Deine Figuren und ihre Ziele – Was bedeuten sie für deine Geschichte?

Deine Figuren und ihre Ziele

Ein einfacher Weg, deine Figuren zu charakterisieren und gleichzeitig deine Geschichte ins Laufen zu bringen, sind klare Ziele. Trotzdem bekommt sie nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen und das möchte ich mit dem folgenden Artikel ändern.

Warum brauchen deine Figuren Ziele?

Hier möchte ich mich auf die, meiner Meinung nach, wichtigsten drei Gründe beschränken, aber ich bin mir sicher, dass es zahllose mehr gibt.

Ein Ziel definiert deine Figur sowohl direkt als auch indirekt. Es kann etwas über den sozialen Stand, die moralischen Vorstellungen und den Charakter deiner Figur preisgeben. Eine Figur, die sich nichts anderes wünscht, als für ihre Familie und Freunde zu sorgen, kann man direkt als selbstlos charakterisieren. Aber man kann auch ableiten, dass sie wahrscheinlich von einem niedrigen sozialen Stand ist. Eine andere Figur hingegen, die sich wünscht die Spitze der Karriereleiter zu erreichen, ist wahrscheinlich ehrgeizig, möglicherweise rücksichtlos im Bezug auf andere und wahrscheinlich von mittlerem bis hohem sozialen Stand.
Du siehst also, allein durch das Ziel kann man schon einen guten ersten Einblick in das Innenleben deiner Figuren bekommen.

Ein verständliches Ziel macht es deinem Leser einfach, sich mit deiner Figur zu identifizieren. Das ist besonders in der Fantasy oder SciFi wichtig. Wenn sich dein Leser in einer fremden Welt befindet, braucht er etwas, an dem er sich orientieren kann und da hilft ein nachvollziehbares Ziel deiner Figur. Die Welt mag noch so seltsam sein, aber wenn sich deine Figur nach Liebe und Geborgenheit sehnt, dann wird die Geschichte sofort klarer.
Aber auch in Geschichten, die in unserer Welt spielen, aber von Schicksalen handeln, die der „Normalmensch“ nicht erlebt hat, kann ein verständliches Ziel einen Ankerpunkt bilden.

Ein Ziel hilft dir, deine Geschichte zu strukturieren. Manchmal verliert man im Laufe des Schreibens, den Kern seiner Geschichte aus den Augen. Da hilft es, sich die Ziele der Figuren noch einmal vor Augen zu führen. Haben deine Figuren alles erreicht, was sie wollten? (Oder gelernt, dass sie gar nicht brauchten, was sie erreichen wollten?) Wenn nein, was fehlt noch, um das Ziel zu erreichen? Wenn ja, haben sie ein neues Ziel?
Das Ziel ist gleichbedeutend mit der Motivation der Figuren und wenn du dir nicht sicher bist, wie sich eine deiner Figuren in einer bestimmten Szene verhalten würde, denk noch einmal über ihre Ziele nach.

5 Fragen zu einem guten Ziel:

Jetzt habe ich viel über Ziele gesprochen und darüber, warum sie so toll sind, aber wie schafft man es zu einem guten Ziel? Dazu habe ich fünf Fragen zusammengestellt, die du dir beantworten kannst und damit hoffentlich zu einem geeigneten Ziel findest.

  1. Warum ist deine Figur nicht restlos zufrieden?
    Das ist eine der ersten Fragen, die du dir stellen solltest. Gute Geschichten entstehen aus Figuren, die mit ihrer Situation nicht zufrieden sind und etwas daran ändern wollen.
  2. Was würde deine Figur glücklich machen?
    Das Interessante ist, dass diese Frage sich nicht immer mit der Antwort aus der ersten Frage überschneidet. Und es ist ein guter Ansatzpunkt, um mehrere Ziele für deine Figur zu entwickeln. Wenn deine Antworten zu Frage 1 und 2 ähnlich sind, versuch doch einmal ein bisschen tiefer zu graben und herauszufinden, ob sich in deiner Figur noch ein zweites (oder drittes) Ziel versteckt.
  3. Was müsste deine Figur tun, um ihr Ziel zu erreichen?
    Die Antwort auf diese Frage, sollte sich mehr oder weniger mit deinem Plot decken. Denn der Plot ist nichts anderes als das Erreichen (oder nicht Erreichen) des Zieles deiner Protagonisten.
    Wenn sich der Weg zum Ziel und dein Plot sehr stark voneinander unterscheiden, solltest du noch einmal schauen, ob dieser Protagonist wirklich zu der Geschichte passt oder nicht. Im Zweifel rate ich dazu, dir eine zweite Meinung einzuholen und dementsprechend zu entscheiden.
  4. Was hält deine Figur bisher davon ab, ihr Ziel zu verfolgen?
    Diese Frage stellt sicher, dass die Motivation deiner Figur auch Substanz hat. Denn wenn das Ziel deiner Figur ist, sich einen Hund zu holen und ihr nichts im Weg steht, gibt es keinen Grund, warum sie das Ziel nicht schon längst verfolgt hat.
    In unserem Beispiel könnte eine Hundeallergie im Weg stehen oder der Vermieter erlaubt keine Tiere im Haus. Schon hast du ein Ziel (wenn auch keines, das ein Buch füllen könnte) und eine Idee, worauf deine Geschichte hinauslaufen könnte.
  5. Was müsste passieren, damit deine Figur anfängt ihr Ziel zu verfolgen?
    Im Grunde fragst du hier nach dem Inciting Incident. Also: Was bringt deine Geschichte ins rollen und das metaphorische Fass zu überlaufen?

Hast du Antworten auf all diese Fragen gefunden, hast du im Grunde schon deine gesamte Geschichte (in ihren Grundzügen) zusammengefasst. Lustig wie einfach das geht, oder?

Ein Wort zum Abschluss

Ein guter Weg verschiedene Ziele für deine Figur zu finden, ist die Unterscheidung nach externen und internen Zielen. Ein externes Ziel wäre zum Beispiel der Wunsch nach einem festen und sicheren Zuhause, der Wunsch nach Essen auf dem Tisch und der Wunsch nach Sicherheit.
Ein internes Ziel wäre der Wunsch nach Anerkennung, Selbstverwirklichung oder Selbstverbesserung.

Doch egal, für welches Ziel du dich letztendlich entscheidest: Das Wichtigste ist es, dass deine Figuren sie konsequent verfolgen.

 


Wenn du neben den Zielen deiner Figur noch andere Wege suchst, sie zu charakterisieren, dann klick doch hier.

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