[Worldbuilding] Deine eigene Sprache – Phonologie

Die Phonologie deiner Sprache

Beim letzten Mal habe ich dir gezeigt, wie du dich darauf vorbereiten kannst eine eigene Sprache für deine Fantasy- oder SciFiwelt zu entwickeln [Deine eigene Sprache – Vorbereitung]. Dieses Mal kümmern wir uns um die tatsächlichen Anfänge deiner Sprache: Die Phonologie.

Die Phonologie deiner Sprache

Weil ich kein Sprachwissenschaftler bin – und wahrscheinlich die meisten Leser meines Blogs auch nicht – habe ich nicht genug Ahnung von Sprachen, um eine von Grund auf und ohne Gerüst zu entwickeln. Stattdessen nehme ich mir existierende Sprachen als Stütze und arbeite mich an ihnen entlang. Zuerst suche ich mir also eine Sprache, die einen Klang hat, der mir gefällt und in mein Setting passt. Besser sind allerdings 2 – 3 ähnliche Sprachen, damit die Phonologie nicht 1:1 von einer einzigen abgeschaut ist.

Selbst wenn du eine Sprache nur wenige Male gehört hast, kannst du sie danach an ihrem Klang auf die richtige Region der Erde zuordnen. Genau diese einfache Unterscheidung solltest du auch bei deinen ausgedachten Sprachen anstreben.

Du kannst in diesem Schritt beliebig kreativ werden. Hat deine fiktive Kultur Ähnlichkeit mit der Skandinavischen? Dann hör doch in skandinavische Sprachen rein. Sie gefallen dir nicht oder sind dir nicht fremdartig genug? Wie wäre es mit einigen asiatischen Einschlägen?
Ich kann dir empfehlen auf YouTube oder anderen Seiten nach Liedern in den Sprachen zu suchen, die zur Auswahl stehen. So konnte ich mir bisher immer den einen guten Eindruck machen.

Im Folgenden beginne ich mit der Kreation einer kompletten fiktiven Sprache.

Meine Sprache soll auf einem russisch-polnischen Klangbild basieren. Eine unglaubliche Hilfe an dieser Stelle ist Wikipedia. Wenn du bei Wikipedia „[Sprache] Phonology“ eingibst, wird dir eine sogenannte IPA-Tabelle geliefert. (Es ist besser auf Englisch zu suchen, da einige IPA-Tabellen auf den Deutschen Seiten nicht existieren, aber die Englischen in meiner Erfahrung relativ vollständig sind.) IPA steht für „International Phonetic Alphabet“ und es beinhaltet Zeichen für jeden Laut, den Menschen mit ihrem Mund produzieren können. Um herauszufinden, wie die einzelnen Laute ausgesprochen werden, kannst du auf die Liste der IPA-Zeichen zugreifen. Dort findest du neben schönen Wortbeispielen auch Audiodateien für jedes Zeichen.

Die passenden Klänge wählen

Vokale und Konsonanten werden unabhängig voneinander entwickelt. Ich beginne lieber mit den Konsonanten, weil es mir leichter fällt, die Vokale hinterher „aufzufüllen“. Du kannst die Reihenfolge auch davon abhängig machen, ob deine Sprache ihren Fokus auf Konsonanten oder Vokale legt. Würdest du eine Sprache entwickeln, die an z.B. Maori angelehnt ist, wäre es wahrscheinlich sinnvoller mit den Vokalen anzufangen.
Aber heute baue ich eine Sprache, die an das polnische/russische angelehnt ist, und so ist mein Fokus eher auf den Konsonanten.

Eine kurze Erläuterung zu der Tabelle unten. In den Spalten wird angegeben wo der Laut verursacht wird (Lippen, Zähne, Gaumen, etc.) und in den Zeilen wie der Laut verursacht wird (plosiv, nasal, gerollt, etc.). Diese Unterscheidung ist für die Auswahl der Konsonanten erst einmal unwichtig, solltest du dich allerdings tiefergehend mit Sprachen beschäftigen wollen, ist das ein Punkt, den du recherchieren solltest.

Die Konsonanten

Zuerst erstelle ich eine Liste mit Überschneidungen und Unterschieden der Konsonanten beider Sprachen.
Für mich steht fest, dass ich die Laute, die sich überschneiden, auf jeden Fall übernehmen werde, da sie den Grundklang meiner Sprache ausmachen werden. Nicht zu vergessen ist dabei, dass sich auch Konsonanten zu „neuen“ Klängen zusammensetzen lassen, z.B. p + f = pf, s + t = st, usw. Das ist in diesem Moment noch nicht ausschlaggebend, aber die Möglichkeiten der Zusammensetzungen solltest du nicht vergessen.

Weitere Änderungen

Ich habe mich für Folgendes entschieden: Die Sprache bekommt noch einen stimmlosen glottalen Plosiv dazu (= Laut zwischen dem E und A in be-achten) und weil ich keine H- oder CH-Laute haben möchte, fliegt auch das x aus der Tabelle raus (gesprochen -ch-, wie in „Ach!“). Außerdem erinnert mich das w (gesprochen wie -w- im engl. wind) zu sehr an das Englische und ich habe es gestrichen. Genauso wie das γ, das ich nicht alleine stehen haben möchte.

