Flowers for Algernon – Über Intelligenz in Geschichten

Ich habe neulich über meine Geschichten nachgedacht und mir ist eine Sache aufgefallen: Ich habe noch nie über jemanden geschrieben, der minderbegabt ist.

[Wichtig: Minderbegabt soll für den Zweck dieses Artikels einfach nur unter dem normalen IQ bedeuten und keine Beleidigung sein. Ich bin nicht wirklich up to date mit politisch korrekten Begriffen, also bitte entschuldigt mein Unwissen bei diesem Thema.
Außerdem: Es ist schwierig einen solchen Beitrag zu schreiben und nicht als ein eingebildetes Arschloch rüberzukommen. Ich versichere euch, dass das nicht meine Absicht ist. Ich möchte tatsächlich nur eine offene und ehrliche Diskussion. 🙂 ]

Warum schreibe ich nicht über Leute, die minderbegabt sind?
Was ist Intelligenz?
Warum mache ich mir überhaupt Gedanken darüber?

Warum sind all meine Protagonisten „normal“-schlau?

Weil ich mir über dieses Thema noch nie wirklich Gedanken gemacht habe, schätze ich. Denn wenn man sich nicht aktiv mit einem bestimmten Sachverhalt auseinandersetzt, dann bleibt man instinktiv bei dem, „was man kennt“.

Außerdem habe ich bisher irgendwie immer gedacht, dass man für eine spannende Geschichte gewitzte Charaktere braucht. Und regt man sich in bestimmten Genres (z.B. Horror) gerne darüber auf, dass die Charaktere „dumm“ sind? Das „dumme“ Verhalten stammt in diesem Fall allerdings nicht von niedrigem IQ sondern von unlogischen Handlungen.

Dumm ist der, der Dummes tut. – Forrest Gump

Ich strebe also nicht nach „schlauen“ Charakteren, sondern nach Logischen. Und Charaktere mit niedrigem IQ können sich absolut logisch verhalten.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher Charaktere mit niedrigem IQ mit unlogischem Verhalten gleichgesetzt habe. Und das stimmt offensichtlich überhaupt nicht!! Ich mag vielleicht die innere Logik im ersten Moment nicht verstehen, aber sie ist da.
Aber deswegen schreibe ich diesen Artikel: um mich zu bessern und vielleicht auch andere zum Nachdenken anzuregen.

Was ist Intelligenz überhaupt?

Der Duden sagt dazu Folgendes:

Für uns ist wohl die erste Definition am sinnvollsten. Trotzdem möchte ich noch ein bisschen eigenen Senf dazugeben. Denn ich glaube, dass es verschiedene Arten von Intelligenz gibt. Da wäre die

  • logische Intelligenz (gemessen durch IQ),
  • die kreative Intelligenz (künstlerische Intuition, Verständnis von Worten und Farben, etc.),
  • und die soziale Intelligenz (soziale Kompetenz)
  • und bestimmt noch viele mehr

Aber weil die logische Intelligenz die einzig objektiv messbare ist, ist es wohl auch die einzig offiziell anerkannte. Worauf ich mit dieser Unterscheidung aber eigentlich hinaus wollte: Nur weil jemand eine niedrige logische Intelligenz hat, muss er/sie nicht überall benachteiligt sein. Vielleicht ist er/sie ein begnadeter Künstler oder wahnsinnig charismatisch (obwohl das vielleicht schon wieder einen gewissen IQ voraussetzt).

Ich schweife ab.

Mein Fazit ist: Intelligenz ist vielschichtig und zumindest in meinem Gefühl nicht unbedingt ein klarer Begriff.

Wieso mache ich mir Gedanken über Intelligenz?

