Prolog, Epilog und Rückblenden

Ich spreche hier für mich als Leser, wenn ich sage, dass mich Prolog, Epilog und Rückblenden in den meisten Büchern wenig interessiert haben. Zu meiner Schande muss ich auch zugeben, dass ich schon einige von ihnen einfach übersprungen habe, weil sie mich einfach zu sehr aus der Geschichte gerissen haben bzw. mich nicht in die Geschichte haben finden lassen.

Deswegen habe ich darüber nachgedacht: Warum ist das so? Und was würde für mich einen guten Prolog, Epilog oder Rückblende ausmachen?

Der (schlechte) Prolog

Das Wort „Prolog“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich Vorwort (πρόλογος; „pro“ = vor, „logos“ = Wort). Sehr verbreitet ist der Prolog bei Sachbüchern, wo er eine Einleitung in das Thema und hilfreichen Leitfaden liefert. Aber ich möchte über Prologe in der Fiktion, präziser der Fantasy, sprechen.
Gerade in der Fantasy haben sich Vorworte etabliert, in denen die Hintergrundgeschichte der Welt oder kommenden Ereignisse erzählt werden, bevor das Buch überhaupt angefangen hat.

Und das ist seltsam.

Das erste Kapitel
Warum scheint ein mitreißender Einstieg nur zu zählen, wenn es um das erste Kapitel geht? Warum ist der Prolog so anders?

Wer kennt nicht den Tipp, dass das erste Kapitel – oder besser noch der erste Satz – den Leser packen und direkt in die Geschichte ziehen soll. (Für meine Gedanken, was in ein erstes Kapitel gehört, klick auf das Bild.) Ist es da nicht konter-intuitiv, dass in den meisten Prologen diese Regel aus dem Fenster geworfen wird? Obwohl ein Prolog sogar noch vor dem ersten Kapitel steht?

Wenn du einen Prolog schreiben möchtest, stell dir vorher folgende Fragen:

  1. Warum muss der Leser die Informationen des Prologs jetzt wissen? Warum können sie nicht ins erste Kapitel oder später eingestreut werden? Ist es wirklich so wichtig, dass der Leser schon *jetzt* Beschied weiß?
  2. Warum kann dein Prolog nicht das erste Kapitel deines Buches sein? Die Gründe können vielfältig sein: Andere Zeit, anderer Ort oder andere Perspektive. Oder etwas ganz Anderes.
  3. Macht der Prolog dein Buch besser? Diese Frage solltest du dir übrigens bei jeder Szene stellen. Das kann zu traurigen Entscheidungen führen, aber wenn das Streichen deine Geschichte verbessert, dann solltest du streichen.

Ich will dir nicht verbieten, einen Prolog zu schreiben oder Vorwörter per se schlecht reden. (Obwohl ich sie in den meisten Fällen wirklich nicht leiden kann.) Aber auch Prologe brauchen, wie auch alle anderen Szenen in deinem Buch, einen Sinn. Und wenn du dein Buch stärken kannst, indem du deinen Prolog streichst, dann solltest du es tun.

Der (überflüssige) Epilog

Epiloge werden leider oft dafür benutzt, um der ganzen Geschichte eine hübsche Schleife zu verpassen und für alles einen sauberen Abschluss zu finden. Ich denke hier an Beispiele wie der Epilog im letzten Harry Potter Buch (Ich sage nur „And all was well.“), den viele Leute unnötig bis schrecklich fanden.

Du musst nicht alle Handlungsstränge abschließen. Auch offene enden haben ihren Reiz.

Ich finde zwar, dass Epiloge oft besser funktionieren als Prologe, aber auch sie haben ihre Schwierigkeiten.

Epilog kommt auch aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich Nachwort (επίλογος; epi = danach, logos = Wort). Es ist dazu da, offen gebliebene Fragen zu beantworten oder eine die Moral der Geschichte darzulegen. Aber ich finde, damit verspielt man die Möglichkeiten eines Epiloges.

Der Epilog ist das Letzte, was dein Leser von deinem Buch sieht. Er ist das, was ihm am besten im Gedächtnis bleiben wird. Es ist deine einmalige Gelgenheit, dein Buch emotional zusammenzufassen. Deine Geschichte sollte mit dem letzten Kapitel beendet sein, aber ein Epilog kann dem ganzen noch einmal den letzten Schliff verpassen. Worum ging es in deinem Buch emotional? Wie soll sich dein Leser idealerweise am Ende fühlen? Traurig, glücklich, hoffnungsvoll oder entsetzt? Das kannst du an deinen Figuren wiederspiegeln. Ein Epilog kann dir dabei helfen, deine Leser nicht in einen freien Fall der Gefühle zu versetzen. (Außer, das ist dein Ziel, dann go for it.) Ein inhaltlicher Abschluss gehört für mich nicht unbedingt in einen Epilog.

