, Verben und Adjektive, aber du brauchst noch mehr. Pronomen, Artikel, Präpositionen, Konjunktionen, Numerale, Adverbien und Interjektionen sind alles Wortarten, die du bedenken solltest.

Einige brauchst du dir noch nicht am Anfang zu überlegen, aber du brauchst genug Auswahl, um einfache beispielhafte Sätze bilden zu können. Meine persönliche Liste für die ersten Wörter besteht aus Substantiven, Verben, Adjektiven, Pronomen, Artikeln und möglicherweise der ein oder anderen Konjunktion. Der Rest wird –in welcher Form auch immer – in der späteren Grammatik ganz von alleine auftauchen. Aber wie gehst du vor, wenn du dir Wörter für deine Sprache ausdenken möchtest?

Einfach ausdenken

Die einfachste und zugleich schwierigste Methode ist das „einfache Ausdenken“. Dabei nimmst du nichts zur Hilfe außer deiner Lauttabelle und deiner Liste mit der Häufigkeit deiner Buchstaben, wenn du sie erstellt haben solltest. Damit setzt du dich hin und probierst aus, welche Kombinationen sich in deinen Ohren gut anhören. In der Auswahl bist du hier völlig frei. Ein Wort der Warnung kann ich dir allerdings mit auf den Weg geben: Für einen halbwegs funktionierenden Wortschatz brauchst du mindestens 500 Wörter, eher 1000 oder 1500 aufwärts.

„rika“ → Reich → Herrscher → Königin. Die Assoziation ist einfach.

Das dauert.

Trotzdem lohnt es sich, ein paar Worte auf diese Art und Weise auszudenken, auch wenn es nur dafür ist, es einmal ausprobiert zu haben. Für Zaproski habe ich mir auf diese Weise folgende Wörter ausgedacht (noch in der Lautschrift).

  • Substantiv 1: [rot] bedeutet „König“
  • Substantiv 2: [rika] bedeutet „Königin“
  • Substantiv 3: [kora] bedeutet „Fluss“
  • Verb: [∫ɐːlɪ] bedeutet „fließen“
  • Adjektiv: [mɔr] bedeutet „schnell“
  • Pronomen: [əst] bedeutet „er/sie“ (unbestimmte 3. Person Sg.)
  • Artikel: [fə] bedeutet „der/die/das“
  • Konjunktion: [kɪt] bedeutet „und“

Aus einer reellen Sprache übernehmen

Diese Methode, sich zu neuen Wörtern zu verhelfen, klingt erst einmal einfach, birgt aber eine große Gefahr: Wenn du dir eine eigene Sprache ausdenkst, dann möchtest du nicht, dass sie wie ein Abklatsch einer schon existierenden Sprache ist. Aber wenn man Wörter aus einer reellen Sprache übernimmt, kann das schnell passieren. Hier gibt es zwei Methoden, wie du diese Gefahr zumindest ein wenig umschiffen kannst:

  1. Wenn du ein Wort übernimmst, darf es auf keinen Fall dieselbe Bedeutung oder eine verwandte Bedeutung haben. Durch die grammatikalischen Eigenschaften deiner Sprache, wird die Ähnlichkeit gar nicht so sehr auffallen, wie du glauben magst.
  2. Verändere jedes Wort nach denselben Prinzipien, die ich schon bei der Benennung von Städten erklärt habe. (Hier ist der Link, falls du es noch einmal nachlesen möchtest.)

Ich habe mir ebenfalls das Russische und Polnische Wörter als Inspiration genommen, um die ersten paar Wörter zu erstellen.

  • Verb 1: дойти bedeutet „gehen“ → [dətɪ]
  • Verb 2: говорить bedeutet „sprechen“ → [gɔravɪz]
  • Pronomen: Я bedeutet „ich“ → [jə]

Stammwörter und ihre Ableger

Meine Lieblingsmethode neue Wörter zu erstellen, ist auf den ersten Blick sehr ähnlich zu der „einfach ausdenken“-Methode. Du denkst dir ein Stammwort aus und aus diesem Stammwort erstellst du dann weitere verwandte Wörter. Ich habe eine Liste gemacht mit Kategorien, die du beliebig erweitern oder kürzen kannst. normale Bedeutung, Ort, Tier, Person, Ansammlung, Werkzeug, abstraktes Konzept, Verb, Adjektiv, Vergrößerung, Verkleinerung. Wie würde das Aussehen?

