Rezension – Friedhof der Kuscheltiere

Die deutsche Ausgabe von Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King ist 1985 im Heyne Verlag erschienen. Dieses Buch ist mittlerweile ein Klassiker, ein typisches Horror-Buch eben. Allerdings hatte ich schon einmal ein Buch von Stephen King angefangen (ich weiß gar nicht mehr welches) und es hatte mir überhaupt nicht gefallen. Aber Stephen King ist mittlerweile ein Kult-Autor und da wollte ich ihm noch eine Chance geben mit einem seiner bekanntesten Bücher.

Weil das Buch schon sehr alt ist und ich davon ausgehe, dass alle es kennen, werde ich hier vor Spoilern nicht zurückschrecken.
Deshalb: Spoilerwarnung!

Inhalt
Louis Creed zieht mit seiner Familie an den Rand der amerikanischen Kleinstadt Ludlow. Was er allerdings nicht weiß: In dem Wald hinter seinem Haus befindet sich ein alter indianischer Begräbnisplatz, der eine seltsame Wirkung auf die Bewohner der Stadt hat und sogar Tiere wieder zum Leben erweckt haben soll.

Handlung
Die Handlung ist  l a n g s a m. Und zwar so richtig. Normalerweise habe ich es gerne, wenn sich eine Geschichte (und vor allem Horror) nach und nach entfaltet, damit es so richtig gruselig werden kann, aber … leider ist die Handlung wirklich nur langsam, aber wenig interessant dabei.
Von den 450 Seiten hätte man gut 100 streichen können und es wäre kaum aufgefallen.
Und das ist sehr schade, denn die Geschichte war teilweise verdammt spannend! Da hat mir richtig das Herz geklopft. Aber leider kamen diese Szenen viel zu kurz und es gab zu lange Pausen zwischen ihnen.

Sprache
Ich denke (und hoffe), dass dieses Buch ziemlich schlecht übersetzt ist. Denn solche Sachen wie

Sie [die fünf- oder sechsjährige Tochter] setzte sich auf seinen Schoß, und wieder beeindruckte ihn die Schönheit, die jetzt durch ihre innere Erregung noch unterstrichen wurde. – S. 51

klingen echt befremdlich und irgendwie auch ein bisschen pädophil.
(Außerdem schreibt Stephen King sehr viel in Klammern. Wieso kein Nebensatz, oder einfach weglassen?)

Charaktere
Die waren mir alle unsympathisch. Louis, aus dessen Sicht das Meiste geschrieben ist, wirkte auf mich arrogant und grenzwertig frauenfeindlich. Seine Frau war nur da, um sich mit ihm zu streiten oder mit ihm Sex zu haben, hatte also keine wirkliche Persönlichkeit. Die Kinder … haben mich nur genervt. Es wurde sogar eine Kurzhand entwickelt: Wenn Gage [der Sohn] „Schön, schön“ sagt, dann übergibt er sich danach. Und das war leider die Charakterisierung, die der Junge bekommen hat, bevor er überfahren wurde. Sein Tod hat mich danach nicht wirklich getroffen.

Jud, der Nachbar, war der einzige, mit dem ich mich identifizieren konnte. Leider wurde er als Plotdump missbraucht. Hätte er nur einmal das Maul aufgemacht und eine Geschichte zu Ende erzählt, wäre dieses ganze Buch nicht passiert.

Sonstiges
Hier schreibe ich euch nur eine Liste von Sachen die mir aufgefallen sind, ohne weitere Erklärungen. Ihr könnt euch euren eigenen Teil dabei denken.

