Thor 3 ist … schlecht

© Walt Disney Studios Motion Pictures

Ich habe vor Kurzem Thor: Tag der Entscheidung gesehen. Eigentlich bin ich Marvel-Fan und die bisherigen Filme konnten mich mindestens für den Moment amüsieren, ohne dass ich aus dem Kino laufen wollte.
Aber Thor war einfach nicht gut und weil ich auf meinem Blog selber Geschichten und über ihren Aufbau schreibe, möchte ich einige Gründe anbieten, von denen ich denke, dass sie an dem enttäuschenden Ergebnis Schuld sind.

Disclaimer: Offensichtlich ist das hier meine Meinung. Wenn dir der Film gefallen hat, dann ist das okay. Jedem das Seine! Ach ja, und hier gibt es Spoiler. 🙂

In der Schule wird einem ja beigebracht vor einer negativen Kritik mit etwas Gutem anzufangen, also mache ich das jetzt.

Das Gute

Der Soundtrack war okay. Ein paar Szenen waren lustig. Und Thor und Loki sahen ganz gut aus.
Und jetzt zu den Sachen, die mir nicht gefallen haben.

Die Stimmung

“Make it dark, make it grim, make it tough, but then, for the love of God, tell a joke.” – Joss Whedon

Joss Whedon hat Marvel mit dem ersten Avengers-Film geprägt als es noch in den Kinderschuhen war und das ist wohl eines seiner bekanntesten Zitate. Und ich habe das Gefühl, dass alle Regisseure, die nach ihm gekommen sind, nicht verstanden haben, was er meinte.

Nehmen wir als Beispiel eine Szene vom Ende des Films: Bruce Banner springt aus dem Flugzeug, um Thor und Crew bei seinem Kampf gegen die untote Armee von Hela zu unterstützen.
Natürlich erwartet man, dass er sich in den Hulk verwandelt, aber er schlägt als Bruce Banner auf den Boden auf und verwandelt sich nicht. Ich musste tatsächlich ein bisschen lachen. Aber dann verwandelt er sich 10 Sekunden später eben doch (offscreen) und kämpft gegen den riesigen Schoßhund von Hela.
Was ist das Problem?

Diese Szene trifft keine Entscheidung. Soll es lustig sein? Ja, denn unsere Erwartungen werden nicht erfüllt. Soll es episch sein? Ja, denn der Hulk kämpft gegen einen riesigen untoten Wolf!!1!11!!eins!!
Und funktioniert es?
Nein, denn es wird nicht klar: Ist es eine lustige Szene, in der nichts auf dem Spiel steht und über die man lachen soll, oder ist es ein Kampf auf Leben und Tod?
Thor 3 will immer beides sein, aber spätestens nach den ersten 10 Minuten kauft man es dem Film nicht mehr ab.

Marvel hat Angst vor starken emotionalen Momenten, weil man die versaubeuteln kann. Da erzählen sie lieber einen Witz, der zwar für den Augenblick lustig ist, aber nichts für die Geschichte tut. Das ist sicher und verdammt langweilig.

Geschichten, die berühren, haben keine Angst vor echten Emotionen. Man muss nicht im Sekundentakt Witze erzählen, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu behalten. Man braucht „nur“ eine spannende Geschichte mit guten Charakteren.

Die Geschichte und ihre Charaktere

© Walt Disney Studios Motion Pictures

Es passiert gleichzeitig zu viel und zu wenig. Szenen werden für „Lacher“ unnötig in die Länge gezogen, aber Charakterentwicklung und World-Building bleibt auf der Strecke.
Ein trauriges Beispiel für schlechte Charakterentwicklung ist die Walküre (deren Namen ich leider, aber verständlicherweise, vergessen habe). Sie hat eine tragische Hintergundgeschichte, denn Hela hat alle (?) ihrer Mit-Walküren getötet, aber damit wird nichts gemacht. Es hätte nichts geändert, wenn man das nicht erfahren hätte. Die Sequenz mit den Renaissance-artigen fast stillen Bildern von ihrem Kampf waren verdammt schön, aber hat nichts zu dem Film beigetragen.
Und sie bekommt auch keine Möglichkeit sich an Hela zu rächen und somit die Macht der Walküren zu beweisen.

