Repräsentation von Minderheiten in der Literatur

Ich habe diesen Beitrag mehrere Male geschrieben und wieder gelöscht, weil ich mir selbst nicht sicher war, was ich sagen wollte. Aber ich wusste, dass ich etwas sagen wollte.
Repräsentation von Minderheiten (ob aufgrund von Hautfarbe, Behinderung, Religion, sozialem Stand oder etwas anderem) ist in der Literatur ist ein heikles Thema.

Charaktere sollten kein politisches Statement sein

Für mich steht bei jeder Geschichte, der Plot im Vordergrund, nicht die Charaktere. Die Charaktere sind nur ein Gefäß, das die Geschichte trägt, genau wie ein Buch das Medium ist, das mir die Geschichte bringt. Deshalb denke ich, dass in gut durchdachter (!) Literatur alles seinen Grund hat. Auch die sexuelle Orientierung. Oder die Hautfarbe. Oder …
Ich denke, ihr versteht, was ich meine.
Das heißt, wenn ich über einen heterosexuellen weißen Mann ohne Behinderung schreibe, dann habe ich mir das wahrscheinlich gut überlegt. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass er am besten meine Geschichte trägt. Und wenn in meiner Geschichte nur heterosexuelle weiße Männer vorkommen, dann finde ich das immer noch nicht problematisch, solange es einen Grund hat.

Natürlich kann ich hier nicht für jeden Schriftsteller oder Blogger sprechen. Aber ich will den Verfassern keine böse Absicht bei der Wahl ihrer Charaktere unterstellen. Deshalb gehe ich immer davon aus, dass jeder Aspekt der Charaktere aus einem bestimmten Grund gewählt wurde.

Die meisten deutschen Autoren leben in einer weißen Welt

Schreibe, was du kennst.

Das war ein Tipp, den ich bekommen habe, als ich mit dem Schreiben angefangen habe. Kann man es den Autoren da verübeln, dass sie aus ihrer eigenen Erfahrung schreiben? Und die ist hier in Deutschland nunmal (aus eigener Erfahrung) eher Mittelschicht, ohne Behinderung und weiß, als irgendetwas anderes.
Ich heiße das weder gut noch schlecht, ich plädiere nur für Verständnis für die Autoren, die sich mit dem Thema der Inklusion (noch) nicht auseinander gesetzt haben.

Was tun?

Oft habe ich das Gefühl, dass man bei einer Debatte über Minderheiten nicht gewinnen kann. Entweder ist man ein rassisstisches Schwein, weil man nicht (genug) Minderheiten in seiner Geschichte hat oder es wird einem vorgeworfen nur aus politischer Korrektheit Charakter X oder Y in seiner Geschichte zu haben. Oder gar als „Weißer“ gar kein Recht zu haben, über Minderheiten zu schreiben, weil man sie nicht versteht.

Also, was tun?
Charaktere anderer Hautfarbe oder Religion (etc) unter die „normalen“ (bei diesem Wort rollen sich mir die Fußnägel) mischen? Schadet doch nicht. Aber vielleicht doch? Ich bin gegen die Quoten-Minderheit genauso wie gegen die Quotenfrau am Arbeitsplatz.

Ja, es würde helfen, die Repräsentation zu verbessern, aber jeder würde davon ausgehen, dass die Person nur da ist, um diese ominöse Quote zu erfüllen. Und selbst wenn die Person, die Passendste für die Situation ist, würden ihr trotzdem alle unterstellen nur eine Quote zu sein.

*seufz*

Ich habe keine Lösung zu der Frage und das zerfrisst mir den Kopf.
Nachdem ich das hier geschrieben habe, habe ich noch mehr Fragen als Antworten.

 


Was meint ihr? Ist es wichtig die Hautfarbe oder sexuelle Orientierung eines Charakters zu erwähnen, auch wenn es nichts zu Geschichte beiträgt? Sollten Minderheiten in allen Büchern vertreten sein? Oder ist das unrealistisch?
Wie löst ihr das in euren Geschichten?

Bitte seid lieb zueinander in den Kommentaren! Man kann andere besser mit rationalen Argumenten überzeugen, als mit wüsten Beschimpfungen 🙂

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