Die Sache mit den negativen Rezensionen

In letzter Zeit habe ich einige Bücher gelesen, die mir nicht gefallen haben. Einige davon habe ich abgebrochen, einige davon habe ich zu Ende gelesen, weil ich Potential darin gesehen habe, aber sie haben mich letztendlich doch nicht überzeugt.
Da stellt sich mir, als selbsternannter Buchblogger, die Frage:

Wie schreibe ich eine negative Rezension?
Sollte ich sie überhaupt schreiben?
Und warum mache ich mir darüber Gedanken?

Ich schreibe selbst ein Buch.

Und mein eigenes Buch rückt alles in ein etwas anderes Licht.  Eine vorläufige Version ist an eine Testleserin raus und ich habe auch schon das erste Feedback bekommen. Und obwohl ich weiß, dass sie es nicht böse meint und ich ihre Kritik vollkommen nachvollziehen kann, schmerzt es doch ein bisschen, wenn das eigene Brain-Child auseinandergenommen wird.
Deswegen habe ich wieder angefangen über negative Rezensionen nachzudenken. Und ob ich überhaupt verantworten kann welche zu schreiben, wenn ich doch selbst ein Buch veröffentlichen möchte und schon jetzt merke, wie nah Kritik einem gehen kann.

Also tue ich, was ich immer tue, wenn ich mir unsicher bin:
Ich mache eine Pro- und Contraliste … und frage danach das Internet 😀 (in diesem Fall Twitter).

Warum sollte ich keine negative Rezension schreiben?

  • verletzte Gefühle
  • Bücher sind (primäre oder sekundäre) Einnahmequelle von Autoren und eine schlechte Kritik könnte mögliche Käufer abschrecken
  • Reden ist Silber und Schweigen ist Gold → soll heißen: Ich könnte sie auch einfach nicht schreiben

Warum will ich eine negative Rezension schreiben?

  • es ist ehrlich
  • der Autor kann von einer guten Kritik lernen
  • wenn alle Bücher in den Himmel gelobt werden, dann verliert es an Aussagekraft
  • es macht mir Spaß

Wobei ich sagen muss, dass mir in diesem Fall Ehrlichkeit am wichtigsten ist. Es ist zwar nicht so, als würde ich lügen, wenn ich die Rezension einfach nicht schreibe, aber es würde sich anfühlen, als würde ich etwas vorenthalten. Und das fühlt sich unehrlich an.

Was sagt das Internet?

Weil ich gerne weiß, was andere denken, habe ich eine Twitter-Umfrage gestartet und … ich war vollkommen baff, wie viele Menschen daran teilgenommen haben!

Was ich aus den Antworten schließen konnte, war Folgendes:
Negative Rezensionen werden gerne gelesen/geschrieben, um eine ehrliche Meinung zu vermitteln bzw zu bekommen. Dabei geht es auf keinen Fall darum, den Autor niederzumachen oder vorzuführen, sondern um eine differenzierte Kritik, die begründet darstellt, wo und warum das Buch nicht überzeugt hat.
Bei den 34%, die keine negativen Rezensionen schreiben, handelt es sich (und hier kann ich wieder nur aus den Antworten schließen) anscheinend meist um Autoren, die ihre Kritik an den Büchern lieber privat übermitteln, als sie der Öffentlichkeit zu präsentieren, was ich auch völlig legitim finde.

Wie schreibe ich eine „gute“ negative Kritik?

Ich habe mir ein paar Regeln zurechtgelegt. Es ist wahrscheinlich keine vollständige Liste, aber ein guter Ansatzpunkt.

  • Jede Kritik, egal ob positiv oder negativ, muss begründet sein. Denn es ist einfach zu schreiben „XY ist voll doof!“ oder, dass man das Genre nicht mag. Eine begründete Kritik kann gleichzeitig dem Leser und dem Autor helfen.
  • Ich sollte das Buch zu Ende gelesen haben (oder es nur bis zu dem Punkt bewerten zu dem ich es gelesen habe). Auf einen frühzeitigen Abbruch muss hingewiesen werden.
  • Wenn ich den Autor kenne, dann weise ich ihn/sie frühzeitig auf meine negative Kritik hin. Das ist einfach nur aus Höflichkeit. Man wird von schlechten Nachrichten ungerne überrascht.
  • Alles, was ich schreibe, würde ich dem Autoren auch ins Gesicht sagen. Natürlich fällt besonders diese Kategorie für jeden unterschiedlich aus, aber ich denke die wenigsten ziehen los, um Menschen zu beleidigen oder zu verletzen. Nur weil wir uns im Internet befinden, sollte sich das nicht ändern.

Fazit

Ich werde weiter negative Kritiken schreiben und ich werde weiter positive Kritiken schreiben, denn ich möchte auf meinem Blog vor allem eines sein und das ist ehrlich. Außerdem sind meine Rezensionen (zumindest für mich) nicht nur eine Bewertung, sondern sie sollen im Idealfall auch unterhalten. Da komme ich um den ein oder anderen Seitenhieb nicht herum, aber ich möchte euch versichern, dass so etwas nicht aus Bosheit geschieht.

Aber deshalb möchte ich euch um eine Sache bitten: Wenn ihr eine negative Kritik lest (nicht nur bei mir, sondern auch auf anderen Blogs), dann gebt Feedback zu der Rezension!
War sie hilfreich?
War alles gut begründet und nachvollziehbar?
Wurden eurer Meinung nach Grenzen überschritten?