Angenommen wir beginnen mit dem Wort: „Himmel“

Welche Frage wird gestellt?

Wort♦♦♦

Übersetzung

Bedeutung
Was ist das Stammwort?ferk1. Himmel, Bläue
2. (selten) ein glatter See oder glattes Meer
3. (umgangssprachlich) Gaumen
Ort
Wo findet man [Stammwort]?ferkna1. Sterne, Firmament
2. Nachthimmel
Tier
Welches Tier lebt in [Stammwort]?oferk1. Vogel
2. (umgangssprachlich) jedes Wesen das fliegt
Person
Welche Person verbindet man mit [Stammwort]?
Ansammlung
Wie nennt man mehrere [Stammwort]?
Werkzeug
Welches Werkzeug entspringt aus [Stammwort]?ferktel1. bestimmtes blaues Färbemittel
Abstraktion
Was verbindet man mit [Stammwort]?feruk1. Die Unendlichkeit
2. Das Gefühl der Bedeutungslosigkeit beim Blick in den Nachthimmel
Verb
Was tut [Stammwort]?
Adjektiv
Wie ist [Stammwort]?iferkst1. tiefes, durchdringendes Blau
2. (umgangssprachlich) jede Farbe, die tief und durchdringend ist
Vergrößerung
Wie nennt man großes [Stammwort]?
Verkleinerung
Wie nennt man kleines [Stammwort]?staferk1. Lichtblick
2. kleine Öffnung
3. (veraltet) Luft

 

Es ist immer eine gute Idee in die Definition und Wahl deiner Worte schon ein bisschen Kultur einfließen zu lassen. Überlege dir also wie der Fokus deiner Kultur, die Sprache beeinflussen würde. Außerdem ist es für die Glaubhaftigkeit deiner Sprache wichtig, einigen Worten auch umgangssprachliche, veraltete oder seltene Bedeutungen zu geben. So wirkt deine Sprache, als wäre sie schon lange in Gebrauch gegeben

Außerdem (!) – wie du in meiner Liste oben schon gesehen hast – solltest du die Liste nicht für jedes Wort vollständig ausfüllen. Nicht zu jedem Stammwort lassen sich zehn passende und verwandte Wörter finden. Wenn du es tust, dann wird es schnell passieren, dass sich deine Sprache langweilig und nicht besonders abwechslungsreich anfühlt.

Wörter und ihre Definitionen

Es ist leicht bei der Erfindung deiner Wörter in eine Falle zu tappen. Was du auf jeden Fall vermeiden möchtest, sind Sprachen, bei denen du im Grunde durch den deutschen Duden gegangen bist und jedes Wort übersetzt hast – übertrieben dargestellt. Das führt nur zu seltsamen Klonen der deutschen Sprache, die für deine Welt wahrscheinlich keinen Sinn ergeben.

So ist das Wort „Haus“ im Duden definiert.

Viele Wörter werden mit den Deutschen übereinstimmen – denke nur daran wie viele Sprachen das Wort „Haus“ haben – aber sorge auf jeden Fall dafür, dass du ausreichend Wörter hast, die so nicht im Deutschen existieren. Außerdem kannst du für Abwechslung sorgen, indem du bekannten und ähnlichen Wörtern andere oder erweiterte Konnotationen gibt. Anstatt dass „Haus“ nur ein Ort zum Wohnen ist, kannst du schauen, ob du seine Bedeutung erweitern kannst.

Für eine einfache Methode kannst du per Google Translate das Wort nach und nach in verschiedene Sprachen übersetzen und dann auf die Synonyme gucken (oder auch einfach Synonyme und ihre Bedeutung googlen). Es ist echt interessant, auf was für Ideen man in diesem Prozess kommt. Je nachdem wie eindeutig oder abstrakt dein Wort ist, wirst du unterschiedlich viele Abweichungen finden. Also nicht verzagen.

Die Romanisierung unserer Wörter

Nachdem du dir deine erste Wörter ausgedacht hast, musst du sie noch Romanisieren und wie das funktioniert, siehst du an drei Beispielen in dem folgenden Bild:


Endlich sind die Schriften fertig. Das hat deutlich länger gedauert, als ich geplant habe. Ich hoffe, dass es euch bisher trotzdem Spaß gemacht hat, denn als nächstes wenden wir uns der Grammatik zu.

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