Es fehlt einfach an Substanz.

Was ist Thors persönliche Motivation? Welche Motivation hat Loki?
Die hat wohl in beiden Fällen etwas mit dem Tod von Odin zu tun, aber das scheint beides keine wirkliche Auswirkung auf sie zu haben.
Welchen Zweck hat Doctor Strange in diesem Film. Er macht nichts. Er dient nur als billige Ausrede für einige Witze. Und (!!!) … nein, das braucht einen eigenen kleinen Unterpunkt.

Magie und ihre Regeln

Vielleicht habt ihr schon einmal von Sanderson’s Laws of Magic gehört. (Falls nicht, dann klickt auf den Link, es ist wirklich gut und ich stimme dem 100%-ig zu). Ich möchte mich hier auf sein erstes Gesetz beziehen, das da besagt:

An author’s ability to solve conflict with magic is DIRECTLY PROPORTIONAL to how well the reader understands said magic. – Brandon Sanderson’s First Law of Magic

In dem Film von Doctor Strange haben sich Regisseur und Screenwriter (und wer auch sonst noch an dieser Umsetzung beteiligt ist) ziemlich gut an diese Regel gehalten. Sie haben zum Beispiel etabliert, dass man diese Portale nur mit einem speziellen Ring öffnen kann und wirklich starke Magie in Artefakten steckt und so benutzt werden kann. Alles schön und gut.

In der kurzen Sequenz, in der Doctor Strange in Thor 3 vorkommt, teleportiert Doctor Strange sich und Thor quer über den Bildschirm ohne die Nutzung eines Rings, manipuliert vielleicht sogar die Zeit und erschafft Materie aus nichts.

Die Szene ist amüsant (auch wenn sie komplett hätte geschnitten werden können, ohne viel am Film zu ändern), aber ich habe ein wenig Angst, was das für zukünftige Filme bedeuten wird. Wenn die Screenwriter/Regisseure/etc. bereit sind die Regeln ihres Universums für ein paar unwichtige Witze komplett zu vernachlässigen, dann … Wie soll ich mich in einer fremden Welt zu Hause fühlen, die sich nicht einmal an ihre eigenen Regeln hält?

World-Building

Worldbuilding ist schwierig. Richtig schwierig. Und es ist bei Thor 3 (für zeitweise amüsante Witze) auf der Strecke geblieben. Was ist Worldbuilding?

Worldbuilding is the process of constructing an imaginary world, sometimes associated with a whole fictional universe. The resulting world may be called a constructed world. Developing an imaginary setting with coherent qualities such as a history, geography, and ecology is a key task for many science fiction or fantasy writers. – wikipedia

Und das wichtigste am World-Building sind (für den Leser/Zuschauer) die Regeln. Die können impliziert sein oder einem direkt vor die Nase gebatzt werden, aber sie müssen da sein, denn sonst funktionert das Buch/der Film nicht. Hier sind ein paar Beispiele, bei denen das World-Building versagt hat.

