6 Wörter, 2 Geschichten

Katharina und ich haben uns überlegt, dass wir ein kleines Experiment machen wollen. Wir wollten herausfinden, was passiert, wenn wir dieselben Wörter als Inspiration bekommen, und daraus eine Geschichte bauen sollen. Werden die Geschichten ähnlich, oder kommt etwas ganz anderes heraus?

Die Wörter werde ich euch hier am Anfang nicht verraten (sie stehen für die Neugierigen ganz klein am Ende), aber ich lade euch herzlich dazu ein zu raten, von welchen Wörtern wir inspiriert wurden.

So viel sei gesagt: Meine erste Eingebung bei den vorgegebenen Wörtern war eine Art Spion-Geschichte wie bei den Bourne-Filmen. Und weil das zu einfach wäre, habe ich nicht darüber geschrieben, sondern über etwas ganz anderes. Wie wäre es also mit einer Kindergeschichte?

Fiasko

Fiasko war der kleinste Hund aus seinem Wurf. All seine Brüder und Schwestern waren stark und schnell. Sie tollten fröhlich durch den Garten, während Fiasko an der Seite seiner Mama blieb.
Einmal fragte Fiasko seine Mama, was sein Name eigentlich bedeutete, aber sie schüttelte nur lächelnd den Kopf.
„Mach dir keine Sorgen, kleiner Welpe“, sagte sie und leckte ihm über den Kopf.
Aber Fiasko war nicht zufrieden. Seine Geschwister hatten Namen wie Rex, das bedeutete König, oder Alpha und sie waren stolz auf ihre Namen. Sobald sie aber Fiaskos Namen hörten, fingen sie an zu lachen.
Seine Mama nannte das die Hackordnung und Fiasko war ganz unten. Das war normal sagte sie. Er müsste nur stärker werden und seine Geschwister würden damit aufhören. Und er gab sich Mühe. Er versuchte so viel wie möglich von seinem Futter zu essen und er versuchte bei den wilden Spielen seiner Geschwister mitzuhalten. Aber auch das half nicht. Bald fanden sie heraus, dass er Angst hatte aus seinem Napf zu trinken, weil er eine darin treibende Ratte gesehen hatte. Sie war unversehrt herausgeklettert, aber Fiasko fürchtete sich davor, was in der Tiefe lauern konnte.
Als er sich schlafen legte, packten sie ihn im Nacken und schleiften ihn zu einem großen Wassertrog. Sie versuchten ihn hineinzuschubsen. Fiasko wehrte sich mit allem, was er hatte. Er jaulte und biss. Aber seine Mama kam ihm nicht zur Hilfe. Und auch die Menschen schienen nichts von seinem Unglück mitzubekommen. Seine Geschwister besprengten ihn mit Wasser und lachten, als er sich wand und heulte.
Schließlich konnte er sich losreißen und er rannte davon, so schnell ihn seine kurzen Beine trugen. Er zwängte sich durch ein Loch im Zaun und rannte auf die Straße. In seinem Rücken hört er das Höhnen seiner Geschwister.
„Seht nur, wie er rennt!“
„Er ist wirklich ein absoluter Reinfall.“
Fiasko rannte und rannte. Er verbrannte sich seine kleinen Pfoten auf dem heißen Asphalt, aber er blieb nicht stehen. Obwohl er seine Geschwister nicht mehr hören konnte, dröhnten ihre Worte in seinen Ohren.
Schließlich blieb er stehen.
Er wusste nicht, wo er war. In seinem ganzen Leben hatte er den Garten nicht verlassen. Motorräder und Autos ratterten laut an ihm vorbei. Die Menschen traten um ihn herum, ohne ihn zu beachten. Fiasko winselte und humpelte weiter. Er irrte durch die Straßen.
Plötzlich wurde er hochgehoben.
„Sieh mal, Harald!“, sagte eine Frauenstimme, „Ist das nicht ein süßer Hund?“
Eine Hand strich Fiasko über den Kopf und er versuchte sich loszureißen, aber der Griff war bestimmt.
„Nein, nein und nochmals nein“, protestierte ein Mann, der nun näher an Fiasko herantrat. Fiasko strampelte wild mit den Beinen. „Wir können nicht noch so eine sizilianische Straßentöle adoptieren. Das geht einfach nicht.“
„Aber schau ihn dir doch an!“ Die Frau hielt Fiasko Harald vors Gesicht. Fiasko knabberte seine Nase an.
Harald schob den Welpen zu Seite. „Sibille, bitte.“
Die Frau schüttelte den Kopf. „Es ist schon entschieden. Wir behalten ihn.“ Mit Fiasko unter dem Arm stolzierte sie davon.
„Sibille!“, rief Harald ihr hinterher, „Jetzt denk doch einen Moment darüber nach. Vielleicht hat er Flöhe … oder anderes Getier. Sibille!“
„Keine Diskussion!“
Und so fand Fiasko ein neues Zuhause. Sibille und Harald kümmerten sich liebevoll um ihn und seine neuen Geschwister. Fiasko bekam sogar einen neuen Namen, mit dem er mehr als zufrieden war. Er hieß jetzt Runter von der Couch!
Ein langer Name, aber er gewöhnte sich schnell an ihn.

 


Und? Was meinst du, was die Ausgangswörter waren? Schreib mir doch einen Kommentar mit deinen Ideen!
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SPOILER FÜR DIE WÖRTER!

Hackordnung, besprengen, sizilianisch, Fiasko, treibend und schleifen.

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8 Gedanken zu „6 Wörter, 2 Geschichten

  1. Ohhh Sina, wie traurig! Der arme kleine Fiasko tut mir total leid! Gut, dass Sibille ihn adoptiert hat 🙂
    Ich finde, du hast das voll gut gelöst, denn nicht das offensichtliche zu schreiben, macht den größeren Reiz aus. Ich muss zugeben, dass ich meiner ersten Idee erlegen bin und so davon überzeugt war, dass ich nicht davon abrücken wollte, nur die Rahmenhandlung hat sich durch die vorgegebenen Wörter eben angepasst. Aber ich würde sagen: Das Experiment ist geglückt! Selbst, wenn man die selben Wörter als Inspiration hat, machen zwei unterschiedliche Köpfe, unterschiedliche Geschichten davon. Das finde ich echt toll! *.*

  2. Ich hatte auf Fiasko und Hackordnung getippt. Auf die anderen wäre ich allerdings nicht gekommen, stattdessen hab ich noch an Runter von der Couch gedacht.
    Die Idee finde ich aber super spannend!

    Mir tat Fiasko auch leid. Geschwister können echt grausam sein. Ich hoffe, dass es ihm bei Sibille besser geht. Und Runter von der Couch ist immerhin auch kein komplettes Fiasko. ^^

  3. Wie kommt man denn auf diese Worte??? Mir sind auch bei beiden eurer Geschichten (ich habe beide seeeeehr genossen) Fiasko und Hackordnung aufgefallen, weil die einfach absolut nicht alltäglich sind. Auch die anderen…never!
    Witzige Idee. Gerne noch mehr davon. : )

    1. Mit Duden, einer zufälligen Seite und einem Lineal 😀 (und dabei habe ich versucht, Fiasko noch zu verstecken, indem ich den als Namen nehme 😀 )

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