Das Litcamp Bonn 2018 – Ein Rückblick

Am Samstag (28.04.2018) fand zum zweiten Mal das Litcamp Bonn statt und ich war mal wieder dabei.

Was ist das Litcamp?
Das Litcamp ist ein Treffen von ähnlich gesinnten, in diesem Fall Literatur-Interessierten, bei dem sich (anders als bei anderen Messen und Conventions) die Teilnehmer selbst um die Gestaltung der Sessions und Workshops kümmern und diese auch selbst halten.
Das führt zu einem sehr offenen und entspannten Austausch, bei dem jeder Teilnehmer sein Wissen und seine Erfahrung teilen kann.

Weil es so viele verschiedene Sessions gab (bis zu sieben zur selben Zeit) möchte ich diesen Rückblick nutzen, um die Sessions vorzustellen, die ich besucht habe. So kann jeder nachlesen, was er/sie möglicherweise verpasst hat.

 

Session 1: Schreibplanung und Schreibroutine

Die Session wurde gehalten von Janine (Twitter: @JAMOKA_Writing) und es ging, wie der Titel schon vermuten lässt, um die Erstellung und Einhaltung von einer Schreibroutine.
Zuerst sollten wir uns darüber Gedanken machen, warum wir überhaupt eine Schreibroutine brauchen und da haben viele sehr ähnlich geantwortet.

  • Janine stellt die 10 Schritte zu einem effektiven Schreibzeitplan vor.

    Um regelmäßig produktiv zu schreiben

  • Um Deadlines einzuhalten
  • Um ein ernsthaftes Arbeitsgefühl zu entwickeln
  • Um einen besseren Fluss zu haben und kreativer zu sein
  • Und und und

Leider konnte uns Janine kein Allheilmittel für das Einhalten der Schreibroutine geben, aber sie hat uns einen schönen 10 Schritte Plan vorgestellt, der bei der Umsetzung helfen kann.

Außerdem sollten wir uns klar machen, was wir für eine Umgebung beim Schreiben brauchen. Ob organisiertes Chaos oder absolute Ordnung, Musik oder Ruhe, oder eben ein bisschen von allem. Denn nichts ist schlimmer, als sich zum Schreiben hinzusetzen und stattdessen aufzuräumen und so zu prokrastinieren. Aber besonders wichtig ist:

„Schreibzeit heißt nicht immer nur Schreiben, sondern auch Recherchieren und Überarbeiten.“

Sich ein schlechtes Gewissen zu machen, nur weil der Wordcount nicht hochgeht, ist also sinnfrei.

 

Session 2: Kommunikationspsychologie für Autoren

Die Session von Julia (Twitter: @tintenkrieg) versprach, dass sie eine Methode zeigen würde, wie Dialoge und Konflikte ganz einfach von der Hand gehen würden. Julia stellte uns das „4-Seiten-einer-Nachricht-Modell“ von Schulz von Thun vor, das im Grunde besagt, dass jede Nachricht vier Seiten hat: Den Sachinhalt, den Appell, die Beziehung der Sprechenden und die Selbstoffenbarung.

Die vier Seiten einer Nachricht.

Da man jede Nachricht auf vier verschiedene Arten meinen bzw. verstehen kann, ergibt sich also eine Menge Raum für Missverständnisse und Konflikte.

Leider hörte der inhaltliche Teil der Session an dieser Stelle bereits auf. Wir machten noch eine Art Rollenspiel, in der sich zwei Teilnehmer in einem freundschaftlichen Streitgespräch unterhalten sollten, während Julia ansagte, auf welcher der vier Ebenen sie sich befinden sollten, doch das Gespräch geriet immer wieder ins Stocken, weil nicht klar wurde, ob sich die Anweisung auf das Hören, das Sagen oder Beides beziehen sollte.

Insgesamt hat es mir bei dieser Session an tiefergehenden Gedanken und anwendungsbezogenen Hinweisen gefehlt. Jedem, der sich ein wenig mit dem Schreiben auseinandergesetzt hat, ist klar, dass man nicht immer genau das sagt, was man meint. (Zum Beispiel: „Es ist warm hier.“ = „Mach doch bitte das Fenster auf.“) Und die Tipps, die Julia uns gegeben hat, z.B. die Ebene, auf der das Gesagte verstanden wird, auszuwürfeln, halte ich in vielen Fällen für kaum anwendbar.