  1. Die Magie folgt keinen bestimmten Regeln (wie ich schon erklärt habe).
  2. Wie funktioniert ein kompletter Planet, der nur aus einer Müllhalde und Gladiatorenkämpfen bestehet? Ich brauche keine vollständige Erklärung, aber vielleicht einen Hinweis, dass sich da irgendjemand Gedanken drüber gemacht hat, wäre nett.
  3. Wie viele von diesen Zombiekämpfern gibt es? Was sind ihre Fähigkeiten?
  4. Diese Zombiekämpfer sind doch angeblich Helden aus vergangenen Zeiten. Wie kann es da sein, dass es ein paar Bewohnern Asgards (ohne Rüstung und mit nur sehr rudimentären Waffen) einige von ihnen quasi im Zweikampf zu besiegen?
  5.  Was sind Helas Fähigkeiten? Sie ist doch die Göttin des Todes, warum kann sie also Klingen beschwören?
  6. Hela wechselt immer wieder von ihren normalen Haaren zu ihrer „Spinnenfrisur“. Warum?
  7. Warum (und wie) zieht sie ihre Kraft aus Asgard? Machen das andere Götter auch? Wieso ist sie anders? Und wenn Asgard das Volk ist und nicht der Ort, müsste sie dann nicht einfach dem Volk hinterherreisen, um allmächtig zu werden? Und hätte sie nicht auch an Kraft verlieren müssen, weil sie das Volk ja niedergemetzelt hat?
  8. Thor hat jetzt Visionen von Odin? Warum? Ist das was Normales?
  9. Wieso wurde in den vorhergegangenen Filmen noch nicht einmal am Rande erwähnt, dass Thors Kraft nicht von Mjölnir kommt?
  10. Warum springt der Idiot mit den Maschinengewehren von dem Raumschiff? Die Zombiekämpfer haben *Schwerter*, er hatte zwei *Maschinengewehre* … Wer ist da wohl auf Distanz im Vorteil?!
  11. … und ich könnte diese Liste beliebig weiterführen.

Diese Fragen mögen vielleicht in den Comics erklärt sein, aber ich bin der Meinung, dass Film-Adaptionen von Comics oder Büchern verständlich sein müssen, ohne den Originaltext zu kennen.

Anstatt also die Zeit auf sinnlose Witze zu verschwenden, hätte man das Verständnis der Welt und der Charaktere vertiefen können.

Fazit

Thor 3 hat mich enttäuscht, weil eine vielversprechende Geschichte für sinnlose Witze geopfert wurde. Das war es auch schon.

 


Wie haben euch die Marvelfilme bisher gefallen? Und wie ist es euch mit Thor 3 ergangen?

1

2 Gedanken zu „Thor 3 ist … schlecht

  1. Vielen Dank für Deine sehr interessante Auseinandersetzung mit dem Film. 🙂

    Für mich liest sich Deine Kritik so logisch, wie sie (wieder für mich) für den Film irrelevant ist: Ich gehe in solche Marvel-Filme NUR, weil es da so schön kracht und muntere Bilder gibt, die computertechnisch sau-gut hergestellt sind, d.h. mir ist völlig schnurz, ob die Geschichte idiotisch ist oder halbwegs Hand und Fuß hat.

    😀

    DENNOCH bin ich total froh über den Artikel und hab ihn in den Lesezeichen, denn so egal mir der (fehlende) Hirneinsatz bei den Machern ist, so wenig egal ist er mir selber für selbst zu schreibende Geschichten, der Film ist also ein anschauliches und ‚erstklassiges‘ Negativ-Beispiel zum daran lernen, wobei Deine Kritik wunderbar hilft!

    Fröhliche Grüße
    Karl-Heinz

    1. Da hast du wohl Recht, bei vielen Filmen (zum Beispiel alles von Michael Bay, Fast and Furious etc.) erwarte ich auch nur „berieselt“ zu werden, aber bisher hatte es Marvel immer geschafft ein wenig Charakterentwicklung, World-Building und Basis-Storytelling zu betreiben. Bei Thor 3 ist es das erste Mal, dass all das quasi komplett fehlt und die Kritiker loben den Film in den Himmel als einen der besten Marvel-Filme und als eine neue interessante Richtung für das Marvel-Universum … und da hoffe ich einfach, dass das nicht so ist. :/

      Ich verstehe natürlich, dass sehr viele Zuschauer nur für das Spektakel in solche Superhelden-Filme gehen und da kann ich dir versprechen, dass du nicht enttäuscht wirst!

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