Golems – Die richtigen Waffen

Golems

Wir haben schon über Riesen, Orks und andere große Fantasy-Kreaturen und ihre Waffen geredet und heute wenden wir uns einem weiteren großen Wesen zu, das einen festen Platz in der fantastischen Literatur eingenommen hat (unter anderem in der Scheibenwelt von Terry Pratchett):

Ein Golem in Zahlen
.Kraft..♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ..
.Geschwindigkeit.♦ ♦ ♦
.Größe..♦ ♦ ♦ ♦
.Intelligenz..

Dem Golem.

Traditionelle Darstellung

Der Golem entspringt einer jüdischen Sage und wird beschrieben als riesiger Mann aus Lehm (sagen wir 3 – 4 m, um einen Anhaltspunkt zu haben), der unsagbare Kraft besitzt und die Aufträge seines Herren ohne Fragen ausführt.
Um einen Golem zu beherrschen muss man ihm einen Zettel unter die Zunge legen. Was auf diesem Zettel steht, ist von Geschichte zu Geschichte anders, doch meistens handelt es sich um den Namen des Meisters (wenn die Geschichte ohne religiöse Anklänge auskommen möchte) oder den Namen Gottes.

Golems werden normalerweise ohne Waffen dargestellt, da sie erschaffen wurden, um einfache Arbeiten zu erledigen und ursprünglich nicht als ein Kampfinstrumente gedacht waren.

Rabbi Löw und der Golem (Zeichnung von Mikoláš Aleš, 1899)

Eine interessante Besonderheit des Golems: Er verfügt über keinen Eigenantrieb, ist komplett emotionslos und verfügt über keinen Willen zu leben. Er ist seinem Meister komplett erlegen und befolgt seine Befehle, bis ihm die Schriftrolle unter der Zunge entfernt wird (angeblich befolgt er die Befehle seines Meisters auch dann noch, wenn dieser schon lange verstorben ist).

Nahkampfwaffen

Mein kleines Nerdherz schlägt ein bisschen höher, während ich das hier tippe, aber ein Golem ist wahrscheinlich die erste und einzige Fantasy-Kreatur, die mit Schwertern in Anime-Größe herumlaufen kann. (Und ja, ich denke dabei an Cloud aus Final Fantasy und sein Buster Sword.)

Ein kleiner Exkurs:

Der Grund, warum solche riesigen Schwerter bei Menschen nicht umsetzbar wären, ist das Gewicht. Die Kraft die nötig wäre, das Schwert zu halten, zu beschleunigen und wieder anzuhalten, ist unvorstellbar.
Ein normales Schwert wiegt 1 – 2 kg (Einhänder) bzw. 2 – 3,5 kg (Zweihänder), was bei einer 80 kg Person 1,25 – 4,4 % des eigenen Körpergewichts entspricht. Man at Arms auf YouTube hat das Buster Sword aus Aluminium nachgebaut und es hat nach eigenen Angaben zwischen 75 – 80 lbs (~ 35 kg) gewogen.
Nehmen wir also an, dass man ein Schwert gut führen kann, solange es maximal 4,4% des eigenen Körpergewichts wiegt.

In diesem Absatz folgt meine Rechnung (die man, falls gewünscht überspringen kann, dann einfach im nächsten Absatz weiterlesen):
Ein durchschnittlicher Mensch hat ein Volumen von ca 0,075 m³. Ein Golem von 4 m Höhe, der aufgrund dieser Höhe natürlich auch um einiges breiter gebaut sein muss als der durchschnittliche Mensch, hat gut und gerne ein Volumen von 2 x 3 x 0,075 m³ = 0,45 m³ (mal zwei für die doppelte Größe und mal drei für den deutlich breiteren Körperbau). Lehm hat eine Dichte von 2,1 t/m³. Dann wiegt ein Golem etwa 945 kg.

Bei einem Gewicht von 945 kg entsprechen 35 kg Schwert einem relativen Anteil von 3,7%. Das bedeutet, dass ein Golem ein Anime-Schwert so effektiv benutzen kann, wie ein Mensch einen normalen Zweihänder. Dazu kommt, dass ein Golem nicht ermüden kann.

Cloud mit seinem Buster Sword aus Final Fantasy VII. © Sony Computer Entertainment (1997)

Weil der Meister des Golems auch für seine Bewaffnung sorgen würde, könnte ich mich auch andere Waffen vorstellen, wie riesige Hellebarden, gigantische Kriegshämmer … man könnte Golems als autonome und quasi unzerstörbare Belagerungswaffen benutzen.