Diese Session hat mich ein wenig enttäuscht.

 

Session 3: Autoren unter Druck – Bücher schreiben und trotzdem gesund bleiben.

Als Jungautorin hat mich diese Session von Melanie (von Siegerlandkrimis) besonders gereizt, denn sollte es einmal zu meinem Beruf werden professionell zu schreiben, dann möchte ich natürlich auch sicher gehen, dass ich dabei so gesund wie nur möglich bleibe.

Melanie hat die Session damit begonnen mögliche körperliche und psychische Herausforderungen für Schriftsteller vorzustellen. Dazu zählten unter anderem das lange Sitzen und die einseitige Belastung des Körpers, aber auch die öffentliche Bewertung, geringes Einkommen und der simple Fakt, dass die Arbeit oft nicht ernst genommen wird.

„Wenn das Buch gut läuft, hat der Verlag gute Arbeit geleistet [nicht der Autor], wenn das Buch nicht gut läuft, hat man ein schlechtes Buch geschrieben.“

Melanie erläutert die körperlichen Herausforderungen des Autorendaseins

Sie hat die psychischen Auswirkungen erläutert, mit denen man zu kämpfen haben kann, von Gereiztheit und Stimungsschwankungen bis hin zu Zukunftsängsten, Depressionen und Burnout. Das Leben als Autor ist definitiv kein Zuckerschlecken.

„Du bist ja eh den ganzen Tag zu Hause, du hast ja Zeit.“

Gegen Ende gab es eine kleine interaktive Runde, in der wir Lösungsansätze vorschlagen konnten. Und gerade dieses Ende hat bei mir keinen Anklang gefunden. Die Session versprach eigene Gedanken und Lösungen, aber die mussten wir uns dann selbst ausdenken…
Deswegen fühlte sich die Session im Nachhinein so an, als hätten wir alle nur eine Runde Mitleid sammeln wollen. Schade.

„Eine der wichtigsten Tugenden des Autors ist Geduld und selbst die wird überstrapaziert.“

Beate erläutert, wie man eine Schreibblockade überwindet.

Session 4: Nie wieder Schreibblockade

Kommen wir zu meinem Highlight des Litcamps: Der vierten Session des Tages, die versprach, den Teilnehmer von jeglicher Schreibblockade zu befreien. Ein großes Versprechen.

Beate Fuhrmann begann den Workshop mit einem eigenen Text, der sehr humorvoll das Prokrastinieren vor dem Schreiben auf die Schippe nahm. Nach dieser kleinen Einführung erklärte sie uns die Säulen des kreativen Schreibens (Selbstausdruck, Freiheit und Spiel mit der Sprache) und wir gingen schnell dazu über uns an einigen Schreibübungen zu versuchen.

Hier möchte ich beispielhaft eine davon vorstellen: Die Aufgabe war es in 5 Minuten das Hier und Jetzt zu beschreiben. Eine Art lockeren Gedankenfluss. Das wichtigste dabei sollte sein, dass wir niemals den Stift absetzen durften, auch wenn wir nur sinnlose Kringel malen würden, es sei wichtig, im „Schreibmodus“ zu bleiben. Das ist mein Ergebnis (vollkommen unbearbeitet):

Mit trägen Augenschlägen lausche ich dem Rauschen der Autos. Irgendwo spielen Kinder, aber hier im Raum, im Zimmer, ist es still. Stifte eilen hastig über das Papier, schreiben die Worte nieder, wie es denn ist im Hier und Jetzt.

Der Blick nach außen verspricht Ruhe, der Blick nach innen … ja, was eigentlich? Ich bin müde, die Tage waren lang, aber ich bin wach, ich möchte lernen, mich verbessern, mich … … vor allem erst einmal tief durchatmen, um so ruhig zu werden wie das Zimmer.

