Zentauren – Die richtigen Waffen

Bewegen wir uns ein wenig außerhalb der Welt von Papa Tolkien zu einem weiteren Fantasy-Autor unglaublicher Größe: C.S. Lewis (Die Chroniken von Narnia). Im Gegensatz zu Tolkien, war C.S. Lewis ein wenig fantasiereicher mit seinen Fantasy-Kreaturen und hat vor allem viel auf griechische Mythologie zurückgegriffen. Er hat geschrieben von Minotauren, Satyren und auch von (und um diese Kreatur soll es heute gehen): Zentauren.

Ein Zentaur in Zahlen
Kraft♦ ♦ ♦
Geschwindigkeit♦ ♦ ♦ ♦ ♦
Größe♦ ♦
Intelligenz♦ ♦ ♦

Traditionelle Darstellung

Zentauren haben einen Pferdekörper, auf dessen Hals der Oberkörper eines Menschen sitzt. Sie werden meist als sehr stolze und intellektuelle Rasse dargestellt, manchmal auch mit einem abergläubischen Anklang (man denke nur an die Zentauren aus Harry Potter). Zu den körperlichen Fähigkeiten genügt es wohl zu sagen: der Pferdeteil hat Kraft und Geschwindigkeit eines Pferdes und der menschliche Teil Kraft und Intelligenz eines Menschen.
Was die Waffen angeht, konnte ich keinen wirklichen Konsens finden, zumindest nicht bei den Nahkampfwaffen. Hier sieht man Schwerter, Äxte, Speere, Keulen, Säbel und sogar Lanzen. Bei den Fernkampfwaffen ist man sich hingegen einig: der Bogen.

Nahkampfwaffen

Was mir zuerst in den Sinn gekommen ist, als ich über Zentauren nachgedacht habe, war, dass sie im Grunde nichts anderes sind als berittene Soldaten. Deswegen habe ich die Waffen der schweren Kavallerie in Betracht gezogen (nur dass Zentauren keinen Pferdekopf im Weg haben.) Lanzen als primäre Waffe und dann eine Sekundärwaffe, wie eine Keule/Streitkolben oder ein Schwert, die man benutzen kann, sobald die Lanze ausgedient hatte. Doch schon die Lanze halte ich für schrecklich unbrauchbar.

Ein kleiner Exkurs:

Eine Lanze wird beim Angriff unter der Achsel des Ritters eingehakt. Am Griff gibt es eine große Fläche, die die Kraft des Widerstandes bei dem Auftreffen auf ein Ziel über Schulter und Brustkorb verteilt. Weil die ausgeübte Kraft (mit Hilfe der Geschwindigkeit des Pferdes) enorm war, war es nicht selten, dass sich die Ritter von dem eigenen Aufprall nach hinten gestoßen wurden. Um nicht vom Pferd zu fallen, konnten sie stattdessen nur den Oberkörper nach hinten kippen lassen (sie kamen dann auf dem Pferderücken zum Liegen und konnten sich erneut aufrichten) oder sie konnten die Waffe fallen lassen.

Hier haben die Zentauren aus Die Chroniken von Narnia wohl noch nicht darüber nachgedacht, wie Lanzen funktionieren. © Buena Vista Home Entertainment (BVHM) (2006)

Was bedeutet die Strategie des Zurücklehnens für einen Zentauren? Es kann nämlich passieren, dass sich eine Lanze verhakt und nicht fallen gelassen werden kann. Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, dass sich ein Zentaur, von seiner eigenen Wucht getragen, den Rücken brechen könnte. Deswegen möchte ich die Lanze aus dem kollektiven Gedächtnis für Zentauren verbannen.
Selbst ein Speer, den man leichter fallen lassen könnte, halte ich nicht für optimal, weil der Zentaur in große Probleme kommen würde, sobald der Speer stecken bleibt. (1 Speer in diesem Fall = 1 Angriff) Der Zentaur wäre zwar stark genug, um mehrere davon mitzutragen, aber dann müsste man einen Mechanismus finden, wie er die neuen Speere schnell von seinem Pferderücken ziehen könnte.

