Rezension – Museum der Erinnerung

Der Roman Museum der Erinnerung von Anna Stothard ist 2017 als deutsche Erstausgabe beim Diogenes Verlag erschienen. Ich habe das Buch in der Goodie-Bag der LitBlog Con bekommen und habe es im Rahmen der SuB Challenge gelesen.
Ich muss sagen, dass ich sehr skeptisch an das Buch herangegangen bin, da auf der Rückseite stand, dass es „erstaunlich gut“ sei. „Erstaunlich gut“ ist für mich kein Kompliment. Trotzdem habe ich versucht, offen an dieses Buch heranzutreten.

Inhalt
Cathy wohnt mit ihrem Verlobten Tom in Berlin. Ihr soll ein Preis für ihre wissenschaftliche Arbeit verliehen werden, doch sie bekommt an demselben Tag ein Päckchen, das nur von ihrem gewalttätigen Ex-Freund Daniel stammen kann. Schließlich taucht ihr Ex-Freund selber auf und er weckt unangenehme Erinnerungen.

Handlung
Die Geschichte spielt an einem einzigen Tag mit häufigen Rückblenden auf die Jahre davor. Hier manifestiert sich auch schon das erste Problem, das ich mit diesem Buch habe. Es passiert sehr wenig.
Als sich die Thematik mit dem gewaltbereiten Freund herauskristallisierte, habe ich eine langsame Geschichte mit psychologischem Tiefgang erwartet. Eine Geschichte, die sich mit den Auswirkungen von Gewalt in Beziehungen befasst. Davon war leider nichts zu entdecken. Die Geschichte plänkelt vor sich hin und große Ereignisse, die seitenlang vorbereitet werden (wie z.B. die Demonstration vor dem Museum), ziehen einfach vorbei ohne einen großen Einfluss auf die Geschichte zu nehmen. Schade.

Sprache
Bei der Sprache bin ich hin und her gerissen. Das Buch ist solide geschrieben.
Aber schon ganz am Anfang gibt es Formulierungen, die mich einfach mit einem verwirrten Stirnrunzeln aus der Geschichte gerissen
haben.

[Eine] Miniermotte, [die] kleiner [ist] als ein Komma dieses Satzes. (S. 11)

Dieser Moment ist der erste und einzige, in dem sich das Buch an den Leser wendet.
Es gibt auch andere Stellen, in denen Personen beschrieben werden und eine Art von Wertung vermittelt werden soll:

Sie war eine dieser jungen Frauen, die in der Öffentlichkeit an den Trägern ihrer Tops fummelte und sich am Bauch kratzte. (S. 63)

Ich bin mir aber nicht sicher, was diese Wertung bedeuten soll.
An einigen Stellen musste ich das Buch unterbrechen, weil ich an meinem eigenen Vokabular gezweifelt habe. Nur ein Beispiel: Auf Seite 103 wird von einem Fuchs gesprochen, der sich mausert. „Mausern“ ist allerdings etwas das nur Vögel tun (das habe ich extra im Duden nachgeschlagen), bei einem Fuchs würde man das Fellwechsel nennen. Ich muss zugeben, dass das kein schlimmer Fehler ist (und wahrscheinlich auf die Übersetzung zurückzuführen ist), aber trotzdem empfinde ich solche Wortwahlen als störend.
Noch ein letzter Punkt zu der Sprache: Abgesehen von den zugegebenermaßen seltsamen Formulierungen ist die Sprache ansonsten sehr sachlich. Gerade bei den delikaten Themen, die behandelt werden, hätte ich mir etwas mehr Feingefühl erhofft.

Charaktere
Es kommen nur vier Charaktere in diesem Buch vor und ich möchte damit anfangen sie mit Zitaten aus dem Buch zu beschreiben.
Cathy, die Hauptfigur wird für mich durch drei Sachen charaktarisiert:
Sie mag tote Tiere,

„Sie wissen nicht, dass sie sterben, ist das nicht großartig?“ (S. 102)

sie hat ein seltsames Verhältnis zu ihrem eigenen Körper

Im Alter zwischen dreizehn und sechzehn verdoppelte sich die Größe ihrer Brustwarzen, doch ihre Zehen veränderten sich gar nicht. (S 243-244)

und sie ist unehrlich:

Sie log Tom nicht an. Sie erzählte ihm nur nie die ganze Wahrheit. (S. 82)

Alles in allem war sie mir unglaublich unsympathisch. Das ist aber leider nicht alles. Ihr Verlobter Tom ist ähnlich seltsam, denn seine Beschreibung beginnt mit „Kettenraucher“ und endet damit, dass er aussieht, als würde er einer „evolutionär überlegenden Gattung“ angehören (S.12).
Der Autorin scheint außerdem nicht bewusst zu sein, dass es nicht normal ist, als Kinder tote Tiere zu häuten und die Skelette ihren Eltern zu schenken. Tatsächlich sind das die ersten Anzeichen eines Psychopathen und das macht die beiden nicht gerade sympathischer.
Dann wäre da noch der Ex-Freund Daniel, der Cathy einen Zahn ausgeschlagen und mehrere Knochen gebrochen hat. Objektiv weiß ich natürlich, dass er „böse“ ist, aber in der Geschichte war er mir sympathischer als Tom und Cathy.
Meine Lieblingsperson in dem Buch ist leider tot. (Aus Spoilergründen nenne ich die Figur nicht beim Namen.)

Sonstiges
Aus irgendeinem Grund findet ein Maskenball statt. Das war seltsam.
Ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass Cathy Superkräfte hat, denn in einer Menge von 500 Menschen (mit Masken!!) findet sie Daniel auf den ersten Blick. Wie? Keine Ahnung.
Das Ende war auch sehr enttäuschend. Der Konflikt wurde auf die seltsamste Weise gelöst und ich habe außerdem das Gefühl, dass sich keine der Figuren weiterentwickelt hat. (Ihre Aktionen zeugen zwar davon, dass sie sich verändert haben, aber das kaufe ich ihnen nicht ab.)

Fazit
Der Roman war eine Achterbahn der Gefühle und das meine ich leider nicht im positiven Sinne. Die Geschichte hätte gut gemacht sein können (und das war auch der einzige Grund, warum ich dieses Buch beendet habe), aber scheiterte an unsympathischen Figuren und seltsamer Sprache.

Wem könnte dieses Buch gefallen?
Ich bin mir nicht sicher, weil ich mir noch nicht einmal sicher bin zu was für einem Genre das gehört. Das Buch hat mich
verwirrt.
Ich denke, ich würde das Buch einfach gar nicht empfehlen. Und das tut mir Leid, weil ich das Gefühl hatte, dass echtes Potential in der Geschichte steckte.


Diese Rezension habe ich im Rahmen der SuB den Sommer Challenge geschrieben *klick*.

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3 Gedanken zu „Rezension – Museum der Erinnerung

  1. Deine Rezension hat mich ja doch etwas unterhalten – das du verwirrt warst wird absolut deutlich, doch genau damit hast du meine Neugierde geweckt! Das Buch lief mir schon des Öfteren über den Weg und wenn es mal den Weg zu mir finden sollte, bin ich gespannt wie sehr mein Kopf sich dann dreht 😉

    Liebe Grüße
    Janna

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