17 Fragen für deine Testleser

17 Fragen an deine Testleser

Du bist also so weit. Deine Testleser sind fertig mit deinem Manuskript und jetzt gilt es, sie zu befragen. Aber wo fängst du an? Was sind die „richtigen“ Fragen? Wie bringst du deine Testleser dazu, dass sie keine Angst haben, dir vor den Kopf zu stoßen? Wie bekommst du wichtige Hinweise, auch wenn sie dich nicht kritisieren wollen?

Ich habe hier einen kurzen Fragenkatalog zusammengestellt, den ich mir im Laufe meiner Interaktion mit Testlesern erstellt habe. Das sind bei Weitem nicht alle Fragen und die Gespräche dauern meistens sehr lange und gehen weit über die genannten Themen hinaus, aber sie sind ein guter Punkt zum Anfangen.

Informationen zu deinem Testleser

Wer sind deine Testleser eigentlich?

Bevor du anfängst über dein Manuskript zu reden, solltest du deinen Testleser besser kennen lernen. (Das kann auch schon passieren, bevor sie deine Geschichte in die Hand bekommen. So ist es nämlich einfacher eine gute Mischung aus erfahrenen Lesern und (Genre-) Neulingen zu bekommen.) Gute Fragen sind:

  1. Wie viel liest du normalerweise?
    Es ist wichtig einschätzen zu können, wie erfahren dein Testleser ist, denn Bücher werden von aktiven Bücherwürmern und entspannten Gelegenheitslesern durchaus unterschiedlich wahrgenommen. Die Antwort hilft dir den „Schwierigkeitsgrad“/Zielgruppe deines Buches einzuschätzen.
  2. Was ist dein Lieblingsbuch und warum?
    Das Lieblingsbuch sagt viel über deine Leser aus. Es verrät dir, was ihnen wichtig ist und welche Art von Geschichten sie mögen. Das kann durchaus hilfreich sein, wenn ein Testleser den Plot zu deprimierend oder zu Friede-Freude-Eierkuchen fand.
  3. Was sind deine Lieblingsgenres?
    Diese Frage ist Recht offensichtlich: Dein Testleser wird die Klischees und Konventionen „seines“ Genres eher kennen und dich schneller und besser darauf aufmerksam machen.

Worldbuidling und Setting

Bei den Fragen zum Worldbuilding und Setting möchtest du herausfinden, ob deine Welt greifbar war und ob es große (nicht-plotrelevante) Unstimmigkeiten gab. Gerade in der Fantasy und der SciFi sind Beschreibungen und Weltenbau das A und O für ein gutes Buch. Deswegen solltest du bei deinen Fragen auch ein Augenmerk darauf legen.

  1. Welche Szene konntest du vor deinem inneren Auge am Klarsten sehen?
    Beim Schreiben entwickelst du schnell Betriebsblindheit. In meinen eigenen Geschichten beschreibe ich zum Beispiel immer viel zu wenig, weil ich das Bild deutlich vor Augen habe und eine Beschreibung dann langweilig finde. Wenn mir da eine gute Beispielszene genannt wird, kann ich mich leicht an der Art und Menge der Beschreibungen orientieren.