Nein, ich wage einen ganz neuen Ansatz:

Der große Vorteil, den die Zentauren gegenüber Menschen haben, ist ihre Geschwindigkeit und ihr großer Nachteil ist, dass sie ihren Pferdeteil nur schwer schützen können. (Über passende Rüstung rede ich später.)
Eine optimale Angriffsstrategie wäre also ein Hit-and-Run. Niemals stehen bleiben, immer weiter rennen und so auch die eigene Masse als Waffe benutzen.
Aufschlitzen und niederrennen, statt zustechen.
Die meiner Meinung nach besten Waffen dafür? Große Zwei-Handsäbel. Damit können sie an ihren Gegnern vorbeigaloppieren ohne lange ein großes Ziel zu sein, zuschlagen und sie laufen nicht Gefahr stecken zu bleiben. Und dass sie zwei Hände benutzen wäre auch kein Problem, weil kein Pferdekopf vor ihnen im Weg ist, wie es bei der menschlichen Reiterei der Fall ist.

Fernkampfwaffen

Die Zentauren geben in Die Chroniken von Narnia ihren wichtigsten Vorteil auf: Ihre Geschwindigkeit. © Buena Vista Home Entertainment (BVHM) (2006)

Hier blicke ich für Inspiration zu den Mongolen-Kriegern. Ähnlich wie die Mongolenkrieger wollen die Zentauren wendig bleiben, um kein Ziel zu bieten. Große englische Langbögen (weil statisch)  fallen also trotz der großen Reichweite raus. Sie könnten allerdings die typischen, kleinen aber starken Kompositbögen verwenden (zusammengeleimte Bögen aus verschiedenen Holz- und/oder Hornteilen), die eine Zugkraft von bis zu 75 Pfund hatten.

Das einzige Problem ist, dass Bogenschützen auf Pferderücken im Sattel aufstehen, wenn sie schießen, um die Bewegungen des Pferdes abzufedern. Das ist für Zentauren offensichtlich nicht möglich, weil sie mit dem Pferd verschmolzen sind.
Theoretisch könnten sie zwar ihre eigene Flugphase abwarten, also den Zeitpunkt zu dem sich alle vier Hufe in der Luft befinden und sie „fliegen“, und erst dann feuern, aber gerade in der Situation einer Schlacht, wo sie neben dem Zielen auch noch laufen, Richtung bestimmen, ausweichen und auf ihre Mitkämpfer achten müssen, halte ich das Schießen von Pfeilen beim galoppieren (oder auch einfach in Bewegung) für ungeeignet.

Dasselbe Problem entsteht auch bei jeder anderen Fernkampfwaffe, denn um das Zielen kommt man nicht drum herum. Also: Außer sie wollen stehend ein großes Ziel bieten, sind Fernkampfwaffen nicht im Repertoire eines Zentauren.

Rüstung

Ich bin ein großer Fan von Schilden, aber da stoße ich bei dem Zentauren auf ein Problem. Ein Schild soll die wichtigen Organe schützen, aber befinden die sich bei einem Zentauren im menschlichen Teil oder im Pferdeteil? Und egal wie die Antwort ausfällt, der gesamte Pferdeteil bliebe bei einem Schild ungeschützt. Und dazu kommt noch: Ich habe ihnen ja schon einen großen Zweihandsäbel in die Hände gegeben. So sehr ich Schilde auch mag: Kein Schild für Zentauren.

Sehe ich da etwa einen Sattel auf Oreius Rücken?  Die Chroniken von Narnia © Buena Vista Home Entertainment (BVHM) (2006)

Das Problem der Angreifbarkeit des Hinterteils würde sich mit einer Rüstung  lösen lassen. Plattenrüstung wäre wahrscheinlich zu schwer und würde die Geschwindigkeit und Bewegungsfreiheit zu sehr einschränken. Vielleicht ein leichter Leinenpanzer (Gambeson/Sarrock) oder ein Ketten“hemd“. Aber ich habe noch eine viel bessere Idee, nämlich:

Mögliche Strategien

Die große Gefahr bei Zentauren ist, dass sie ihre Beweglichkeit verlieren und da wäre es für Menschen nur angebracht, ihre Beine/ihren Pferdeteil anzugreifen, weil die Zentauren den nicht gut beschützen können. Das Problem ließe sich leicht lösen. Und zwar mit einem Reiter. Der Reiter könnte einen Schild tragen, eine Lanze benutzen oder (was ich am besten finde) rückwärts auf dem Zentaur sitzen und wie ein automatischer kleiner Schießturm, auf die Gegner schießen.

