[Worldbuilding] Realistische Namen für Stadt, Land und Fluss

realistische Namen

Beim letzten Mal hast du gelernt, wie du eine Landkarte für deine Welt malst und das möglichst realistisch [Teil 1 & Teil 2]. Aber ich habe noch nichts dazu geschrieben, wie du vorgehen solltest, wenn du deine Wälder, Städte, Seen und Berge benennen möchtest.
Realistische Namen sind ein wichtiger Teil des Worldbuildings. Sie können deine Welt ausbauen und stärken, oder Schwächen aufzeigen. In beiden Fällen ist es wichtig, sich mit den Namen auseinanderzusetzen und zu erforschen, warum die Namen diese Wirkung haben.

Realistische Namen und wie sie entstehen

Menschen sind bei der Namensgebung nicht sonderlich kreativ. Das beste Beispiel dafür sind wohl die Sahara und die Gobi, zwei Wüsten, die beide übersetzt „Wüste“ heißen. Diese Unkreativität ist sehr praktisch, weil sich so einfache Regeln für das Benennen von Orten aufstellen lassen, aber das bedeutet auch, dass deine Namen schnell langweilig und eintönig klingen können.
Aber wie werden Namen gegeben?

Ortsnamen im Speziellen können ein oder mehrere dieser Modifikationen haben:

  1. natürliches Merkmal der Umgebung, z.B. Wuppertal, Bamberg, Bielefeld etc.
  2. Funktion, z.B. Regensburg, Osnabrück, Wilhelmshaven, Potsdam, Mühlheim, Schweinfurt etc.
  3. Person, Herrscher, heilige Figur oder Eigentümer, z.B. Kaiserslautern, Marienburg, Ludwigshafen, etc.
  4. schon existierender Name aus der Umgebung, z.B. Frankfurt am Main, Fulda (= Stadt und Fluss), etc.
  5. Zusätzliche Deskriptoren, z.B. Ostsee, Neubrandenburg, Mittweida, etc.
Burg Neuschwanstein folgt mindestens drei meiner aufgestellten Regeln.

Es ist durchaus möglich, dass die Wortstämme, die ich in den Beispielstädten markiert habe, nicht den Ursprung haben, den ich behaupte, dass sie haben. Trotzdem hoffe ich, dass deutlich wird, worauf ich mit diesen Regeln hinauswill.

Mit diesen Modifikationen kannst du anfangen, deine Städte und auch alles andere zu benennen. Wie wäre es mit Friedrichshof am roten Fluss? Königsberg? Nordstatt?
Bei Nordstatt hast du es schon gesehen: Um ein wenig aus dem Schema zu brechen, kannst du die Rechtschreibung anpassen. Und mit diesem Einstieg, sind wir auch schon beim nächsten Thema:

Wie Namen sich verändern

Die Sprache und damit auch die Namen unterliegen einem ständigen Wandel. Besonders, wenn die Kultur, von der du erzählst, wenig auf schriftlichem Wege löst, können sich Ortsnamen wahnsinnig schnell verändern. Ob und wie schnell das passiert, ist abhängig von dem Alter und der Größe des Ortes, der Bedeutung des Ortes in seiner näheren und ferneren Umgebung.

Je älter und größer der Ort, desto schneller verändert sich sein Name (weil mehr Zeit und mehr Leute zum Verändern des Namens). Auch die Entfernung, die der Name getragen wird, kann ihn verändern. All das musst du bei deiner Namensänderung beachten. Ansonsten:

  1. Menschen vereinfachen komplizierte Aussprechweisen. Silben werden weggelassen oder verschmelzen.
  2. Einzelne Buchstaben werden mit ähnlichen ausgetauscht oder weggelassen, z.B. m → n, t → d oder o → u.
  3. Die Sprache entwickelt sich weiter, aber der Name bleibt gleich → Bedeutung geht verloren.
  4. Eine weitere Sprache kommt zu dem Gebiet dazu. Das kann mehrere Auswirkungen haben. Vielleicht bekommt die Stadt einen Zweitnamen in der „konkurrierenden“ Sprache, vielleicht wird nur die Aussprache an die neue Sprache angepasst oder der Name wird 1:1 in die neue Sprache übersetzt.
  5. Ähnliche klingende Namen bekommen Zusätze. Häufig werden Himmelsrichtungen, Farben oder markante Merkmale der Umgebung hinzugefügt.

Das Ganze lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen.
Beginnen wir mit einem meiner fiktiven Orte von oben: Königsberg. Das Wort ist einfach auszusprechen und kurz genug, dass keine Silben weggelassen werden müssen, aber eine Verschmelzung wäre interessant. Ich würde das -nig- streichen und wir haben Kösberg übrig. Mit der Zeit verschiebt sich das S im Sprachgebrauch und aus Kösberg wird Köschberg und schließlich Koschberg.

Du siehst, man kann diese Iterationen beliebig weiterführen. Wenn ich direkt am Anfang der Veränderung auch noch eine andere Sprache einführe, kann der Name beliebig weit von seinem Ursprung abkommen. Ein Hinweis: Im Laufe solcher Veränderungen werden Namen tendenziell kürzer.

