Traumwelten, Kapitel 3

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Jetzt geht die Geschichte so richtig los. Ihr glaubt mir nicht? Dann einfach mal lesen 😉 Nur eine kleine Vorwarnung: In der Geschichte ist ein Link, wenn ihr da drauf klickt, öffnet sich YouTube in einem neuen Tab und es läuft ein Lied. Wenn ihr ohne musikalische Begleitung lesen wollt, dann einfach nicht klicken 🙂

Viel Spaß beim Lesen.

Engelsstaub

Die dumpfen Bässe seiner Musik wummerten Roman in den Ohren, als er durch das Schultor schritt. Er wollte nicht wissen, wie Birgit ihn heute Abend empfangen würde. Bestimmt hatte sie es schon Papa erzählt.
Es war zehn vor acht, als er den Klassenraum betrat und die meisten seiner Klassenkameraden waren schon da. Roman zog sich die Kopfhörer von den Ohren und die lauten Bässe wurden von dem redseligen Treiben der Schüler abgelöst. Er ließ seinen Blick schweifen, dann fand er, wen er suchte. Mit einem Kopfnicken schob er sich an ein paar Mädchen vorbei und ließ sich neben seinen Kumpel auf einen Stuhl fallen. Sein Rucksack plumpste achtlos zu Boden.

»Was geht, Pille?«

»Nicht viel. Bei dir?«, erwiderte sein Freund mit einem gelangweilten Blick.
Roman zuckte mit den Schultern.

»Birgit will, dass wir eine große glückliche Familie werden.«

»Das ist ja eine grandiose Idee.«

»Hab ihr die Meinung gesagt.«

»Neee, wirklich?!«

»Jap. Hab ihr gesagt, sie hätte meinen Vater nicht ficken sollen.«

Pille lachte laut auf. »Was hat sie dazu gesagt?«

Roman zuckte erneut mit den Schultern. »Kein Plan. Bin gegangen, bevor sie was sagen konnte.«

»Dann kommt heute Abend noch was auf dich zu« Pille lächelte wissend.

Einen Moment waren beide still. Roman sah sich um und leckte sich über die Lippen. Niemand schenkte ihnen Beachtung. Er lehnte sich näher zu Pille.

»Ich könnte ein bisschen Hilfe gebrauchen«, sagte er mit gesenkter Stimme.

Pille klopfte ihm so gar nicht unauffällig auf die Schulter. »Null Problemo, Alter. Ich hab da was für dich.«

Roman sah sich erneut um. Niemand schenke ihnen auch nur einen Hauch Beachtung.
Pille zog ein knisterndes Plastiktütchen aus seiner Jackentasche. Darin befand sich eine kleine kreisrunde Tablette.

Roman runzelte die Stirn. »Alter! Was ist das?«

Pille grinste und beugte sich näher zu ihm. »Das ist voll geil. Angel Dust.«

Roman knuffte ihm in die Schulter. »Ich will doch nur ein bisschen Gras. Fang doch nicht mit so nem Müll an!!«

»Ist vollkommen ungefährlich. Genau wie Gras«, versicherte Pille und drückte ihm das Tütchen in die Hand. »Die erste ist auf’s Haus.«

Mit den Worten stand Pille auf und verließ das Klassenzimmer. Die Klinge schallte schrill und Roman ließ das Plastiktütchen unauffällig in seine Tasche gleiten. Pille wusste, was er tat.

∴—∴

Nach der Schule machte sich Roman missmutig auf den Weg nach Hause.
Er stapfte durch den leichten Herbstregen, bis seine Klamotten komplett durchnässt waren und die Kälte bis in seine Knochen gekrochen war. Trotzdem nahm er den langen Weg.
Birgits Wagen stand nicht in der Einfahrt stand. Roman war insgeheim froh, obwohl er es nie zugegeben hätte. Er schlüpfte in die Wohnung und sah sich vorsichtig um. Auch Birgits Regenmantel fehlte. Sie war also tatsächlich weg. Er atmete erleichtert aus.
Z
ielstrebig steuerte er die Küche an. Seine Schuhe hinterließen quietschende Matsch- und Wasserflecken. Eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank. Und jetzt …
Er öffnete die Küchenschränke und lugte hinter Schüsseln. Im dritten Schrank wurde er schließlich fündig. Ganz hinten bei den Kerzen war eine Tüte Chips. Mit einem triumphierenden Grunzen zog Roman sie heraus.

Salt and Vinegar. Bäh.

