Traumwelten, Kapitel 6

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Beim letzten Mal hat Roman verschlafen und hat die Schule verpasst. Diesmal steht er vor einer schweren Frage: Was ist real und was nicht?

Viel Spaß beim Lesen.

 

Eine Entscheidung

Ein Klopfen riss Roman aus dem Schlaf.

»Roman? Du hast Besuch!«

Benommen sah er sich um. Sein Zimmer war ordentlich aufgeräumt. Es roch nach irgendeinem strengen Putzmittel. Roman rümpfte die Nase. Birgit musste sich der Unordnung angenommen haben. Er griff nach dem Glas auf seinem Nachttisch und trank es in einem Zug aus.

Langsam öffnete sich die Tür. Pille streckte den Kopf herein.

»Er ist wach. Danke, Birgit!«

Pille schlüpfte ins Zimmer. Er zog den Schreibtischstuhl neben Romans Bett und ließ sich mit einem Seufzen fallen.
»Alter! Ich hab mir Sorgen gemacht!«

Roman warf einen schnellen Blick zur Tür. Sie war geschlossen.
»Was hast du mir da für ein Zeug untergejubelt?!«, zischte er und konnte seine Verärgerung nicht ganz unterdrücken.

Pille lehnte sich zurück und grinste.

»Echt geil, oder?«

Roman packte ihm am Kragen.

»Hey …«, protestierte Pille matt.

»Nicht geil!«, knurrte Roman, »Die sind gefährlich. Ich hab das auf Wikipedia nachgelesen. Das kann Hirnschäden verursachen.«

Pille schüttelte Roman ab und richtete sein T-Shirt.
»Und trotzdem war der Trip so gut, dass du danach blau gemacht hast.«

Roman sah ihm böse in die Augen. Die Pupillen seines Freundes sahen aus wie große schwarze Monde. Der Blick war glasig.
Roman schüttelte den Kopf. War ja klar gewesen. Er hatte nicht erwarten können, dass Pille nach der Schule noch bei klarem Verstand war.

»Ich hab nicht blau gemacht. Ich hab mich wirklich dreckig gefühlt«, seufzte Roman, um wenigstens den Anschein einer normalen Unterhaltung aufrecht zu erhalten.

Pille zuckte mit einem abwesenden Lächeln die Achseln.
SeineGedanken schienen abzudriften. Hin und wieder gab er ein Kichern von sich, das sofort wieder erstarb.
Für einige Minuten saßen die beiden Freunde nebeneinander und keiner sagte ein Wort.

»Pille?«, fragte Roman.

»Hmm?«

»… hast du noch mehr von dem Zeug?«

∴—∴

Es war Abend. Pille war schon lange weg. Birgit war schlafen gegangen. Roman rollte die kleine weiße Tablette zwischen seinen Fingern hin und her.

Er war sich nicht sicher, was er tun sollte.

Fast wünschte er sich, dass diese andere Welt Einbildung gewesen war. Wieso hatte er ein zweites Mal davon geträumt? Und das sogar ohne Droge.

Roman schüttelte den Kopf. Diese andere Welt konnte nicht wahr gewesen sein. Er wollte die Pille weglegen, doch er zögerte.

Er sollte sicher gehen.

Ja, wenn er es noch einmal versuchte, dann würde er sich sicher sein. Und was sollte eine Tablette mehr oder weniger schon ausmachen?

Roman legte sich die Pille unter die Zunge und sie löste sich mit einem Kribbeln auf. Er schloss die Augen und fühlte, wie er aus seinem Körper gerissen wurde.

»Mein Herr!«
Lapis flatterte aufgeregt vor seinem Gesicht auf und ab.

Romans Herz schoss ihm in den Hals. Er war zurück. Es war keine Einbildung!

 


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6 Replies to “Traumwelten, Kapitel 6”

  1. Oh man, die Pillen müssen wirklich krass sein. Das scheint wie mit den richtig guten Süßigkeiten zu sein, man weiß, man sollte schon längst aufhören, weil sie echt nicht gesund sind, aber dann wandert irgendwie doch eine in den Moment.
    Armer Roman….

    1. jaja, was die Neugier so alles anstellen kann … 😉

  2. Ich möchte mehr von dieser Welt erfahren! Wieso kommt er dorthin? Was ist seine Aufgabe dort? Es bleibt spannend 🙂
    Lieben Gruß!

    1. Manche Fragen werden vielleicht nie beantwortet … bis nächsten Mittwoch 😉

      1. Was soll das heißen, manche Fragen werden nicht beantwortet??? Überleg dir das doch bitte mit der Kurzgeschichte nochmal (hier bitte ein flehendes Gesicht vorstellen). Ich brauche noch so viel mehr von der Geschichte!!!😣 Das kann nicht in ein paar Wochen vorbei sein…

        1. „Traumwelten“ soll ja eine KURZgeschichte bleiben 😉
          Vielleicht mache ich irgendwann etwas längeres mit den Roman, Pille, Birgit und Lapis. Mal schauen 🙂

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