Warum Rückblenden?

Wenn ich zwischen Prolog, Epilog und Rückblenden wählen müsste, dann finde ich Rückblenden wohl am Schlimmsten. Und damit meine ich nicht unbedingt, wenn Figuren von ihrer Vergangenheit erzählen, sondern wenn man in einem Buch für ganze Kapitel (!!) in die Vergangenheit geschickt wird und damit für kurze Zeit ein neuer Erzählstrang eröffnet wird.

Warum mag ich Rückblenden nicht?

  1. Sie unterbrechen die aktuelle Geschichte. Besonders, wenn der Erzählstrang gerade spannend ist, frustriert mich nichts mehr als eine schlecht gesetzte Rückblende.
  2. Meistens lässt sich schon vorher aus dem Kontext erschließen, was grob passiert. Wer stirbt oder nicht stirbt, wie sich der Konflikt austrägt etc. Das heißt die Spannung ist auch raus.
  3. Sie tragen selten etwas Gutes zu der Geschichte bei. Wenn es wegen oben genannten Gründen nicht mehr spannend ist und keine neuen Informationen bringt, dann tragen sie auch nichts zur Geschichte bei.
  4. Die (wenigen) Informationen aus der Rückblende lassen sich oft eleganter einbinden. Es fühlt sich an wie Infodump. Und Infodump gilt es um jeden Preis zu vermeiden.
  5. Es fühlt sich an, als hätte der Autor die Geschichte nicht gut genug geplant.

Prolog, Epilog und Rückblenden richtig machen

Naja, die Überschrift „Prolog, Epilog und Rückblenden richtig machen“ ist trügerisch, denn ein definitives richtig oder falsch gibt es beim Schreiben oft nicht. Du musst von Situation zu Situation abwägen und dich entsprechend entscheiden.

Womit ich bei diesem Artikel eigentlich hinauswollte ist Folgendes: Wenn du dich dafür entscheidest einen Prolog, Epilog oder eine Rückblende zu schreiben, dann tu es, weil du darüber nachgedacht hast und diese Entscheidung die beste Lösung ist. Nicht, weil es gerade in Mode ist.

 


Wie stehst du zu Prologen, Epilogen und Rückblenden? Liest du sie gerne oder könnten sie wegbleiben? Schreibst du sie gerne?

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14 Gedanken zu „Prolog, Epilog und Rückblenden

  1. Interessanter Artikel und mit den Rückblenden stimme ich dir voll und ganz zu!
    Bei mir kommt es bei Prologen immer drauf an. Ich habe sie glaube ich erst einmal drin und da ist er essentiell für den Beginn des Buches. Es werden nämlich Todesfälle von den Protas beschrieben mit Datum und Uhrzeit und die ersten Kapitel fangen dann alle mit Datum und Uhrzeit an. So kann ich immense Spannung beim Leser aufbauen, weil er mehr weiß, als der Prota und die Uhr dann tickt, wie bei einem Krimi, wo die Zeit davon läuft. Ansonsten habe ich aber auch schon Prologe von Unfällen gelesen, wo ich mich schwer mit tat, weil man einfach noch nicht mitfühlt mit Person xy. Allerdings ging der Prolog da dann nicht nur eine Seite, sondern tatsächlich glaube 10 Seiten oder so, da hat mich der Unfall dann einfach nicht mitgenommen. Bei dem Buch fing dann das erste Kapitel auch ein paar Tage vorher an.

    1. Ich glaube, dass ich Prologe so ungerne mag, ist vor allem eine subjektive Wahrnehmung 😀
      Mir gefällt aber deine Idee mit dem Datum und Todeszeitpunkt im Prolog und dass dann die Kapitel mit Datum und Uhrzeit anfangen!! Das hört sich sehr spannend an!

  2. Hey Sina,
    spannender Artikel! Ich muss zugeben, ich bin ein großer Freund von Epilogen, sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben. Allerdings gibts da natürlich auch welche die mir besser gefallen. 😀
    Prologe hingegen finde ich auch schwierig. Die können auch toll sein, aber mir ist es auch schon passiert, dass ich einen super langweiligen und überflüssigen Prolog geschriebenen habe. Der wurde dann selbstverständlich gelöscht. 😀
    Bei Rückblenden stimme ich dir absolut zu. Gegen kurze Erinnerungsteile habe ich nichts, aber komplette Rückblende-Kapitel sind meistens zu viel.

    Liebe Grüße!

    1. Genau, kurze Erinnerungsteile bei Rückblenden finde ich auch in Ordnung solange die „richtige“ Geschichte nicht allzu lange in den Hintergrund rückt.