Namen und ihre Assoziationen

Das Ausdenken und Verändern von Namen kann schnell gehen, wenn du die richtigen Strategien kennst.

Nur weil die oben genannte Methode die „normale“ Art ist, wie Namen entstehen, musst du dich nicht immer daran halten. Manchmal kann es sogar von strategischem Vorteil sein, diese Konventionen zu ignorieren und sich ganz auf die Assoziationen zu verlassen, die durch den Namen hervorgerufen werden.

Der bekannteste Wortstamm ist hier wohl mor(t), der in allerlei Namen zu finden ist wie Mordor oder Voldemort. Mit solchen Wörtern zu spielen, kann auch sehr viel Spaß machen und es macht es sehr viel leichter, Bedeutungen in deinen Namen zu verstecken. Der Nachteil ist allerdings, dass dir die „Einheitlichkeit“ aus der oberen Methode fehlt und ein einzelner Name aus solchen Wortstämmen gebaut, sehr fehl am Platze wirken kann.

Wichtig ist, falls du Wortstämme oder sogar ganze Wörter aus dem Lateinischen oder einer beliebigen anderen Sprache übernimmst, dass du sie genug veränderst, dass sie einem nicht mit ihrer Bedeutung ins Gesicht springen. Eine erstaunlich effektive Methode ist das Austauschen des ersten Buchstabes. Das beste Beispiel dafür, ist der Name Eragon aus dem gleichnamigen Buch. (Falls du es nicht kennst, es ist ein Buch über Drachenreiter.) Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Name Eragon nur einen Buchstaben von dem Wort Dragon, also Drache, entfernt ist.
Mir war es fast peinlich, dass mir das erst im letzten Buch klar geworden ist. 😀

Noch ein paar Tipps

  1. Benutze Endonyme und Exonyme. Endonym = selbstgegebener Name („Deutschland“), Exonym = fremdgegebener Name („Germany“). Diese Unterscheidung kann sehr interessant sein, wenn du zwei konkurrierende oder verfeindete Länder/Kulturen hast.
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  2. Nicht alle Namen brauchen eine Hintergrundgeschichte oder eine Bedeutung. Wenn du jeden Namen so behandelst, als wäre er der Wichtigste in deinem Buch, dann erreichst du damit nur, dass kein Name mehr heraussticht. Versuche, dich bei den Namen mit Bedeutung auf die Wichtigsten zu konzentrieren.
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  3. Deine Namen sollten unterscheidbar, wiedererkennbar und auszusprechen sein. Das ist relativ selbsterklärend. Wie sonst sollen deine Leser sonst über deine Welt reden?
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Das Wichtigste

Das Wichtigste habe ich allerdings noch gar nicht angesprochen. Wenn du wirklich willst, dass sich deine Namen anfühlen, als wären sie aus unterschiedlichen Ländern, dann solltest du auch eigene Sprachen entwickeln, bei denen du dann die oben erklärten Methoden anwendest.
Das klingt erst einmal wie eine unbewältigbare Aufgabe, aber ich habe ein wenig Erfahrung im Sprachen-Entwickeln gesammelt und werde dir in den nächsten Teilen zeigen, wie du am Besten vorgehst.

Bis nächste Woche. 🙂

 


Hast du eigene Methoden, wie du die Namen von deinen Orten benennst? Verrate sie mir in den Kommentaren!

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4 Gedanken zu „[Worldbuilding] Realistische Namen für Stadt, Land und Fluss

  1. Hey Sina,
    Wenn du das so schreibst, lässt du es so einfach klingen. Ich probiere das auf jeden Fall sofort mal aus🙈 Und das mit Eragon… das ist ja schon fast zu banal und gleichzeitig absolut genial. My mind is blown!

    1. Ne? Das war auch meine Reaktion, als mir das mit Eragon aufgefallen ist 😀

      Und das Namen ausdenken ist wirklich so einfach. Sag mir auf jeden Fall, was für Namen du kreierst 😉

  2. Irgendwie klingen die Namen alle so offensichtlich und trotzdem ist mir das irgendwie nie so wirklich bewusst gewesen…

    Ich habe meistens nach Software-Namen, bzw. Namen von Versionen geschaut und die dann irgendwie abgewandelt. Allerdings brauchte ich bisher auch erst zwei Städtenamen und sie klingen halt immer Englisch. Passt also nicht unbedingt in eine High-Fantasy Welt.

    Deswegen bin ich schon auf den Artikel zu den Sprachen gespannt. 😀

    1. Ne?! Ich glaube, dass die Namen so offensichtlich sind, fällt nur nicht auf, weil man eine gewisse Taubheit dafür entwickelt hat. Was meinst du, was das bei mir für ein Brainfuck war, als mir da so ein Muster aufgefallen ist und ich dann mal ne Deutschlandkarte rausgeholt hab, um meine Theorie zu überprüfen 😀

      Ich bereue im Moment schon ein bisschen, das mit den Sprachen angefangen zu haben. Schon vier Artikel vorbereitet und ich bin noch nicht einmal zur Hälfte durch… O_O

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