Die Grußkarte

Ich schreibe hier über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Geburtstags- und Grußkarten und solche Dinge. Bin ich die einzige, der da immer die Worte fehlen und letztendlich auf ein lasches „Alles Gute zum Geburtstag“ zurückgreift?! Ich habe immer das Gefühl, dass es da einen Trick geben muss (und wenn der Trick nur ist, ins Internet zu gehen 😀 )
Aber ich muss meine Frustration vokalisieren und deswegen ist daraus eine Geschichte entstanden. Was auch sonst?

 

Die Grußkarte

Sebastian seufzte und betrachtete zum wiederholten Mal die Karte, die vor ihm auf dem Tisch lag. Vorne bunte Ballons und eine hüpfende Schrift, die fröhlich „Happy Birthday!“ wünschte und hinten … gähnende Leere. Er tippte mit dem Kugelschreiber eine rasche Melodie und ging noch einmal die Ideen durch, die er in den letzten fünfzehn Minuten gesammelt hatte.

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem 25. Geburtstag wünscht dir …“

„Alles Liebe und Gute zu deinem 25ten!“

„Meine Güte bist du alt geworden!“

„Zeit für die Quarter-Life-Crisis! 😀 „

Die letzten beiden Ideen waren nicht ernst gemeint, aber er war dennoch versucht, eine davon zu nehmen. Immerhin würde er sich dann nicht die Menge der 08/15 Glückwünsche einreihen.
Das Geschenk war gekauft und es war ein Gutes! Was ihm fehlte war der passende Glückwunsch. Ein schneller Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er eigentlich schon im Auto sitzen musste. Sebastian murmelte einen stillen Fluch. Er konnte ewig hier herumsitzen und auf die perfekte Idee warten. Er zwang sein Gehirn zur Konzentration, aber ihm tanzte nur ein Lied von Otto durch den Kopf.

„… du bist in meinem Karpfenteich der letzte Hecht,
von deinem Anblick wird mir schon von Weitem schlecht.“

Das konnte er unmöglich nehmen.
Was denn dann?

„25 Jahre! Du bist auf dem Höhepunkt deiner Gesundheit!
Lass uns darauf trinken!“

Das klang ja fast wie eine Drohung. Sebastian seufzte erneut. Vielleicht war ein etwas nerdiger Geburtstagswunsch eine bessere Idee?

„Ich wünsche dir eine schöne 25te Sonnenumrundung und hoffe, dass noch viele weitere glückliche dazukommen.“

Da fehlte nur noch ein „.. bevor die Sonne explodiert.“-Nachsatz. Eine Idee blitzte durch Sebastians Kopf. Er könnte die Karte in Morsezeichen schreiben! Das war gut! … aber es blieb trotzdem die Frage, was er denn überhaupt schreiben sollte. Denn auch wenn er in Morsezeichen schrieb, blieb ein langweiliger Geburtstagswunsch ein langweiliger Geburtstagswunsch.
Sebastian raufte sich die sorgfältig gestylten Haare. Das war ja zum Kühe Kippen!

„Mir fehlen die Worte ich
hab die Worte nicht … dir einen tollen Geburtstag zu wünschen?“

Nein, das war von Tim Bendzko! Das würde auffallen!

„♥-lichen Glückwunsch …“

Nein.

„Herzlichen GLÜH-STRUMPF 😀 …“

Nein.

„[Hier die besten Geburtstagswünsche einfügen]“

Nein!
Wieso war sein Gehirn so überhaupt nicht kooperationsbereit? Was brachte so eine Glückwunschkarte überhaupt? Sie wurde einmal gelesen und dann landete sie wahrscheinlich in dem Berg aus zerrupften Geschenkpapier und dann zerdrückt im Papiermüll.
Warum sich also die Mühe machen?

Sebastian stutzte. Genau! Warum machte er sich eigentlich die Mühe? Das Geschenk war perfekt und würde für sich sprechen und die Glückwünsche konnte man sowieso besser persönlich überbringen!
Mit einem Grinsen ließ er die Karte auf dem Tisch liegen, schnappte sich das in gepunktetem Papier verpackte Geschenk und machte sich auf den Weg.

 


Wie handhabt ihr das mit so Glückwunschkarten? Habt ihr vielleicht einen super-coolen „Standardspruch“, den ich mir abschauen kann? Oder ist alles, was ihr schreibt, Custom-made?

Ich greife (weil faul und unkreativ) immer auf Seiten aus dem Internet zurück wie https://www.wuensche-und-sprueche.de/ oder http://www.geburtstag-wuensche.de/ und suche mir da was Schönes und Passendes raus 😀 Ja, ich weiß. Asche auf mein Haupt. Aber das macht den Prozess des Kartenschreibens so viel einfacher!

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2 Gedanken zu „Die Grußkarte

  1. Es kommt halt auch ein bisschen darauf an, wer die Karte bekommt.
    Wenn es jemand für mich wichtiges ist, dann ist der Text unbedingt custom-made – bezieht sich auf das erlebte im vergangenen Jahr oder sonst was.
    Wenn es jemand nicht so wichtiges ist, dann tut es auch der 0815-Spruch. Grundsätzlich ist die meiste Grübelei aber – wie deine Geschichte schon zeigt – vermutlich für umsonst, denn die Karten landen sowieso im Papiermüll.

    1. Familie und sehr gute Freunde haben immer einen Custom-Spruch bekommen. Aber auch da ist mir schnell die Kreativität ausgegangen.
      Bin jetzt dazu übergegangen, kaum noch Karten zu schreiben. Außer das Geschenk ist ein Gutschein oder so. Dann gibt’s den als Karte 🙂

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