  • Frauen/Mädchen werden generell als hysterisch und/oder emotional erregt beschrieben
  • Es werden Sachen im Buch gespoilert (frei zitiert: „Aber da wusste Louis noch nicht, dass [sein Sohn] in zehn Wochen sterben würde.“) und dann braucht es noch KAPITEL bis das Gespoilerte passiert
  • Louis hat eine seltsame Fixierung auf seine Hoden … das mag an der Übersetzung liegen, aber es ist etwas verstörend
  • Die gefühlt erste Hälfte des Buches geht es darum, dass Louis seinen Kater nicht kastrieren will, weil er dadurch angeblich faul und fett wird. Und das stimmt absolut nicht, das kann man auf jeder Tierarzt-Seite nachlesen!
  • Warum „Friedhof der Kuscheltiere“? Im Englischen heißt es Pet Sematary und das passt auch um einiges besser. Im ganzen Buch kommt nicht ein einziges Kuscheltier vor.
  • Wieso fragt Louis seine Frau (schon Jahre verheiratet und sie haben Kinder) nach dem Sex, wo sie das gelernt hat??? Und wieso antwortet sie „Bei den Pfadfindern“?! WHAT?
  • Wie kann ein ein/zweijähriges Kind seinem stehenden Vater, das Skalpell am Kopf vorbeischlagen? Kann Gage fliegen?! Warum wird das nicht erklärt?
  • Wieso hat Louis auf einmal weiße Haare?!
  • Kann Ellie [die Tochter] wirklich in die Zukunft schauen? Oder sind das nur böse Träume?
  • Man kann Zombies mit einer Überdosis Morphin töten?! Woher weiß Louis das? UND WIESO FUNKTIONIERT DAS?
  • Und warum zur Hölle erweckt er, nach allem was passiert ist, auch noch seine Frau wieder zum Leben? (ja, ich weiß, angeblich übt der Friedhof eine seltsame Macht auf die Leute aus, aber das glaube ich nicht!! Niemand, außer Jud, hat sich dagegen gewehrt!!)

Fazit
Ich mochte Stephen King Bücher vorher nicht und meine Meinung hat sich auch nach Friedhof der Kuscheltiere nicht geändert. Einige Szenen waren zwar echt toll, aber die konnten leider die Langeweile dazwischen nicht ungeschehen machen.

Wem würde ich dieses Buch empfehlen?
*seufz* Es gibt so viele, denen Stephen King gefällt, dass ich nur sagen kann: Lies am besten ein Buch von ihm und wenn es dir gefällt, dann … gefällt dir Stephen King. Mein Vorschlag: fang mit einem Kürzeren an.

 


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2 Gedanken zu „Rezension – Friedhof der Kuscheltiere

  1. Ohje ohje. Das klingt aber nach einer unliebsamen Lektüre.
    Ich bin tatsächlich auch kein King-Fan.
    Ich habe ein paar Bücher versucht (u. a. The Shining), finde Kings Stil aber wirklich kantig und für mich irgendwie schwierig. Dann kenne ich einige King-Verfilmungen – von denen ich Friedhof der Kuscheltiere noch eine der besten fand (wobei ich den direkten Buchvergleich nicht habe) – und finde in den meisten Fällen alles sehr wirr und plump aufgelöst.
    Ich denke nicht, dass Kings Werke und ich noch jemals große Freunde werden.
    Da aber der King-Leseversuch schon einige Zeit her ist und ich die Grundidee so mag, werde ich auf jeden Fall irgendwann Sie/Misery eine Chance geben. Vielleicht ändert sich mein Urteil dann ja noch mal …

    Grundsätzlich hätte ich nach deiner Rezension allerdings Lust auch Friedhof der Kuscheltiere zu lesen, einfach damit man darüber diskutieren und vermutlich sogar eher lästern kann. 😀
    Da das Leben aber zu kurz für schlechte Bücher ist … 😉

    Was das Faul und Dick werden von kastrierten Katern angeht – dem muss ich leider widersprechen. Beispiel A wohnt bei mir. 😀

    (Off Topic: Sehr schönes Seiten Update hast du da gemacht. Das ist aber auch einfach ein wunderbar tolles Theme!)

    1. King wird mir wohl auch nie wirklich ans Herz wachsen.

      Aber zu den wichtigen Dingen 😉 : Ich habe wirklich auf bestimmt 12 Tierarztseiten nachgeschaut und die haben alle gesagt, dass eine Kastration zu keiner Verhaltensänderung bei Katern führt. (Natürlich glaube ich dir, dass sich dein Kater verändert hat, aber davon habe ich vorher tatsächlich noch nie gehört.)
      Seltsam.

      Ich mag die neue Theme auh sehr gerne. <3 Mich hat bei meiner alten gestört, dass so viel vom Lesen abgelenkt hat 😀

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