Wenn du Laute verschieben oder anpassen möchtest, dann sind hier 3 Tipps:

  1. Es kommt extrem selten vor, dass ein Laut alleine in Spalte und Zeile steht. (Also ein freies Kreuz darum herum.)
  2. Wenn ein Laut voiced (stimmhaft) vorkommt, dann gibt es ihn meistens auch als voiceless (stimmlose) Variante. Oder es gibt beide Versionen nicht. Ausnahmen gibt es immer.
  3. Versuche eine gute Mischung aus bekannten und außergewöhnlichen Lauten zusammenzustellen. Eine Sprache, die nur aus Pfeifen oder Klicks besteht, ist zwar spannend, aber nicht gut zu schreiben oder auszusprechen.

Die Vokale

Konsonanten werden genauso ausgesprochen, wie sie geschrieben werden. Vokale sind allerdings nicht so einfach zu definieren. Welches ist zum Beispiel das „richtige“ E? Das E in telefonieren, Falle oder keck? Gerade weil eine feste Abgrenzung schwierig ist (und oft von Dialekt zu Dialekt unterschiedlich), werden Vokale nicht in einer Tabelle, sondern auf einem Spektrum dargestellt. Dabei wird unterschieden, wo sich die Zungenspitze im Mund befindet (vorne, mitte, hinten) und wie viel die Zunge den Luftfluss unterbricht (offen, mitte, geschlossen). Einen klaren Anfangs- und Endpunkt von einem Vokal zum Anderen gibt es allerdings nicht.

Auch hier kann ich wieder nur betonen, was für eine Hilfe die Liste der IPA-Zeichen ist. Dort werden dir alle Vokale beschrieben, es gibt Beispielwörter in verschiedenen Sprachen und zu jedem eine Audiodatei.

Das Klangbild der Vokale gefällt mir auch ohne Änderung gut und ich werde alle Laute, wie ich sie markiert habe, in meine Sprache so übernehmen. In einem der nächsten Beiträge gehe ich allerdings noch einmal näher auf die Unterschiede der Vokal-klänge ein und wie ich sie mit unterschiedlichen Buchstaben darstellen werde.
Ebenfalls noch nicht beachtet habe ich die Kombinationen von Vokalen wie -au- oder -ie- und wie sie in meiner Sprache ausgesprochen würden bzw. ob sie überhaupt erlaubt sind. Doch auch darum wird es ein anderes Mal in größerem Detail gehen.

Der Name meiner Sprache

Nach der Auswahl der Vokale ist für mich der Punkt erreicht, an dem ich meine Sprache benenne. Dabei versuche ich, mich an die repräsentativsten Laute der Vokale und Konsonanten zu halten. Welche das sind, ist ganz deine Entscheidung, aber schon hier lohnt sich die Überlegung, welche Laute eher selten oder häufig vorkommen. Wenn du ganz motiviert bist kannst du eine Häufigkeitstabelle anlegen.
Bei der Häufigkeitstabelle kannst du dich an den gewählten Gerüstsprachen orientieren oder dich ganz auf dein Bauchgefühl verlassen. Allerdings kann ich dir aus meiner Erfahrung sagen, dass es reicht die 10 häufigsten und 5 seltensten Konsonanten und die 3 häufigsten  Vokale aufzuzählen. Danach sind die prozentualen Unterschiede ihrer Häufigkeit so gering, dass es keinen großen Unterschied macht.

Zurück zum Namen meiner Sprache. Da sowohl Polnisch (polski) als auch Russisch (russkiy) in ihrer eigenen Sprache auf den -ski Laut enden, möchte ich das für meine Sprache übernehmen. Außerdem sollte der Name der Sprache nicht allzu lang sein (max. 3 Silben). Ich möchte außerdem, dass das gerollte R ein wichtiger Teil meiner Sprache wird und der Name soll „scharf“ und „hart“ klingen.

Nach einigem hin und her habe ich mich entschieden für

Zaproski.

Ohne Lippen wird so manche Sprache schwer auszusprechen.

Das Land, zu dem die Sprache gehört, heißt dementsprechend Zaprosa.

Ein kleiner Nachtrag

Solltest du eine Sprache für nicht-menschliche Wesen entwickeln, solltest du dir genauste Gedanken über die Anatomie ihrer Münder und Kehle machen. Stell dir zum Beispiel ein Schlangenvolk vor. Schlangen haben keine Lippen, das Schlangenvolk also auch nicht, und schon fallen alle Laute raus, die mit Hilfe der Lippen gemacht werden. Wenn du in die Tabelle oben schaust, sind das alle bilabialen und labio-dentalen Laute.

So kannst du für jedes nicht-menschliche Volk vorgehen. Überlege dir zuerst was für Einschränkungen ihre Anatomie mit sich bringen würde. Danach kannst du dich an das erstellen der Sprache machen. Bleiben wir für den Moment bei dem Schlangenvolk. Bei ihnen spricht absolut nichts dagegen, dass sie Laute von sich geben, die für Menschen unnachahmbar sind.
Wie wäre es mit Vibrationen, eine Art Morsecode, die sie durch den Boden übertragen und für Menschen nicht spürbar sind? Lass deine Kreativität spielen und schrecke nicht davor zurück Konzepte zu entwickeln, die du vielleicht nicht verschriftlichen kannst.

 


Beim nächsten Mal geht es an die Schrift, was du für sie brauchst und welche Gedanken du dir zu einer Schrift machen solltest. Ich hoffe, euch hat dieser kleine Einstieg gefallen.

Teilen mit:
1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.