Fernkampfwaffen

Wie bei allen größeren und stärkeren Wesen bietet sich auch bei Golems der Bogen an, der von der erhöhten Kraft der Golems profitiert.
Doch gerade weil es sich bei Golems um nicht-lebende Maschinen handelt, wäre es eine Schande, sie in Sicherheit und außer Reichweite der Gegner zu lassen, wenn sie in einem Nahkampf als unzerstörbare Riesen viel effektiver wären. Ich würde es für sinnvoller halten sie mit einem Satz Wurfspeeren auszustatten, die sie im Näherkommen auf die Angreifer werfen können, bis sie in Reichweite sind, um ihre Schwerter zu benutzen.
Auf diese Weise ließen sich menschliche Opfer (auf der eigenen Seite) minimieren. Die Golem wären quasi die Real-Life Version des „Tanks“, den es in vielen Video- und Rollenspielen gibt.

Fernkampfwaffen würde ich ihnen also (mit Ausnahme der Wurfspeere) nicht geben. Allerdings auch nur, weil ihre Fähigkeiten im Nahkampf besser zu gebrauchen sind.

Rüstungen

Golems fühlen keinen Schmerz, sie können nicht bluten und sie haben keine Knochen oder inneren Organe, die bei einem Angriff zerstört werden könnten. Was bei einem Golem beschützt werden muss, ist der Mund, genauer gesagt, die Zunge, wo sich der Zettel befindet, mit dem der Golem kontrolliert wird.

Ich stelle mir eine Art Käfig um den gesamten Kopf vor, der mit engmaschigem Draht verschlossen ist, vielleicht einer früheren Version von Stachel- oder Klingendraht. Darunter als zusätzlicher Schutz eine Maske aus massivem Metall (würde super funktionieren, weil ein Golem nicht atmen muss). Halsabwärts wäre eine Rüstung mit nach unten weisenden Stacheln sinnvoll, die Menschen davon abhalten würde, an ihm hinaufzuklettern.

Eine Rüstung zum Schutz vor eigenen Verletzungen halte ich für unnötig, denn die Zeit und Kraft, die es kosten würde, massiven Lehm zu beschädigen, würde die Zeit einer kämpferischen Auseinandersetzung weit überschreiten. Jegliche Rüstung wäre also dazu da, zu verhindern, dass jemand den Zettel aus dem Mund des Golems entfernt.

Meine Vision für Golems:

Zeichnung von Leander Aurel Taubner (zu finden auf lat-design.de und leandersfeinelinie.com)

 


Was hältst du von Golems? Ich bin auf einmal sehr begeistert von ihnen und den Möglichkeiten, die sich mit ihnen auftun. Super spannend und absolut furchterregend, wenn man ihnen gegenüber stehen sollte.

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4 Gedanken zu „Golems – Die richtigen Waffen

  1. Awesome! Richtig cool, der Part zu dem Schwert! Wobei ich die Stachelrüstung noch viel kreativer und beeindruckender finde!
    Allerdings hätte der Helm glaube ich den Nachteil, dass man dem Golem keine neuen Befehle geben kann. Wobei wahrscheinlich “vernichte die gegnerische Armee“ ausreichen würde. Kommt vielleicht auch darauf an, wie taktisch man Golems einsetzen möchte.

    1. Ich bin auch ein bisschen verliebt in die Golems 😀 Da kann man einfach voll seine Kreativität in dem Design der Rüstung rauslassen!
      Und du hast Recht, richtig taktisch wird man Golems nicht einsetzen können (weil man dann daneben stehen muss), aber „Vernichte die Armee x“ oder „Reiß die Burgmauern nieder“ wohl für den Anfang ausreichend ist 😛

      1. Je nachdem welche Komplexität man bei den Befehlen zulässt, könnte man sich einen Golem doch auch wie einen Computer vorstellen, dem man ein Programm übergibt. Dann wäre taktischer Einsatz vlt doch möglich. Allerdings wird es irgendwann auch unmöglich, mehrere tausend zeilen “Code“ dem Golem in dem Mund zu stopfen. Wobei ein Golem mit von Papier vollgestopften Mund auf dem Schlachtfeld bestimmt erst einmal witzig aussehe.

        1. Der Befehl wird ihm nicht in den Mund gegeben, da ist nur der Name des Meisters (oder der Name Gottes), um ihn am Leben zu halten. Alle Befehle sind verbal und werden nur von dem Meister angenommen.
          Also, wenn du dich in der Lage fühlst dem Code vorzusprechen, dann werde ich dich nicht aufhalten und mich absolut kranklachen, wenn du auf Bugs stößt 😀

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