Das erste Mal … mit einem Dämon?

Es gibt für alles ein erstes Mal. Vor allem wenn es sich um übernatürliche Begegnungen handelt. Da können alle möglichen Dinge passieren.
(Nächste Woche geht es hoffentlich mit einer neuen Kurzgeschichte los. Freut euch auf zeitreisende Bankräuber.)

Viel Spaß beim Lesen.

 

Kontrollverlust

Mit einem Keuchen fuhr ich aus dem Schlaf. Was war passiert?
Da war ein Kratzen in meinem Kopf. Ich wollte mir die Augen reiben, aber ich konnte meine Arme nicht bewegen.

»Was zur Hölle?«

»Geeenau! Was zur Hölle? Wie kriege ich dieses Ding zum Laufen?«, sagte eine fremde Stimme in meinem Kopf.

Mit einem unfreiwilligen Rucken erwachte mein Körper zum Leben.

»Sehr gut und jetzt muss ich nur noch …«

Mein Körper schob konzentriert die Zunge zwischen die Zähne, nur um sofort wieder zusammenzubrechen.

»Verdammt!!« Die Stimme fluchte in einer fremden Sprache.

Mein Körper begann sich in die Luft zu erheben und wild um die eigene Achse zu drehen.

»Kann ich dir helfen?« Ich war mir nicht sicher, was ich machen sollte. Ich war nichts weiter als eine körperlose Stimme in meinem Kopf, aber aus irgendeinem Grund machte mir das keine Sorgen.
Viel mehr beschäftigte mich die immer verzweifelter werdende Kreatur, die nur schwer die Kontrolle behielt.

»Vielleicht kannst du …«, begann die Stimme zögerlich, »Wenn du mir hilfst, geht es bestimmt einfacher. Sag doch mal Heil Satan.«

»Heil Satan?«

Die Kreatur wackelte probeweise mit meinen Zehen.

»Ja, ich glaube das hilft! Sag es nochmal. Mit mehr Überzeugung!«

Mein Gesicht grinste. Ich fühlte, wie sich die Mundwinkel weit auseinanderrissen, aber ich spürte keine Schmerzen.

»Bist du ein Dämon?«, fragte ich.

Die Stimme in meinem Kopf seufzte und ließ meinen Körper zurück in mein Bett fallen.

»Ja.« Die Stimme klang kläglich.

»Wie heißt du?«

»Merxhal.«

»Ist es das erste Mal, dass du versuchst, von einem Menschen Besitz zu ergreifen?«

Mein Körper runzelte wütend die Stirn und ich wurde gegen die Decke katapultiert.

»Kannst du aufhören so dumme Fragen zu stellen? Ich versuche mich zu konzentrieren!« Merxhal begann wieder in sich hinein zu murmeln. »Und wenn ich jetzt hier dran ziehe, dann …«

Ein Ziehen in meinem Hinterkopf. Nichts. Wir warteten gespannt, aber mein Magen grummelte nur ein wenig.

»Hmm. Das sollte nicht passieren.«

»Was willst du denn machen? Vielleicht habe ich eine Idee«, bot ich erneut an, aber Merxhal beachtete mich gar nicht. Das Ziehen in meinem Hinterkopf wurde heftiger und mit einem Mal übergab sich mein Körper mit einem qualvollen Stöhnen.

»Aha! Das war es. Jetzt weiß ich wie deine Maschine funktioniert, Mensch!«

Mein Körper segelte durch das Zimmer und krachte in meinen Schrank, der lärmend über mir zusammenbrach.

»Ist alles in Ordnung bei dir?«, rief meine Mutter aus der Küche.

Ich hatte den Kontrolle über meine Glieder wiedererlangt. »Alles in Ordnung, Mama! Bin nur gestolpert!«

»Was ist denn jetzt passiert?« Ich hörte wie es in meinem Kopf rumpelte, aber Merxhal beherrschte mich nicht mehr. »Mensch! Ich verlange eine Erklärung! Was ist diese Zauberei? Wie konntest du mich bannen?«

Ich schob ein Buch von meiner Brust. Es war eine Bibel.

»Oh. Das würde es erklären«, sagte Merxhal, »Sag, Mensch, kannst du die vielleicht etwas weiter von dir weglegen? Die stört meine … danke!«

Mit neuem Elan schwang sich mein Körper in die Höhe.

»Und jetzt!«, verkündete Merxhal mit einem bösartigen Lachen, »WERDE ICH ANGST UND SCHRECKEN ÜBER DIE WELT BRINGEN!«

Etwas unkontrolliert marschierte mein Körper auf die Tür zu, griff zweimal neben die Klinke und warf sich dann aus dem Fenster.

Ich landete in einem Scherbenregen auf dem Rasen.

»Mensch! Wo sind wir?« Mein Körper erhob sich, während sich mein Kopf mit einem widerlichen Knacken um 360 Grad drehte. Das Nachbarskind starrte mich für einige Sekunden mit weit aufgerissenen Augen an, gab dann einen ohrenbetäubenden Schrei von sich und floh. Dabei ließ es sein Fahrrad auf dem Bürgersteig zurück.

»Deutschland?« Ich war mir nicht sicher, wie genau Merxhal die Ortsangabe haben wollte.

»Sehr schön!« Mit einem Wimmern begann meine Augen zu bluten und ich fiel mit dem Gesicht voran ins Gras. »Führe mich zu deinen Vorgesetzten!«

Mit einem Seufzen lotste ich Merxhal zurück ins Haus, um meine Eltern zu treffen. Das konnte ja heiter werden.

 


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2 Gedanken zu „Das erste Mal … mit einem Dämon?

  1. Oweia, was ist denn da los? Geht es noch weiter? Wie konnte dein Prota so ruhig bleiben? Auf jeden Fall fand ich gut, wie du den Dämon hast vor sich hinsprechen lassen. Vielleicht könntest du noch etwas mehr auf die Gefühle, Gedanken des Protas eingehen oder hat er das wirklich alles ganz unbeteiligt hingenommen?
    Liebe Grüße, Katharina

    1. Der Prota sollte relativ unbeteiligt dahergehen. Ich fand diese Situation (quasi Dämon bei seinem ersten Opfer) einfach sehr lustig 😉
      Da sollte man am besten nicht groß drüber nachdenken, was da eine natürlich Reaktion gewesen wäre.

      Die Geschichte ist erstmal zuende. Vielleicht greife ich die irgendwann später nochmal auf und dann würde ich mich auh darum kümmern den Prota auszubauen 😉

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