Rezension – Das Leben fällt, wohin es will

Der romantische Roman Das Leben fällt, wohin es will von Petra Hülsmann ist 2017 im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Ich habe dieses Buch in der Goodie Bag von der LitBlogCon bekommen und nachdem die anderen Bücher aus dieser Sammlung (Museum der Erinnerung und Milchschaumschläger) eine Enttäuschung waren, habe ich mich endlich aufgerafft und dieses Buch gelesen.

Inhalt
Nachdem Maries Schwester an Krebs erkrankt, muss sie ihren Party-Lifestyle hinter sich lassen und Verantwortung übernehmen. Sie kümmert sich um die Kinder ihrer Schwester und übernimmt den Job in der Familien-Werft. Doch sie kann ihren neuen Chef Daniel überhaupt nicht leiden …

Handlung
Es ist die typische Liebesroman-Handlung. (Spoiler?) Mann und Frau können sich auf den Tod nicht ausstehen. Dann sind sie gezwungen mehr Zeit miteinander zu verbringen und lernen sich leiden zu können, bis schließlich so etwas wie Funken fliegen. Sie küssen sich … Aber nein! Oh Graus! Einer von ihnen kann sich nicht auf eine Beziehung einlassen. Drama! Und dann am Ende kommen sie doch zusammen.

Charaktere
Die Hauptcharaktere Marie und Daniel fallen den typischen Liebesroman Klischees zum Opfer.
Sie ist sorglos, eine Frohnatur und unzähmbar (würde ich beschreiben als patzig naiv, unverantwortungsvoll und Partygöre) und er ist ein, in Maries Worten, „Spießer“ und „Arschkriecher“ (bzw. ein normal arbeitender Mensch, der sich in einer Führungsposition befindet).
ABER optisch ist Daniel natürlich voll ihr Typ! Tieflblaue Augen und ein süßer Hintern (falls sich das schon als „Typ“ qualifiziert). Auch ansonsten passt er perfekt in den (oder jeden beliebigen) Liebesroman. Er ist Frau Protagonistin komplett verfallen. Um es mit seinen eigenen Worten zu sagen:

„Du hast etwas an dir, das mich komplett in den Wahnsinn treibt.“, sagte [Daniel] schließlich. – S. 177

Außerdem sieht er etwas in ihr, das niemand anderes sieht (Klugheit, Zielstrebigkeit usw.), er ist praktischerweise seit kurzem Single (aber seine Freundin hat ihn verlassen und nicht umgekehrt, also steht sie nicht im Weg), er ist ein Gentleman wie Marie noch keinen erlebt hat und hatte ich erwähnt, dass seine Augen tiefblau sind?

Sprache
Abgesehen davon, dass alles, was Daniel angeht, zwölfmal wiederholt wird, ist das Buch richtig gut geschrieben! Petra Hülsmann hat es drauf und obwohl ich mir immer wieder (handlungstechnisch) die Schläfen reiben musste, um Kopfschmerzen zu umgehen, hatte ich an der Sprache nichts auszusetzen.

Sonstiges
Hier würde ich gerne eine kurze Situation aus dem Buch beschreiben.
Marie und Daniel müssen mit einem Flugzeug fliegen und es sieht so aus, als hätte Marie absolute Flugangst. Dann entdeckt sie zwei Araber, die ebenfalls nervös scheinen und beschreibt sie auf den folgenden Seiten wie folgt:

„Das sind bestimmt Terroristen“, wisperte ich. – S. 264

Dabei stellte ich mit Schrecken fest, dass die Terroristen direkt hinter uns saßen. – S. 267

Diese Szene hätte ich akzeptabel gefunden, wenn sie etwas gesagt (oder gedacht) hätte wie: „Immer wenn ich (Flug)Angst hatte, ging meine Fantasie mit mir durch.“ oder „Ich wusste, dass meine Gedanken total irrational waren, aber ich konnte sie nicht abschütteln.“ und so zumindest ein bisschen Reflektion gezeigt hätte.
Die Reflektion kommt erst wenn sie aus dem Flugzeug aussteigen (und die Araber sich in „astreinem“ Deutsch mit ihr unterhalten). Immerhin hat sie an der Stelle ein schlechtes Gewissen. Aber etwas zu spät, wie ich finde.

Fazit
Es ist ein typischer Liebesroman und bedient alle Klischees die ein Liebesroman in unserer Zeit bedienen muss. Das kann einem gefallen oder auch nicht (mir offensichtlich nicht so sehr). Wenn man allerdings an den Klischees und der mangelnden Kommunikation aller Charaktere vorbeischaut, dann ist es ein solides und gut geschriebenes Buch.

Wem würde ich dieses Buch empfehlen?
Wenn du auf seichte Sommer-, Herzschmerzlektüre stehst, dann ist Das Leben fällt, wohin es will genau das richtige Buch für dich. Wenn nicht, dann würde ich von einem Kauf abraten.

 


Kennst du vielleicht einen Liebesroman, der nicht nach dieser 08/15 Formel geschrieben ist, wie ich sie oben beschrieben habe?
Gibt es so etwas überhaupt?

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