    Je ausgefallener dein Worldbuilding ist, desto mehr Fragen solltest du dazu stellen.
  2. Wie sieht [beliebiges wiederkehrendes Setting einfügen] in deinem Kopf aus?
    Gerade, wenn dein Buch an wenigen Orten spielt, ist es wichtig, dass diese Orte lebhaft in dem Kopf deiner Leser sind. Wenn die Beschreibung deines Lesers stark von deiner eigenen Vorstellung abweicht, ist es Zeit noch einmal in das Manuskript zu schauen.
  3. Ist dir ein bestimmtes Detail besonders im Gedächtnis geblieben?
    Mit dieser Frage findest du heraus, welche Besonderheiten deiner Welt im Gedächtnis deiner Leser hängen geblieben sind. Wenn du auf ein Detail besoners stolz bist oder dachtest, dass es ein Alleinstellungsmerkmal ist, ist hier die Zeit das zu überprüfen.
  4. Hat dich irgendeine Entscheidung (des Beschreibens oder in dem wie die Welt funktioniert, nicht plotrelevant!) stutzen lassen?
    Auch plot-irrelevante Lücken in deiner Geschichte gehören geschlossen. Und leider sind sie meistens etwas schwieriger zu schließen als deine Plotholes. Es ist also wichtig, dass du sie schnell beseitigst.
  5. Wo hättest du dir mehr Beschreibung/Einblick gewünscht?
    Diese Frage ist sehr subjektiv, aber je mehr Testleser dir diese Frage ähnlich beantworten, desto deutlicher wird dein Einblick.

Figuren

Deine Figuren sind das, was deine Geschichte am Laufen hält, und sie sind meiner Meinung nach sogar das Wichtigste. Wichtiger als das Wolrdbuilding, wichtiger als der Plot. Denn ein 08/15 Plot kann mit lebendigen Figuren extrem spannend werden, aber ein spannender Plot mit langweiligen Figuren bleibt leider eher langweilig.

  1. Welche Figur mochtest du am liebsten und warum?
    Hier geht es nicht um moralische Übereinstimmung, auch der Antagonist kann deinen Lesern am liebsten sein. Wir haben alle unsere Lieblinge und es ist gut zu wissen, wie deine Figuren auf Andere wirken. In meinem ersten Manuskript hatte ich zum Beispiel eine „Wegwerf“-Nebenfigur, die am Anfang eine relativ kleine Rolle hatte. Aber ich habe von allen das Feedback bekommen, dass sie wahnsinnig sympathisch war und da habe ich ihr ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
  2. Welche Figur mochtest du am wenigsten und warum?
    Diese Frage ist fast dieselbe wie die erste, nur dass du nach einem Negativbeispiel suchst.
  3. Wenn du dir eine Figur aussuchen könntest, welche würdest du streichen?
    Die Antwort auf diese Frage muss sich nicht unbedingt mit Frage 2 überschneiden. Hier wiegen Figuren, die den Plot nicht vorangetragen haben oder generell überflüssig waren, mehr als unsympathische.
  4. Haben sich die Figuren ihrem Charakter entsprechend logisch verhalten?
    Es ist immer doof, wenn sich Figuren auf einmal ohne Erklärung seltsam verhalten. Aber das passiert schnell, wenn man in einigen Überarbeitungsdurchgängen Szenen verändert/verschoben hat und auf einmal die Stimmung der Figur keinen Sinn mehr ergibt.

Plot und Spannungskurve

Ist deine Geschichte ein Irrgarten oder eine übersichtliche Straße?

Hier geht es an den Kern deiner Geschichte. Ist sie überhaupt spannend? Macht sie Spaß? Es ist leicht den Überblick zu verlieren, weil du ja ganz genau weißt, wie sich deine Geschichte anfühlen soll. Dabei ist es viel wichtiger zu wissen, ob deine Leser auch den Überblick behalten.