      Und ich muss auch zugeben: Epiloge finde ich von diesen 3 genannten Dingen am wenigsten schlimm 😉

  3. Hallo,

    ich mag keins von diesen dreien besonders gerne. Dann schon lieber ein richtiges Nachwort vom Autor, in dem nochmal kurz ein paar Hintergründe zum Buch erklärt werden.

    Aber Prologe können auch wirklich toll sein. Grade als quasi Rückblende, wenn sie etwas erzählen was lange vor der eigentlichen Handlung des Buches passiert, aber für diese wichtig ist. In Ein gutes Omen (Terry Pratchett, Neil Gaiman) ist das z.B. wunderbar umgesetzt, da wird im Prolog die Verbannung der Menschen aus dem Garten Eden beschrieben. Die eigentliche Handlung setzt erst so ein paar tausend Jahre später ein, pünktlich zur Apokalypse.

    Viele Grüße,
    Lena

    1. Mir sind „richtige“ Nachworte vom Autor auch 100x lieber!
      Das heißt natürlich nicht, dass man Prolog, Epilog und Rückblenden nicht gut machen kann, aber naja die meisten haben mir bisher nicht gefallen 😀

  4. Total spannender Artikel, sehr mehrwertig. Ich kann mich da nicht ganz einordnen, finde aber durchaus dass es sehr wenig sinnvolle Pro- und Epiloge gibt. Ab und an können sie aber auch sehr hilfreich und passend sein.

    Herzliche Grüße,
    Zeilentänzerin

    1. Genau. Ausnahmen bestätigen bekanntlicherweise die Regel. 😉
      Meistens kann man aber die Informationen aus Pro- und Epilogen anders sinnvoll einbauen.

  5. Mit Rückblenden tue ich mich ab und an auch schwer, vor allem dann wenn sie wie du schon geschrieben hast, einen regelrecht aus der Geschichte rausreißen. Dann kann ich damit wenig anfangen und fühle mich da gestört. Sind sie aber logisch für die Handlung und der Übergang von der Gegenwart in die Vergangenheit flüssig, dann habe ich wiederum damit kein Problem.

    Epiloge begegnen mir ehrlich gesagt noch recht selten, vielleicht lese ich da die falschen Bücher xD. Prologe stören mich jetzt eher weniger, auch wenn ich bei Harry Potter das ganze ebenfalls nicht gut fand, habe ich doch Rowlings Beweggründe verstanden. Sie wollte damit ja eigentlich verhindern, dass Harrys Geschichte irgendwie weitergeführt wird. Durch das Musical ist das nun eigentlich totaler Quatsch, denn es geht ja weiter. Somit hätte man sich das vielleicht auch sparen können.

    Lg Nicole
    #litnetzwerk

    1. Ja, es kommt natürlich immer darauf an, wie das ganze aufgezogen ist. Rückblenden, Epiloge und Prologe können funktionieren, tun sie aber leider nicht oft (zumindest in meiner Erfahrung) 😉

  6. Ich finde, dass gerade ein Epilog, der offen gebliebene Fragen klären soll überflüssig ist. Gerade die offenen Fragen regen zur Diskussion an, und man beschäftigt sich noch einmal intensiver mit dem erzähltem. Ein Epilog erstickt jede Diskussion direkt im Keim, da es ja keine Fragen gibt und ein Gespräch in der Form „Die Stelle fand ich auch besonders toll“ „Ja, ich auch“ wird doch sehr schnell langweilig.

  7. Interessanter Beitrag, ich sehe das auch so. Prologe mag ich selten, meist ist man einfach nur verwirrt. Ich denke, der Sinn dahinter ist, dass man direkt in eine spannende Szene geworfen wird, aber mich interessiert das alles nicht, wenn ich die Charaktere nicht vorher kennengelernt habe. Oft kann ich die Szene später nicht mal richtig in die Geschichte einordnen. Einen Prolog würde ich also auch nur dann schreiben, wenn er notwendig ist.
    Rückblenden langweilen mich auch oft eher, als dass ich sie gerne lese. Bei Epilogen bin ich mir unschlüssig, ich mag meistens diesen Abschluss am Ende, aber das muss eben auch richtig gemacht werden. Wenn am Ende noch mal betont wird, dass alles perfekt ist, finde ich das unrealistisch.

    1. Ich bin genau deiner Meinung! Prologe sind mir meistens einfach zu weit entfernt von der Geschichte oder nicht schnell genug relevant. Die Informationen, die man da also bekommt kann man auch anders übermitteln.
      Bei Epilogen bin ich auch noch am unschlüssigsten. Sie können gut sein, sind es aber leider (s. J.K. Rowling „And all was well.“) oft nicht.

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