Danke für eure Zeit 🙂

 


Wie handhabt ihr negative Rezensionen?

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8 Gedanken zu „Die Sache mit den negativen Rezensionen

  1. Liebe Sina,

    ein schöner Beitrag und ich möchte gerne auf deine Frage antworten. Wenn ich ein Buch, einen Comic oder ähnliches rezensiere, dann geschieht dies immer aus meiner subjektiven Sicht heraus. Ich beschreibe dann das, was mir gefallen hat und eben auch, was mir nicht gefallen hat. Wie du schon sagst, gibt es ein paar grundsätzliche Regeln der Kommunikation – wenn ich eine Aussage treffe, dann muss ich auch ein Argument dafür haben. Am wichtigsten ist mir, dass eine Beurteilung immer der Realität entsprechen muss.

    Letzte Woche erst habe ich einen Beitrag dazu geschrieben („Gegen die Dummheit anschreiben“), dass es sehr wichtig ist, einen inneren Maßstab zu haben, diesen zu vertreten und auch nach diesem zu handeln. Würde ich ein Buch, das mir aus bestimmten Gründen nicht gefallen hat, trotzdem in den Himmel loben und die „Mängel“ nicht nennen, würde ich mich genau entgegengesetzt verhalten. Daher kann ich nur antworten: Ja, ich schreibe auch „negative“ Rezensionen.

    Liebe Grüße,
    Sandra

    1. Danke für deinen Kommentar!

      Deinen Beitrag muss ich mir unbedingt durchlesen! Der hört sich super interessant an. Ich merke immer wieder selbst, dass ich einen sehr hohen Anspruch habe an die Bücher, die ich lese und komme mir deswegen oft gemein vor. Aber auf der anderen Seite hoffe ich irgendwie, dass durch solch kritische Rezensionen sich vielleicht der Markt langsam verändert zu „besseren“ Büchern (wenn man das denn objektiv sagen kann)

  2. Als Bibliothekarin gehe ich davon aus, dass Bücher immer jemandem gut gefallen – nur nicht immer mir. Ich versuche dann, das Buch so zu besprechen, dass man merkt, was mir nicht gefällt. Meistens ist ja auch nicht alles schlecht. Das hatte ich auch schon, da habe ich nichts geschrieben.

    1. Ich hab es noch nie erlebt, dass bei einem Buch wirklich ALLES schlecht ist. Und eigentlich sollte jedem klar sein, dass jeder gewisse Präferenzen beim Lesen hat (bei mir sind das Fantasy, Thriller und Horror). Deshalb vermeide ich die anderen Genres entweder, oder stelle vorher klar, dass sie nicht meiner normalen Leseauswahl entsprechen 🙂

      und ich bin neugierig: erinnerst du dich noch, welches Buch es war, das du 100% schlecht fandest?

  3. Vor allem den letzten Aspekt finde ich sehr wichtig: Das Feedback auch zu den Rezensionen! Schließlich lernt man als Rezensent auch dazu und je mehr Feedback man bekommt, desto leichter fällt es, Autoren und Verlagen auch gute, ehrliche und fundierte Anhaltspunkte zu liefern!

    ps. Ich habe trotz Müdigkeit dran gedacht! 🙂

  4. Ein wirklich toller und super ausgearbeiteter Beitrag. Und du kommst zu einem guten Ergebnis und einer tollen Hilfsliste für negative Rezensionen.
    Ich sehe das alles wie du. Die negative Kritik muss unbedingt begründet sein, damit der Autor sich auch etwas daraus ziehen evtl. Etwas daraus lernen und es vielleicht in Zukunft anders machen kann. Und höflich muss es bleiben. Immer höflich! Wie du schon schreibst: so wie man es auch jemandem ins Gesicht sagen würde.
    Ich denke ganz allgemein kann man sich ansonsten auch hier wieder folgenden Spruch zu Herzen nehmen: Hast du nichts nettes zu sagen, dann sag einfach gar nichts.
    Wobei ich finde, dass man dem Autor ja auch immer privat ein Feedback geben kann, wenn man meint, dass es zu negativ ausfällt. Denn dein Argument, dass er durch eine negative Rezension eventuell Verkäufe einbüßt, ist natürlich ein starkes Argument. Und gerade dann, wenn sich die negative Kritik auf subjektive Punkte, wie Genre, Geschmack oder Stil stützen, ist eine öffentliche negative Rezension vielleicht doch noch mal zu überdenken.

    1. Danke für dein liebes Kompliment!

      Einem Autor privat Feedback zu geben, ist eine Option, die ich vor diesem Beitrag nicht bedacht hatte, und die mir bei meiner Umfrage vorgeschlagen wurde. Darauf werde ich in Zukunft wohl häufiger zurückgreifen, aber ich muss auch sagen: Wenn ich den/die Autor*in nicht persönlich kenne, dann finde ich ein privates Feedback ein wenig seltsam. 😀
      Da muss ich noch eine Variante finden, die nicht komplett von oben herab wirkt. Denn ich glaube, da kann man sehr schnell als sehr arrogant rüberkommen.

      Ich stimme dir übrigens vollkommen zu: wenn die negative Kritik nur auf Genre zurückzuführen ist, dann sollte man eine öffentliche Rezension vorher überdenken, oder von vorneherein sehr deutlich machen, dass es ein „nicht gemochtes“ Genre ist und deswegen die Rezension verzerrt sein kann.

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