David und Goliath

Die Geschichte von David und Goliath ist den meisten wohl bekannt. Der Hirtenjunge David verteidigt Israel gegen die angreifenden Philister, indem er in einem Zweikampf den weitaus überlegenden Goliath nur mit einem Stein tötet.
Aber der Sieger schreibt bekanntlich Geschichte. Wie würden die Philister diese Geschichte erzählen?

 

David und Goliath

Saul, der erste König der Israeliten, hatte sich tapfer gegen die Philister verteidigt, aber letztendlich hatte es ihn nur die Leben seiner schlecht ausgebildeten Soldaten gekostet.
Trotzdem hielten sie
in ihrem letzten Lager trotzig die Stellungund weigerten sich aufzugeben.

Goliath wandte sich seinem Hauptmann zu. „Wir können sie nicht angreifen.“
Der Hauptmann zuckte mit den Schultern. „Das ist das Risiko, das der Krieg mit sich bringt. Wenn sie sich nicht entscheiden aufzugeben, dann werden wir sie dazu zwingen müssen.“
König Saul hat noch nicht einmal ausgebildete Soldaten. Wir kämpfen gegen Bauern und Hirten. Das ist kein Krieg, das ist Mord!“
Sie könnten aufgeben“, bestand der Hauptmann ausdruckslos.
Goliath warf die Hände in die Luft. „Sie werden aber nicht aufgeben!“
Dann greifen wir sie an.“
Das wäre Mord!“
Dann schlag etwas Besseres vor!“, rief der Hauptmann erbost und baute sich vor Goliath auf. Der Hüne starrte unbeirrt auf ihn hinab. Der Hauptmann war ein großer Mann, doch Goliath überragte ihn um Längen.
Ich könnte einen von ihnen zum Duell herausfordern“, schlug Goliath langsam vor. Es war kein guter Plan. Niemand würde gegen ihn kämpfen wollen. Schließlich war er Goliath aus Gat, der legendäre Riese der Philister, der angeblich einen Mann mit nur einem Schwerthieb inzwei spalten konnte.
Der Hauptmann trat einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf. Auch er wusste, dass es ein schlechter Plan war, aber Goliath besaß hohes Ansehen unter seinen Soldaten und bei einer Unstimmigkeit konnte sich der Hauptmann nicht sicher sein, wem sie gehorchen würden.
Du hast drei Tage“, befahl er knapp und bedeutete Goliath mit einer Handbewegung zu gehen. Goliath atmete erleichtert aus und verließ das Zelt des Hauptmanns.
Im Morgengrauen des nächsten Tages trat Goliath alleine und unbewaffnet an das Lager der Israeliten heran. Die Bauern hielten ihm schlechte Speere entgegen, als ob das morsche Holz sie retten würde, falls Goliath entschied anzugreifen. Sie würden nicht mehr ausrichten als Zahnstocher.
Der Hüne blieb in einigem Abstand entfernt stehen und rief: „Ich komme zu euch mit einem fairen Angebot! Wir wollen kein unnötiges Blutvergießen! Schickt euren besten Krieger, der gegen mich kämpfen soll! Falls er gewinnt, wird unsere Armee abziehen und euch unser Land überlassen! Sollte ich jedoch gewinnen, dann müsst ihr eure Stellung kampflos aufgeben und uns unser rechtmäßiges Land zurückgeben.“ Keiner der Israeliten rührte auch nur einen Muskel. Goliath sah ernst in ihre verängstigten Gesichter. „Ihr habt drei Tage Zeit, ansonsten werden wir euch vernichten.“
Er ging zu dem Lager der Philister zurück. Die Israeliten waren klein und schwach. Nicht einer von ihnen schien eine militärische Ausbildung genossen zu haben. Und nach ihren Waffen zu urteilen, hatten sie auch keinen guten Waffenschmied. Oder überhaupt einen Waffenschmied.
Jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend für drei Tage trug Goliath sein Angebot vor. Aber die Israeliten gingen nicht auf sein Flehen ein.
Am Morgen des vierten Tages stürmte der Hauptmann in Goliaths Zelt, auf seinem Gesicht war ein breites Grinsen zu sehen.
Die Israeliten haben gerade einen Boten geschickt. Sie nehmen dein Angebot an!“
Wer ist der Krieger?“, fragte Goliath überrascht und rückte seine Rüstung zurecht.
Sie nennen ihn David.“
Goliath nickte langsam. „Hast du schon irgendetwas über ihn gehört?“
Der Hauptmann zuckte die Schultern. „Erst vor wenigen Tagen soll er einen Löwen mit bloßen Händen erschlagen haben. Und einen Bären, der eines der Schafe seines Vaters wegtrug. Aber das sind bloß Geschichten, um uns aus der Fassung zu bringen zu machen. Es würde mich wundern, wenn David mehr ist als ein einfacher Hirte.“
Wie wird er kämpfen? Was sind die Waffen seiner Wahl?“
Erneut zuckte der Hauptmann mit den Schultern. „Das hat der Bote nicht gesagt. Aber wenn in den Geschichten auch nur ein Körnchen Wahrheit steckt, dann wird er stark sein. Also Speer, Schwert oder Axt.“
Goliath zog sein Schwert aus der Scheide und betrachtete es im blitzenden Sonnenlicht. „Und selbst wenn er stark ist, er hat keine militärische Ausbildung.“ Er steckte das Schwert wieder ein. „Er ist praktisch wehrlos.“
Der Hauptmann legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Der Mann gibt sein Leben, für das Leben vieler. Er ist mutig.“
Und töricht“, fügte Goliath hinzu.
Der Hüne wählte seine Rüstung und seine Waffen sorgfältig. Ein Helm und ein schwerer Schuppenpanzer aus Bronze, ein langer Speer mit eiserner Spitze und ein Schild. Nach einigem Zögern band er sich auch noch das Schwert um die Hüfte.
Es würde anstrengend sein, sich in dieser Ausrüstung zu bewegen, aber wenn dieser David tatsächlich so kräftig war, dann würde er für die Panzerung dankbar sein. Außerdem würde der Kampf nicht lange dauern.
Goliath trat nach draußen und sah sich nach seinem Gegner um.
Auf der anderen Seite des Platzes stand ein Junge. Er trug keine Rüstung, nur eine Tunika aus Leinen. In der Hand hielt er eine Schleuder, an der Hüfte einen Beutel aus Leder.
Goliath schaute sich alarmiert um. Es war ein Trick! Wo versteckte sich der Krieger David? Eine Fanfare erklang. Das Duell hatte begonnen. Der Junge zog einen Stein aus dem Beutel, wirbelte die Schleuder über seinem Kopf und ließ den Stein fliegen.
Goliath hätte schnell genug reagiert, aber seine schwere Schuppenrüstung verlangsamte ihn. Der Stein schrappte über den Rand seines Schildes und flog durch den Augenschlitz seines Helmes.
Goliath war sofort tot.
Die Israeliten hatten gelogen. Sie hatten keinen Krieger geschickt, sondern einen Feigling.

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