Das letzte Abendmahl – Kapitel 3

Wir sind schon bei Kapitel 3 angekommen. Falls du den Anfang verpasst hast, geht es hier zum ersten Kapitel.

Die Falkenburg

Alexander fiel Hektor panisch ins Wort. »Verzeiht, Herr Graf, ich denke, dass … das muss der Wein sein, der aus meinem Freund spricht.« Hektors Gebahren konnte sie viel Geld kosten. Alexanders Blick befahl Hektor, sofort mit seinen Fragen aufzuhören, aber Hektor sah noch nicht einmal zu ihm hinüber. Seine gesamte Aufmerksamkeit galt dem Grafen, der sich mit ungewöhnlicher Vorsicht vorbeugte.
»Wie meint ihr?«, die Stimme des Grafen blieb freundlich.
»Die Belows sind ein junges Adelsgeschlecht, nicht?«
»Hektor …?« Alexander war die Kontrolle über das Gespräch entglitten.
»Tatsächlich«, sagte der Graf, »Es ist eine wahrlich tragische Geschichte. Bald fünfzehn Jahre muss es nun her sein, nicht wahr meine Liebe?«
Die Gräfin nickte mit einem traurigen Lächeln. »Eine Tragödie.«
»Erleuchtet uns«, bat Hektor.
»Wenn es denn auch dem Wunsch unseres Gastgebers entspricht?«
»Tut es«, antwortete Hektor für Alexander.
Der Graf seufzte tief. Trauer spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder. »Nun denn. Meine Frau und ich sind die erste Generation des Below Geschlechtes. Vor fünfzehn Jahren bekamen wir diesen Titel und seitdem tragen wir ihn wie eine Bürde.«
»Aber auch mit Stolz«, warf die Gräfin ein und senkte dann den Kopf, als schämte sie sich ihres forschen Einwurfes. Doch der Graf nickte melancholisch.
»Um dem Haus der Falkenburg Ehre zu machen.«
»Die Falkenburg?«, fragte Alexander unsicher.
»Unser Gut und der ehemalige Wohnsitz der Familie Falkenburg. Doch lasst mich mit dieser bedrückenden Geschichte von vorne beginnen. Vor fünfzehn Jahren wurden wir geladen zu unseren Herren, dem Grafen Falkenburg. Damals waren wir einfache Händler, mit keinem Adelstitel zu unserem Namen. Es war das Fest zur Wintersonnenwende und das ganze Volk war geladen.«
»Eine schöne Festlichkeit?«, fragte Hektor.
»Eine Gesellschaft, die immer noch ihresgleichen sucht«, bestätigte die Gräfin, »Das Fest ging bis tief in die Nacht und als wir am nächsten Morgen aufwachten, war es so still.« Die Gräfin schlug eine Hand vor den Mund.
Der Graf drückte über den Tisch hinweg ihre Hand. »Es war schrecklich. Als wir erwachten, waren alle tot. Sie lagen in den Gängen und verteilt auf den Tischen. Schaum vor dem Mund, die Augen verdreht. Es muss im Wein gewesen sein. Wir haben beide nicht getrunken in jener Nacht, weil meine liebe Damia doch schwanger war.«
Alexander schaute erschüttert von Einem zum Anderen. »Mein aufrichtiges Beileid, ich kann mir nicht ausmahlen, welch schrecklicher Ausblick das gewesen sein muss. Doch ich muss wissen, was ist danach passiert.«
Der Graf sah ernst zu ihm auf. »Jemand musste das Land leiten, aber es war niemand da. Alle hohe Familien waren tot. Wir übernahmen schweren Herzens die Aufgabe des Regierens. Zunächst nur, weil sich niemand Passendes meldete. Doch schließlich übernahmen wir die Herrschaft und erbten mit der Burg auch den Titel. Graf und Gräfin von der Falkenburg.«
Hektor lehnte sich zurück, seine Hand spielte mit dem Griff seines Messers.
»Keines der alten Adelshäuser der Umgebung hat überlebt?«, fragte Alexander ungläubig, »Das muss ein Anschlag gewesen sein. Oh, welch Glück Ihr hattet, dass Ihr überlebtet.«
Die Gräfin schüttelte betrübt den Kopf. »Einige der alten Adelshäuser überlebten, aber keiner traute sich, die Falkenburg zu übernehmen. Waren ihre alten Herren doch gerade erst so kaltblütig ermordet worden.«
»Die alten Herren der Falkenburg«, fragte Hektor, »Wie hießen sie?«
Der Graf dachte nach. »Archibald Frederik von Falkenburg und seine Gattin Hesinde von Falkenburg. Und ihre vier Kinder Rosalie, Eleanor, Silas und Cassandra.«
Hektor lächelte. »Wenn ich mich Recht entsinne, war dort noch ein Kind, nicht wahr?«, fragte er.
»Ihr habt von dieser Geschichte gehört?« Überraschung huschte über das Gesicht der Gräfin.
»Flüchtig«, bestätigte Hektor und drehte das Messer in seiner Hand, »Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gab es noch einen Sohn.«
Der Graf runzelte nachdenklich die Stirn. »Jetzt da Ihr es sagt! Natürlich, da war ein weiterer Sohn. Sein Name ist mir entfallen. Gebt mir einen Moment. Er hieß …«
»Hektor«, sagte Hektor und sein Lächeln wurde breiter, als er den Schrecken in ihren Gesichtern las.

 


Es spitzt sich zu. Mal sehen, was als nächstes passiert.

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