Birgit hatte einen grässlichen Geschmack. Aber es würde reichen müssen.
Bewaffnet mit Chips und Cola machte er sich auf den Weg nach oben. In der Einfahrt hörte er Wagenreifen knirschen. Roman nahm die letzten paar Stufen mit einem Sprung und schloss seine Zimmertür hinter sich ab. Das Schloss klickte.

Er war sicher.

Ohne seine Notfallrationen abzusetzen, kickte er sich die Schuhe von den Füßen (sie landeten in irgendeinem Haufen) und balancierte zum Bett.
Roman fegte den Wecker von seinem Nachtschränkchen und legte sein Essen darauf ab. Er öffnete vorsorglich die Tüte Chips und aß gedankenverloren einen davon. Die waren echt widerlich. Er wischte sich die Hände an der Hose ab und fischte das Plastiktütchen aus seinem Rucksack.

Die Tablette war so klein und unscheinbar. Roman nahm sie heraus und ließ sie sich unter der Zunge zergehen. Sie schmeckte säuerlich. Ein bisschen wie Brausepulver. Roman musste grinsen. Da hatte er schon deutlich schlimmere Sachen geschluckt.

Mit den Kopfhörern auf den Ohren kuschelte er sich in sein Bett. Unschlüssig scrollte er durch seine Lieder. Es würde dauern bis das High einsetzte.

Timmy Trumpet & Savage – Freaks. Das war jetzt genau das Richtige.

Der Beat dröhnte in seinen Ohren. Seine Füße wippten im Takt.
Der Bass schmeckte anders als sonst. Irgendwie metallisch, mit einer Note Popcorn. Roman blinzelte träge. Fing es etwa schon an?
Sein Gesicht war angenehm taub. Das Zimmer rollte in Wellen auf und ab. Die Zeit schien still zu stehen.

Aah, the mighty trumpet brings the freaks out to the floor!

Er berührte sein Gesicht, griff daneben. Oder doch nicht? Er fühlte die Berührung nicht. Sein Bett schwappte auf und ab. Roman drehte den Kopf. Schwarze Ränder breiteten sich von seinen Augenrändern aus. Sein Blickfeld wurde eng. Interessant.

Tell me, where the freaks at!

Roman fühlte die Bewegung des Raumes im Magen. Er schloss die Augen und er wurde aus seinem Körper katapultiert.
Sein Verstand machte sich nicht die Mühe, das Geschehene zu verarbeiten. Roman blickte auf sich selbst hinab. Er lag mit geschlossenen Augen im Bett. Dann wurde sein Geist durch die Decke nach draußen gezogen. Höher und höher.

Er war im Weltraum.

Alles war seltsam klein. Der Mond nicht größer als ein Fußball.

Roman bekam ein flaues Gefühl im Magen. Er fiel.

The bass and the tweeters make the speakers go to war!

Er landete hart auf dem Boden. Auf einmal war er wieder ganz er selbst. Kopfschmerzen.
Roman öffnete die Augen. Sein Mund war trocken. Ein einzelner Grashalm kitzelte seine Wange.

Was?

Roman richtete sich auf und die Kopfschmerzen schienen seinen Kopf spalten zu wollen. Er sah sich um. Eine weiße Wiese. Blutroter Himmel. Es roch nach Honig und warmer Milch. Eine warme Brise zerzauste ihm die Haare.

Wo zur Hölle war er?


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Wie gefällt euch die Geschichte bisher? Wie hat euch das mit der Musik gefallen? Coole Idee, oder lenkt es eher ab? Ich bin sehr gespannt auf eure Meinung!

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4 Replies to “Traumwelten, Kapitel 3”

  1. Katharina says:

    Oh Gott, was ist denn jetzt passiert? Da bin ich ja wieder gespannt auf Mittwoch 😉
    Sehr cool, dass durch den Trip Schein und Wirklichkeit verwischen!

    LG Katharina

    Antworten
  2. Karl-Heinz Zimmer says:

    Ja, wirklich cool, Du schreibst fesselnd und glaubhaft, danke nochmals, ich bin gespannt, wie es weiter geht.
    Lieben Gruß
    Karl-Heinz 🙂

    Antworten
    1. Sina Bennhardt says:

      Das freut mich sehr, dass dir mein Schreibstil gefällt 🙂

      Der nächste Teil kommt am nächsten Mittwoch raus. Hoffentlich kann der auch überzeugen 🙂

      LG Sina

      Antworten

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