In anderen Übungen sollten wir Wörter und Eindrücke in Listen sammeln, aufschreiben, was wir hassen oder lieben und Satzanfänge vervollständigen. Und obwohl ich am Anfang sehr skeptisch war muss ich zugeben: Mit diesen Übungen bin ich nicht ein einziges Mal ins Stocken gekommen.
Zwar bin ich nicht ganz überzeugt ob und wie sich diese Übungen auf längere Projekte, wie Bücher übertragen lassen, aber es war eine echt schöne Erfahrung und hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

„Schreiben ist beobachten und aufzeichnen. Nicht ausdenken.“

 

Session 5: Happy Writer’s Moments

Zu dieser Session gibt es nicht viel zu sagen. Oliver (Twitter und Blog) hat eine Gruppe von Leuten gesammelt, die sich gegenseitig ihre Highlights des Lebens als Schreiberlinge erzählt haben. Hier gab es zwar nichts zu lernen, aber es war ein absoluter Feel-Good-Abschluss, für einen ansonsten doch ziemlich anstrengenden Tag. 🙂

 

Die Menschen

Nicht unerwähnt lassen möchte ich all die Menschen, die ich dort getroffen habe und kennen gelernt habe.
Da war natürlich Katharina (@keks_mond), die ich schon auf der Frankfurter Buchmesse getroffen habe und dann gab es noch so viele mehr. Mit dabei waren Cathy (@Mlle_Facette), Tanja (@TanjaHanika), Sam (@sajeGezwitscher), Elena (@AllMeineTräume), Rike (@RikeRandom), Christin (@Kaisu_schreibt), Stephanie (@kleiner_Komet_) und Jessica (@jessatnisu) und bestimmt noch ganz viele mehr, die ich jetzt spontan vergessen habe.

Es hat richtig Spaß gemacht mit euch und ich freue mich schon auf das nächste Mal! <3

 

Andere Erfahrungen

Mein erstes Barcamp – #Litcampbn18 von Erika

Mein Besuch beim #LitcampBN18 von Frank

LiteraturCamp Bonn 2018 von Stephanie

Das LitCamp Bonn 2018 – Meine Eindrücke von Cathy

Literaturbarcamp in Bonn 2018 von Silvia

Mein Besuch beim LitCamp Bonn 2018 von Isabel

LitCamp Bonn 2018 – Schön war’s von Ann-Kristin und Corinna

LitCamp in Bonn 2018 von Christin

 


Warst du auch beim Litcamp? Welche Sessions hast du so besucht?
Wenn du auch einen Artikel über das Litcamp geschrieben, dann schick mir doch einfach den Link, dann verlinke ich dich gerne in meinem Artikel 🙂

Das Beitragsbild ist übrigens von Staphanie (@kleiner_Komet_).

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8 Gedanken zu „Das Litcamp Bonn 2018 – Ein Rückblick

  1. Tolle Zusammenfassung. So kriegt man auch noch mal einen Einblick in die Sessions bei denen man nicht dabei sein konnte. 🙂

    Und ich fand es auch ganz toll, dich endlich mal persönlich kennenzulernen! <3

      1. Auf der LitBlogCon nur, falls ich noch unerwarteterweise ein ticket bekomme. Die Buchmesse in Frankfurt werde ich dieses Jahr aber wegen meiner Hochzeit nicht schaffen. 😉

        1. Ach schade, aber das ist wohl der beste Grund die Buchmesse ausfallen zu lassen 😉 Herzlichen Glückwunsch <3

          Ich drücke dir noch ganz fest die Daumen für ein spontanes Ticket auf die LitBlogCon!!

  2. Vielen Dank, dass du so detailliert über die einzelnen Sessions geschrieben hast. Da bekommt man echt Lust, auch mal an so einem LitCamp teilzunehmen. <3

  3. Hallo Sina,
    lleider habe ich dich an dem Tag nur von weitem gesehen. Wir hatten keine Session gemeinsam.
    Doch durch deinen schönen Rückblick habe ich jetzt auch eine Ahnung, von einigen die ich verpasst habe.
    Alles Gute
    Silvia

    1. Freut mich, dass dir mein Rückblick gefallen hat 🙂
      Bist du auch auf der LitBlogCon? Da könnte man sich ja mal unterhalten 🙂

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