Maikäfer flieg

Ein gezeichneter Maikäfer landet auf einem Schachbrett.

Das Kinderlied „Maikäfer, flieg!“ habe ich in der Grundschule zum ersten Mal gelesen. Im Flötenunterricht habe ich die Noten dazu gelernt und musste auch den Text auswendig kennen. Schon damals hatte ich ein ungutes Gefühl bei diesem Gedicht. Ich wusste nicht warum, aber ich fand es gruselig.
Das Gefühl hat sich bis heute nicht gelegt, aber jetzt weiß ich besser damit umzugehen. Ich habe das Lied weitergedichtet, wie ich mir vorstelle, dass es weitergehen würde.

Warnung: Es ist absolut kein Kinderlied mehr. (Nicht dass es vorher eines hätte sein sollen.)

 

Maikäfer flieg

Maikäfer, flieg!
Der Vater ist im Krieg.
Die Mutter ist im Pommerland.
Und Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer, flieg!

Maikäfer, flieg!
Du bringst uns den Sieg.
Lauf zu der Front, schieß dein Gewehr,
denn zu töten ist nicht schwer.
Maikäfer, flieg!

Maikäfer, lauf!
Böse gibt’s zuhauf.
Das Bös‘ erkennst du am Gesicht,
wie du und ich so sind die nicht.
Maikäfer, lauf!

Maikäfer, schau!
Du hast jetzt eine Frau.
Es ist ein wunderschöner Tag,
es gibt einen Vergeltungsschlag.
Maikäfer, schau!

Maikäfer, schlaf!
Im Traum hüt’st du die Schaf.
Wenn du nicht kämpfst, sind wir geschwind
und nehmen dein Maikäferkind.
Maikäfer, schlaf!

Maikindchen, flieg!
Jetzt warst auch du im Krieg.
Warst auf dem Weg nach Pommerland.
Und Pommerland ist abgebrannt.
Maikindchen, flieg!


Für weitere und nicht ganz so tragische Gedichte klick hier.

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2 Gedanken zu „Maikäfer flieg

  1. Mir läuft’s kalt den Rücken herunter.

    Das Lied (erste Strophe) war mir früher auch unheimlich, Deine Ergänzung passt zum erinnerten Gefühl so wie zur heutigen Zeit. 🙁

    Lieben Gruß
    Karl-Heinz

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