Der Geist der Vergangenheit – Ein verlorenes Gespräch

Manchmal überkommt mich eine seltsame Melancholie, die ich dann aufschreiben muss. Keine Ahnung wo sie herkommt und warum, aber sie ist oft einfach da. Vielleicht ist es der Geist der Vergangenheit.

Ein verlorenes Gespräch

Alyssa saß zusammengekauert über ihrem Schreibtisch. Er war bedeckt mit so viel Pergament, dass es sich in einem Wasserfall auf den Boden ergoss. Die flackernde Kerze auf dem Fenstersims kam kaum gegen die Dunkelheit der Nacht an. Alyssa kaute nachdenklich an dem Ende ihrer Feder und setzte dann ein neues Zeichen auf das Papier vor sich. Als hätte sie ein Geräusch gehört, setzte sie sich gerader auf. „Was machst du hier? Du musst nicht auf mich warten“, sagte sie ohne sich umzudrehen.

„Ich möchte aber warten“, antwortete Danica, „Was soll ich denn sonst mit meiner Zeit anfangen?“
Alyssa wedelte mit der zerkauten Feder. „Ich entlasse dich aus deinem Dienst. Geh einfach.“
Danica lachte auf und Alyssa hörte das Pergament unter ihren Füßen knistern. „Und du glaubst wirklich, ich würde dich nur wegen einem Befehl von dir alleine lassen? Ich bleibe bei dir.“
„Warum?“
„Das weißt du doch.“
„Bist du dir sicher?“

Danica antwortete nicht und die Stille umfing Alyssa erneut. Sie versank weiter in ihrer Arbeit. Diplomatische Unterlagen. Verhandlungen. Siegel. Unterschriften. Sie seufzte.
„Wie lange willst du denn noch an deinem Schreibtisch versauern?“, fragte Danica.
„Ich mache meine Arbeit. Ich verteidige unser Land.“ Alyssa konnte fast sehen, wie Danica den Kopf schüttelte.

„Das hier ist nicht unser Land. Noch nicht einmal unser zu Hause.“ Sie machte eine Pause. „Außerdem war das meine Aufgabe. Die Verteidigung unserer Heimat.“ Der Vorwurf versetzte Alyssa einen Stich.
„Hast du mich deswegen verlassen? Damals?“, ewiderte sie verbittert und drehte sich auf dem Stuhl um. Der Raum war dunkel. Die Kerze spendete kaum genug Licht, um damit lesen zu können.
„Aly, bitte … Mach mir deswegen keine Vorwürfe. Ich habe dir doch gesagt …“, begann Danica, aber Alyssa unterbrach sie.
„Du bist doch gegangen, oder etwa nicht?“
Alyssa konnte hören wie Danica den Kopf senkte.

„Ja, bin ich.“ Sie klang traurig. „Aber ich wäre zurückgekommen. Du hast mir damals nicht gesagt, dass ich bleiben soll. Ich wäre sofort umgekehrt.
„Wirklich?“ Ihre Kehle zog sich zusammen.
Danica lachte leise. „Mir ist es immer schwer gefallen, deine Wünsche auszuschlagen.“

Alyssa sah auf ihre Hände und eine Träne tropfte von ihrer Nasenspitze. Sie hatte nicht bemerkt, dass sie angefangen hatte zu weinen. „Wir haben einen Fehler gemacht, oder?“ Ihre Stimme brach und sie wischte sich mit dem Ärmel über die Augen.
„Vielleicht. Das ist aber kein Grund, sich ewig zu bemitleiden. Es war meine Entscheidung.“
Alyssa spürte einen Stich in der Brust und ihre Hände begannen zu zittern. „Aber es war meine Schuld.“

Sie spürte Danicas Nähe auf ihrer Haut. „Es gibt noch Hoffnung.“ Es fühlte sich fast an wie eine Umarmung. Alyssa schüttelte den Kopf. „Die Städte brennen. Wir sind dem Untergang geweiht. Ich wünschte, ich könnte es verhindern.“
„Wenn es so einfach zu verhindern wäre, hätte ich mich auf den Weg gemacht. Du wärst hier in Sicherheit und …“
„Aber du bist doch schon weg.“ Alyssa sah auf. „Ich hätte es dir sagen sollen. Damals. Wie viel du mir bedeutet hast.“

„Ich weiß es doch.“ Sie spürte, wie Danica lächelte.
„Aber du bist fort, du bist dort draußen. Du bist …“ Das Zimmer war leer. Alyssa vergrub ihr Gesicht in den Händen und weinte.

 


Was wohl passiert ist? Ich bin mir selber nicht ganz sicher.

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