Mir ist neulich eine Kurzgeschichte in die Hände gefallen, die ich das erste Mal in der Schule gelesen habe. Sie heißt Flowers for Algernon.
Darin geht es um Charlie Gordon, der einen IQ 68 hat und an einer medizinischen Studie teilnimmt, um seine Intelligenz zu verbessern. Die Behandlung schlägt an und innerhalb kürzester Zeit verdreifacht er seinen IQ, aber leider ist diese Auswirkung nur von kurzer Dauer und bald nimmt seine Intelligenz wieder drastisch ab.
Ich kann diese Geschichte nur empfehlen und man kann sie kostenlos als PDF im Internet finden. Es sind nur ca 20 Seiten, man kann es also schnell lesen.

Jedenfalls musste ich feststellen, dass die Teile der Geschichte, in denen Charlie noch (bzw. wieder) geistig benachteiligt ist, sehr viel spannender und interessanter fand, als sein Genie-Ich. So viele neue Gedankenansätze, so viele neue Sichtweisen auf die ich nie gekommen wäre …

Fazit

Ich versuche in meinen Geschichten über Menschen von vielen verschiedenen Hintergründen zu schreiben und dabei auch LGBT und PoC Charaktere zu berücksichtigen. Ich arbeite daran meinen Horizont zu erweitern und mögliche Vorurteile oder eingefahrene Gedankenstrukturen in Frage zu stellen.
Dazu gehört auch, die eigenen Muster zu durchbrechen und tatsächlich möchte ich es versuchen, eine Geschichte über jemanden mit niedrigem IQ zu schreiben (und das ohne dabei diskriminierend zu sein).
Wärt ihr an einer solchen Geschichte interessiert?

 


Kennt ihr Bücher, in denen Menschen mit niedrigem IQ eine Hauptrolle spielen (oder sogar Protagonist sind)? Habt ihr irgendwelche Tipps für mich?

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4 Gedanken zu „Flowers for Algernon – Über Intelligenz in Geschichten

  1. Absolut wäre ich interessiert daran. Ich musste bei deinem Beitrag sofort and das Buch „Simpel“ denken (sehr empfehlenswert). Perspektivwechsel sind immer interessant und bieten eine neue Herausforderung. Schreib! ; )

  2. Die Frage, die sich mir anschließend nur stellt, ist: Wie recherchiert man? Also wie stellt man einen „Minderbegabten“ authentisch da, ohne dass es bei einem „So-stelle- ich-es-mir-vor“ bleibt? In die andere Richtung wird genauso ein Schuh draus. Also, Kernfrage: Hat man als Autor so viel Luft nach oben und unten von seiner eigenen Intelligent abzuweichen – ohne wirklich mit Leuten zu sprechen, die so sind?
    Das ging mir grad so durch den Kopf 😀
    Was meinst du dazu? *nachdenklich guck*

    1. Ich habe keine Ahnung! Deswegen will ich es ja ausprobieren… 🙂

      Mein Ansatzpunkt wäre, einen Charakter zu schreiben, dem es schwerfällt zwischen den Zeilen zu lesen/hören und der deswegen andere Zusammenhänge knüpft. Alles andere hängt wohl vom Individuum ab. In der Kurzgeschichte Flowers for Algernon war es zum Beispiel so: Charlie hat alles in sehr einfache Schubladen gepackt. Wenn jemand mit ihm geredet oder gelacht hat, dann war es gut. (Auch wenn sich derjenige über ihn lustig gemacht hat, denn das hat Charlie meistens nicht verstanden). Er ist davon ausgegangen, dass alle Menschen nett sind (denn immerhin lachen sie „mit“ ihm). Und er hat von Anfang an klar gemacht, dass er niemals lügt (weil er sich seine eigenen Lügen nur schwer merken kann).
      Das ergibt eine sehr interessante Dynamik. 🙂

      Ich denke, was ich also machen werde, ist Folgendes: Mir einige Verhaltensregeln für den Charakter aufschreiben und mich dann sehr penibel daran halten. Aber wahrscheinlich sehe ich erst, wenn die Geschichte steht, ob das so funktioniert. 😀

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