  1. Wann hattest du das Gefühl, dass die Geschichte angefangen hat?
    Wenn dir deine Testleser sagen, dass die Geschichte erst ab der Hälfte deines Buches angefangen hat, dann hast du irgendetwas in deinem Manuskript falsch gemacht. Es kann schon reichen, die Ziele und Konflikte deiner Figuren deutlicher herauszuheben, um einen roten Faden zu schaffen, aber überarbeiten musst du auf jeden Fall.
  2. Welche Teile hast du übersprungen/nur oberflächlich gelesen?
    Es ist nie gut, wenn deine Leser anfangen, dein Buch nur noch zu überfliegen. Auch hier musst du noch einmal schauen, woran es liegen könnte. Langatmige Beschreibungen? Uninteressante Perspektive? Die Gründe können vielfältig sein.
  3. Welche Szene fandest du am Besten?
    Die Antwort kann sehr hilfreich sein, um deine eigenen Stärken kennen zu lernen. War es eine Szene mit viel Dialog? Mit Action? Mit tollen Beschreibungen? Und davon abgesehen, darfst du zwischendurch auch Fragen stellen, die dein Ego streicheln. 😉
  4. Welche Szene fandest du am spannendsten?
    Wenn dein Buch der typischen Spannungskurve folgt, dann sollte die spannendste Szene irgendwo um die Hälfte des Buches herum liegen. Aber egal, wo sie genau liegt, sollte die Aussage deines Testlesers in etwa mit deiner Erwartung übereinstimmen. Ansonsten heißt es wieder: Zurück zum Manuskript und nachschauen, woran es liegen könnte.
  5. Gab es plotbedingte Unstimmigkeiten?
    Plotholes. Niemand mag sie und deswegen solltest du dich stark darum bemühen, sie auszubügeln.

Fazit

Es ist immer schwierig, seine Mauskripte zur Kritik herauszugeben. Deswegen hier noch zwei Punkte, die du in der Umsetzung von Kritikpunkten beachten solltest: Nimm die Kritik nicht persönlich, denn sie ist in den seltensten Fällen so gemeint. Versuch die Aussagen der Leser (sowohl die positiven als auch die negativen) neutral aufzunehmen. Erst wenn sich Aussagen zu einem bestimmten Thema häufen, ist da auch mit Sicherheit etwas dran. Das soll natürlich nicht heißen, dass du alle Kritikpunkte ignorieren kannst, solange sie nicht in großer Menge auftreten, sondern dass nicht an jeder winzigen Kritik etwas dran sein muss.

Ich hoffe, dieser Artikel hat dir einige Anhaltspunkte gegeben, wonach du bei deinen Testlesern fragen kannst. Meiner Meinung nach spricht auch nichts dagegen, diesen (oder einen ähnlichen) Fragenkatalog schon vor dem Lesen zu schicken, damit die Testleser eine ungefähre Idee haben, worauf sie achten sollen und auf was für eine Art von Fragen sie sich einstellen müssen.

Und vergiss nicht, dich bei deinen Testlesern zu bedanken! Sie schenken dir Stunden ihrer Zeit und das sollte auf keinen Fall eine Selbstverständlichkeit sein!

 


Hast du schon Erfahrungen mit Testlesern gemacht? Hast du bestimmte Fragen, die du immer an deine Testleser stellst?

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8 Gedanken zu „17 Fragen für deine Testleser

  1. Hey Sina,
    Vielen Dank für diesen Artikel! Ich habe schon einige zum Thema Testleserfragen gelesen, aber du greifst teilweise noch ganz andere Aspekte auf, die ziemlich hilfreich sein können und an die ich so gar nicht gedacht habe.

    Liebe Grüße!

    1. Freut mich, dass ich neue Ideen bringen konnte 🙂
      Ich versuche, die Themen, über die ich schreibe, von möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten und da ist es natürlich toll zu wissen, dass mir das auch gelungen ist! 🙂

  2. Liebe Sina,
    da sind ja wirklich interessante und gute Fragen dabei, die kann ich auch gut gebrauchen, ein paar handhabe ich auch schon so. Vielen Dank für den tollen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Yvonne 🙂

    1. Freut mich, dass sie dir gefällt!
      Ich würde dir raten, sie mit Projekt-relevanten Fragen für dich zu ergänzen. Besonders wenn du dir bei einigen Figuren oder Szenen unsicher bist. 🙂

  3. Hey Sina,
    Vielen Dank für die Fragensammlung. Ich habe noch gar nicht viel Erfahrung mit Testlesern, deswegen hat mir das schon mal eine Idee gegeben, was ich überhaupt fragen kann.
    Liebe Grüße, Aurora

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