Das einzige Gegenargument, das ich gegen diese Strategie finden konnte, war der Stolz der Zentauren, die sich in vielen Fantasy-Settings nicht reiten lassen.
Um diesem Problem zu entgehen, könnte man die Zentauren zu einer Sklaven-haltenden Kultur machen, die „Reiter“ sind Sklaven, die auf dem Zentaur festgekettet sind und nur wegen ihres eigenen Selbsterhaltungstriebs auf die Angreifer schießen. Sie würden die Zentauren nicht reiten, sie hätten keine Kontrolle über sie, sondern wären ihnen schutzlos ausgeliefert.

Meine Vision für Zentauren:

Zeichnung von Leander Aurel Taubner (zu finden auf lat-design.de und leandersfeinelinie.com)

 


Was hältst du von der Reiter-Idee? Fallen dir vielleicht noch Fernkampfwaffen ein, die sich besser für einen Zentauren eignen könnten? 🙂

Hier die anderen Artikel: Berserker, Elf, Engel, Fee, Geist, Golem, Hobbit/Halbling, Meerjungfrau, Minotaurus, Naga, Ork, Riese, Satyr, Zwerg

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5 Replies to “Zentauren – Die richtigen Waffen”

  1. Guacamole says:

    Das ist voll die coole Idee! Begeistert mich sehr!

    Allerdings würde ich, wenn die Zentauren jetzt keine Sklavenreiter hätten, nicht auf eine Fernkampfwaffe verzichten. Du hast völlig recht, die Zentauren werden keine begnadeten Bogenschützen sein, aber in einem Setting, in dem sich zwei Armeen gegenüber stehen wären Bögen für Zentauren ziemlich unverzichtbar, weil sie einen großen vorteil haben. Sie sind eben nicht statisch. Wenn sie im Ritt schießen bringen sie zusätzlich zur Pfeilgeschwindigkeit noch ihre eigene dazu und hätten eine viel größere Reichweite, als klassische Bogenschützen. Sie müssten sich also noch nicht einmal in die Reichweite des Feindes geben. Und irgendwas werden sie schon treffen, wenn sie grob in die Richtung der gegenerischen Armee schießen.

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    1. Sina Bennhardt says:

      Das Problem, wenn man beim Rennen schießt, ist aber, dass man nur sehr schlecht oder gar nicht zielen kann. Und die zusätzliche Reichweite durch ihre Geschwindigkeit schätze ich nicht so ein, dass es ihnen nennenswerten Vorteil geben würde.
      Was ich da tatsächlich für sinnvoller halten würde, ist dass sie sich nicht auf einen Kampf auf offenem Feld einlassen würden, sondern aus dem Hinterhalt aus z.. einem Wald angreifen würden und kleinere Run-By Überfälle machen. Der Wald würde ihnen dann Schutz vor dem Feuer der Gegner geben.

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      1. Guacamole says:

        Naja, wenn sich zwei Armeen gegenüberstehen würden, ist zielen ja auch erst einmal nicht so wichtig. Hauptsache der Pfeil findet ein Ziel, nicht ein bestimmtes (klar wenn es direkt den general trifft, super, aber der steht ja eh nicht an forderster Front).
        Naja, wenn sie damit nicht in die gegnerische Reichweite gelangen ist er schon nennenswert!

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        1. Sina Bennhardt says:

          Genau das finde ich ja fragwürdig, ob ihnen das Galoppieren so einen Vorteil bei der Reichweite geben würde, dass sie wirklich eindeutig aus der Reichweite der menschlichen Schützen raus sind. Denn wir würden immer noch die statischen Langbogenschützen mit den „mobilen“ Kompositbögen der Zentauren vergleichen.
          Und da haben die Langbögen immer noch die größere Reichweite. Wenn beide Armeen allerdings mit den gleichen Bögen arbeiten … dann könnte es funktionieren.

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      2. Kokel says:

        Die Kunst des Bogenschießens ist, überhaupt nicht zu zielen, sondern den Bogen und den Pfeil vom Körper und den Instinkten leiten zu lassen. Es ist sogar sehr einfach, im Laufen zu schießen und zu treffen. Das größte Problem für Zentauren wäre das selbe wie bei allen anderen Reitern. Sie sind gewaltige Ziele. Wenn sie Pfeil und Bogen verwenden, ist es eigentlich egal, ob sie Langbögen oder Kompositbögen verwenden. Auf die Reichweite dieser Waffen hat eh mehr die Pfundzahl des Zuggewichts eine Auswirkung und der Querschnitt der Wurfarme. Langbögen erfordern im gegenzug zu Kompositbögen nur leider immer geeignetes langes Holz. Kompositbögen können dagegen aus vielen verschiedenen Materialien wie Horn und Knochen hergestellt werden. Im Kampf mit feindlichen Bogenschützen wären sie trotz allem im Nachteil, da sie, wenn sie gegen Berittene kämpfen ein großes Ziel gegen zwei einzelne Ziele sind und wenn sie gegen zu Fuß kämpfende Bogenschützen kämpfen nur sehr kleine Ziele im gegensatz zu sich selbst bekämpfen müssten. Das man immer auf Bogenschützen als Gegner zurückgreift ist zwar klar, es sind die Berühmtesten, aber auch die Besten Schützen der Vergangenheit. Steinschleuderer können zwar noch weiter und in etwa genauso treffsicher ihre Geschosse schießen, ebenso Armbrustschützen, aber Bogenschützen können weit schneller schießen. Diese Waffe ist eine der schwierigsten zu erlernenden Waffen, die je entwickelt wurde und die Männer, die damit in den Kampf zogen haben mindestens zehn jahre damit trainiert bevor sie in ihr können in der Schlacht zeigten. In der Antike waren die meisten Bogenschützen Jäger und mussten von ihrem können überleben. Gleiches könnte man auch über die Zentauren sagen. Ein Ziel, so groß wie ein Reiter wäre also gar kein Problem. Was das Gallopieren für einen Vorteil bei der Reichweite bringen soll, entzieht sich meinem Verständnis, ich kann im vollen Gallop vielleicht 10m mehr Reichweite bekommen, die ich aber innerhalb einer viertel Sekunde wieder verspielt habe, da ich dann voll in die Reichweite meiner Gegner stürmen würde. Im vollen Gallop auf den Gegner zustürmen, drei Pfeile auf ihn schießen, Bogen wegstecken Lanze aus der Halterung ziehen, mit beiden Händen die Waffe gegen den feind führen und nach dem Aufprall sofort loslasen. Danach das Schwert oder den Streitkolben ziehen und um sich schlagen. Das würde ich als Taktik einsetzen. Diese Strategie wurde im Byzanzinischen Kriegshandbuch Strategikon beschrieben. Sie wurde von Kataphrakten verwendet. Also vollgepanzerten Reitern und Pferden. Für Lanzen gibt es Halterungen an Kriegssätteln, die sollte man also auch an Zentauren anbringen können. Volle Schuppenpanzerung sollte auch kein Problem sein aber den Vorteil ohne Rüstung schneller zu sein verlieren sie ja leider dadurch, das sie selbst ein zu großes Ziel sind. Leichte Reiter können von einem gestürzten Pferd abspringen. Zentauren nicht. Auf einen Schild würde ich daher Verzichten, da er für eine Bogenschießende Schockkavallerie zu viel Platz wegnehmen würde. Wenn jedoch die Zentauren keine Lanzen bei sich hätten, würde ich ihnen einen Schild geben, da ein Schild im Kampf, immer von Vorteil ist, wenn man feindliche Hiebe abwehren muss. Es wäre ein Zusätzlicher Schutz für vorne.

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